von Roxana Frey

Dass Podcasts gerade in aller Munde, oder vielmehr in aller Ohren, sind, ist bereits bekannt. Dabei sind gerade Literaturpodcasts in den letzten Jahren zum Trend geworden, die von einzelnen Personen, aber auch von großen Verlagsgruppen produziert werden. Aus diesem Anlass lud „Frankfurt Authors“ am Freitag, den 18.10.2019, auf der Buchmesse zum Vortrag „Podcasts: Wie Verlage und Autorinnen das Medium optimal nutzen“ ein. Unter der Moderation von Wolfang Tischer vom literaturcafe.de, berichteten vier geladene Gäste über ihre Erfahrungen mit Podcasting – privat und beruflich.

Frank Stockmann, selbsternannter „Vital Trainer“, Autor und ehemaliger Host vom „Jetzt- Blond-Podcast“ erzählte von seinen Erfahrung, wie man „einen Podcast an die Wand fährt“: Vor kurzem trennte er sich von seinem Podcast-Partner, seinem Friseur Sezar Minasyan , mit dem er sich über Haare, Liebe und dem Mut zur Veränderung unterhielt. Grund für den fehlenden Erfolg des Podcasts war, laut Stockmann, der Mangel an Authentizität. Der Podcast bot den falschen Content für die Zielgruppe, die er ansprechen wollte, was er auf seiner falschen Motivation begründet: Der Podcast entstand in erster Linie, um seinen Roman zu vermarkten. Aus diesem Misserfolg zog Stockmann seine Schlüsse und startet bald seinen neuen Podcast, in dem er sich mit ehemaligen Profisportlern über das Thema „Mentaltraining“ unterhalten wird.

Florian Kessler ist Lektor beim Hanser Literaturverlag und Herausgeber des Literatur-Podcasts „Hanser Rauschen“, wo alle 14 Tage Schaffende aus dem Literaturbereich zu Gast sind und sich mit Lektorinnen des Verlags über Bücher und vieles mehr unterhalten. Der Podcast erfreut sich großer Beliebtheit, wobei Kessler das Medium als ein „riesiges Feuilleton“ sieht:
Dabei geht es vor allem darum, sich nicht von großen Zahlen verführen zu lassen. Gestartet wurde der Podcast mit der Lautsprecherfunktion des Firmentelefons und einem Handy, wobei der Podcast stetig an Professionalität zunimmt. Trotzdem war es Kessler immer wichtig, dieses „nicht-perfekt-sein“ an die Hörer*innen zu transportieren – denn so bleiben die Themen authentisch.

Für diese Authentizität bei Podcasts plädiert auch Autorin Klaudia Zotzmann-Koch, die schon seit Anfang der 2000er Podcasts hört und selber produziert. Viel falsch machen könne man beim Podcasting gar nicht – es lohne sich vor allem das Feedback der Hörerschaft ernst zu nehmen und Websites wie Sendegate.de zu nutzen, um zu ergründen was die Leute
tatsächlich interessiert.

Karin Pfaff, Senior Manager Digital Development, sprach stellvertretenden für die Random-House Verlagsgruppe, die mittlerweile mit vier prominenten Podcasts auf dem Markt vertreten sind. Ziel ist es damit vor allem junge Leute auf einer Plattform zu erreichen, da sich auch die Verlagswelt in einem Digitalisierungsprozess befindet. Das Problem bei Podcast sei aber auch, dass sich der Erfolg schwer in Zahlen messen lassen kann, da ausführliche Statistiken fehlen.

Der gesamte Vortrag ist auf www.literaturcafe.de als Podcast verfügbar.


Artikel verfasst von Roxana Frey im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

von Roxana Frey

Der Traum ein eigenes Buch auf den Markt zu bringen scheint für viele unvorstellbar. Dass das jedoch gar nicht so schwer ist, zeigte der von der Gourmet Gallery und Travel Salon veranstaltete Vortrag zum Thema: „Wie pitche ich meine Buchidee? Autoren und Blogger verraten wie es geht“ am 18.10 auf der Frankfurter Buchmesse 2019.

Im Rahmen des „Food und Travel Talks“ waren am Freitag die Autorin Gesa Neitzel (Frühstück mit Elefanten / The Wonderful Wild), Literaturagentin und Autorin Alexandra Schlüter und Verlegerin Marianna Hillmer (Reisedepeschen Verlag) zu Gast und erklärten, wie man den perfekten Pitch für seine Buchidee verfasst.

Dabei ist das Schreiben an sich der erste Schritt. Laut Gesa Neitzel ist das meistens die schwierigste Aufgabe: „Du redest immer davon, dass du gerne schreiben möchtest und hast ganz viele Notizbücher und tolle Kugelschreiber, aber eigentlich schreibst du gar nicht“. Dem kann Marianna Hillmer nur zustimmen. Ihren Verlag erreichen sehr viele Anfragen, aber vielen fehlt die konkrete Idee für ein interessantes Exposé. Diese Erfahrung macht auch Alexandra Schlüter mit ihren Autoren – ein Konzept hilf auch ihnen selbst Struktur in ihr Vorhaben zu bringen. Dabei sollte der Pitch nie länger als 3-5 Minuten sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vita des Autors: Wurde bereits etwas publiziert? Gibt es einen Blog? Diese Fragen stellt sich ein Verlag, wenn er eine E-Mail mit einem Exposé erhält. Dass man selbst nie früh genug damit beginnen kann sich zu vermarkten, weiß auch Gesa Neitzel: Eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein darf bei einem Pitch nicht fehlen. Sie startete mit einem Reiseblog, woraufhin ihr Anfragen von Literaturagenten und Magazinen zugesendet wurden. So kam sie auf unkonventionelle Weise zu ihrem ersten Buchvertrag: Neitzel wollte eine Ausbildung zur Rangerin in Afrika machen, wofür ihr leider das Geld fehlte. Um ihren Traum verwirklichen zu können, entwickelte sie die Idee ein Buch über dieses Thema zu schreiben, um sich mit dem Geld die Ausbildung zu finanzieren. Über Kontakte kam sie zum Ullsteinverlag, der letztendlich ihr Werk „Frühstück mit Elefanten“ verlegte. Leidenschaft und Durchhaltevermögen sei bei diesem Vorhaben das Wichtigste – teilweise wird man bis zu 40 Mal von Verlagen abgelehnt bis man letztendlich doch einen Buchvertrag erhält. Der klassische Weg ist es sich mit einem Manuskript direkt an einen Verlag oder Literaturagenten zu wenden.

Alexandra Schlüter hilft den AutorInnen dabei ein Buchkonzept zu entwickeln und den passenden Verlag für das geplante Buch zu finden. Das persönliche Gespräch mit dem Verleger folgt danach. Wichtig ist dabei vor allem die persönliche Beziehung zwischen und AutorIn und LektorIn – wenn das nicht passt, kann es auch mit dem Buch nicht funktionieren, weiß Marianna Hillmer.


Artikel verfasst von Roxana Frey im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

von Mona Klinkhardt

Das Thema Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle – auch in der Buchbranche, wie die Vielzahl der Veranstaltungen auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse dazu zeigen.

Am Messe-Donnerstag fand in Zusammenarbeit mit BuchMarkt auf der Publishing Services & Retail Stage in Halle 4.0 eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Nachhaltigkeit in der Buchproduktion“ statt. TeilnehmerInnen waren Ernst Gugler, Geschäftsführer der Gugler GmbH, Markus Hatzer, Verleger des Löwenzahn Verlags, Dr. Nadja Kneissler, Leiterin des Delius Klasing Verlags und Stefanie Langner, Herstellungsleiterin des S. Fischer Verlags.

Durch die bunte Mischung der Gäste konnte ein interessanter Überblick über den Status quo aber auch geplante weitere Vorgehen der unterschiedlichen Unternehmen gegeben werden, die alle ganz eigene Erfahrungen mit dem Thema Nachhaltigkeit und ökologischer Produktion gemacht haben.

Dabei reichen die Versuche vom Weglassen der Einschweiß-Folie bis hin zum Cradle-to-Cradle-Prinzip. Cradle to Cradle (C2C) bedeutet „von der Wiege zur Wiege“, wobei in Produktkreisläufen gedacht wird, also alle Materialien wiederverwertet werden können und kein Müll entsteht. Die Druckerei Gugler hat sogar ein C2C-inspiriertes Gebäude gebaut: 97 % aller verwendeten Baustoffe sind recyclingfähig – das Gebäude besteht aus Holz, 30–40% der Bauteile hatten schon ein Vorleben. So wurde Recyclingbeton genutzt, altes Papier zu Dämmstoff verarbeitet und alte Druckplatten verwendet, um das Gebäude von außen zu schützen. Außerdem gibt es Nistkästen für Turmfalken und im Unternehmen wird vegetarisch gekocht.

Auch Verlage bemühen sich um Nachhaltigkeit

Ein Kunde der Druckerei ist der Löwenzahn Verlag. Sie stellten fest: Wenn man der Linie treu bleiben und seiner Zielgruppe entsprechen will, muss man eigentlich Cradle to Cradle drucken – deshalb wurde die Produktion im Juli 2019 komplett umgestellt. Damit sei Löwenzahn momentan der einzige deutsche Verlag, der alle seine Novitäten vollständig nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip produziert. Das sei ein großer Schritt, aber man müsse es so machen, sagt Verleger Markus Hatzer – auch wenn es bezüglich der Herstellungskosten eine Herausforderung sei. Laut ihm sollten die Menschen keinen negativen Fußabdruck hinterlassen, sondern einen positiven. Als Produzent müsse man deshalb Qualität neu definieren:

Ein gutes Produkt ist nicht dann ein gutes Produkt, wenn es optisch ansprechend ist, wenn die Inhalte schön gestaltet sind, wenn die Aufschlagsqualität des Buches gut ist, sondern wir sprechen dann von guter Qualität, wenn die verwendeten Inhaltsstoffe, wenn das Produkt an sich frei von jeglichen Schadstoffen ist. Wir sprechen dann von einem guten Produkt, wenn das Produkt recyclingfähig ist, rückstandsfrei ist. Und wir sprechen dann von einem guten Produkt, wenn es so hergestellt worden ist, dass es positiv ist fürs Klima und nicht negativ ist fürs Klima.

Doch Gugler betonte auch, dass sein Unternehmen „nicht perfekt“ sei, denn nachhaltig wirtschaften sei ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess.

Am Beginn dieses Prozesses befindet sich der bis jetzt absolut nicht für Nachhaltigkeit bekannte Delius Klasing Verlag – produzierten sie doch untere anderem Magazine für Porsche und über Mega-Yachten. Für das neue Buch über Fridays for Future, das in Zusammenarbeit mit den Aktivisten und Aktivistinnen entstand, war sehr schnell klar: Dieses Buch kann nicht auf konventionelle Weise hergestellt werden. Daraufhin beschäftigten sie sich intensiv mit der Thematik und produzierten das Buch komplett klimaneutral bzw. klimapositiv – natürlich bei der Druckerei Gugler. Künftig sollen nun zunehmend Bücher auf diese Art hergestellt werden. Das Projekt hatte einen großen Effekt auf den ganzen Delius Klasing Verlag: Im Nachhinein wurde überlegt, wie man sich nachhaltiger und ökologisch sinnvoller aufstellen kann – so gibt es nun für die MitarbeiterInnen keine Inlandsflüge mehr, stattdessen Sammelfahrten, Job-Räder und auch ein ökologischeres Kopierpapier. Außerdem wird ein Green Award an MitarbeiterInnen verliehen.

Solch einschneidende Maßnahmen gestalten sich für große Verlagshäuser wie S. Fischer natürlich komplizierter. Gerade aus herstellerischer Sicht blieben Preis und Verfügbarkeit absolut mitentscheidend, gesteht Stefanie Langner. Trotzdem will die gesamte Holtzbrinck-Gruppe künftig umweltfreundlicher agieren, wobei der Schwerpunkt auf der CO2-Emmission liegt. Denn sie hätten festgestellt, dass sie sich eine Hauptüberschrift geben müssen, an der sie weitere Maßnahmen bemessen. Der Umzug von Rowohlt aus einem „klimatisch hochproblematischen Gebäude“ sei ein plakatives Beispiel dafür. Insgesamt konnten in der gesamten Unternehmensgruppe in den letzten Jahren bereits 30 % der CO2-Emmissionen reduziert werden. Der größte Faktor dabei sei das Papier, da der Herstellungsprozess ein energetischer sehr aufwändiger Prozess ist. Danach kommt der Transport – deshalb hat der Verlag sich vorgenommen, sich die Transportkette genau anzuschauen und zu prüfen, wo man hier Effekte erzielen kann.

Manches ist schwieriger, als gedacht

Einfach die Folie wegzulassen, was sich erst nach einem schnell umzusetzenden Schritt anhört, sei gar nicht so einfach – in einigen Handelsstufe sei die Akzeptanz zu gering. Der Buchhändler muss nach wie vor Überzeugungsarbeit leisten, wenn der Kunde nach einem eingeschweißten Buch fragt. Hier muss ein großer Umdenkprozess angestoßen werden.

Oft beschäftigen sich umweltfreundlich hergestellte Bücher auch mit dazu passenden Themen wie Naturkosmetik und gesunder Lebensweise, da hier die Akzeptanz am größten ist. Auch im Kinderbuchsektor werden Cradle-to-Cradle oder nachhaltig hergestellte Bücher gut angenommen. Bei einem breit aufgestellten Publikumsverlag stellt sich die Frage, ob dies auch bei einem Thriller oder einem historischen Unterhaltungsroman funktionieren wird und vermittelbar ist. Doch auch dies gelte es, irgendwann auszuprobieren, zu wagen, so Lagner.

Auch im Vorstand des Börsenvereins wird das Thema Nachhaltigkeit intensiv diskutiert, wie Dr. Kneissler, Vorsitzende des Verlegerverbandes, berichten konnte. Künftig ist eine Website oder ähnliche zentrale Quelle geplant, auf der Informationen abrufbar sind, wie man als Mitglied der Branche klimafreundlich agieren kann.

Moderator Leander Wattig von ORBANISM fasste zusammen: Wichtig sei zum einen Bewusstseinsschaffung/-stärkung bei den Kunden, zum anderen Kooperationen und Zusammenarbeit in der Forschung.


Artikel verfasst von Mona Klinkhardt im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

von Alina Zaiser

Was man als AbsolventIn eines geisteswissenschaftlichen Studiums letztlich damit anfängt, ist eine Dauerfrage. ZEIT Campus griff das Thema Anfang 2018 auf und konstatierte: „Tatsächlich kann der Berufseinstieg manchmal holprig sein, aber wer flexibel ist, hat gute Chancen“.

Was das in der Praxis bedeutet, war auch auf dem diesjährigen Young Professionals Day auf der Frankfurter Buchmesse, ausgerichtet vom Mediacampus Frankfurt, ein zentrales Thema. Der Karriereweg einer Metadaten-Managerin, eines Produktmanagers und einer Marketing Managerin sollten zeigen: Es gibt die Berufszweige für die Geisteswissenschaften.  Wir stellen sie einmal genauer vor:

1. Metadaten-Managerin

Ramona Böhm von Droemer Knaur macht den Anfang. Sie arbeitet seit Jahren als Metadaten Managerin bei der Verlagsgruppe. Ob sie das denn immer schon gewollt habe, kam die Frage aus dem Publikum? Nein, sagt Böhm. Schon die Ausschreibung war damals noch sehr wage gehalten, die Verlagsgruppe suchte eine Person, die sich unter anderem auch mit Metadaten und SEO auskennt. Daraus hat sich dann ihr heutiges Stellenprofil entwickelt.

Aber was sind das eigentlich: Metadaten? „Metadaten sind Daten, die Informationen über Merkmale anderer Daten enthalten, aber nicht diese Daten selbst“, Böhms auf die Leinwand projizierte Definition klingt da noch sehr akademisch, etwas abstrakt. Im Grunde sind Metadaten diejenigen Informationen, die das Buch beschreiben, sagt sie auf die interessiert-ratlosen Blicke aus dem Publikum. Diese Informationen ermöglichen es Algorithmen erst, die Produkte im Netz auffindbar zu machen. „Wer einen Thriller sucht, will keine wissenschaftliche Abhandlung finden, wenn man eine entsprechende Schlagwortsuche im Netz startet.

Angefangen hatte die studierte Germanistin ihren Weg als Praktikantin bei Lovelybooks im Bereich Community Management und Social Media, darauf folgte eine Station als Volontärin im Marketing und Vertrieb bei MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels. Dort blieb sie als Marketing Managerin, ehe sie sich auf die Ausschreibung bei Droemer Knaur bewarb. „Eine Metadaten Managerin sitzt an der Schnittstelle zwischen IT und Lektorat“, angesiedelt sei sie aber weiterhin im Vertrieb. „Metadatenmanagement wird überall im Verlag gebraucht“.

2. Produktmanager Digital

Klassische Berufsbilder wie PolizistIn, LehrerIn oder PilotIn sind klar definiert, jede/r kennt die Aufgaben. ProduktmanagerInnen haben es da schwerer. Anjo Schwarz, Produktmanager Digital bei MVB, sieht sich als „Anwalt der KundInnen“. Die Betreuung eines Produkts von der Entwicklung bis zur Markteinführung, sei die Hauptaufgabe. Dass das Produkt auch schließlich dem entspricht, was die KundInnen wollen. Gelingt es, ist das für das Unternehmen und die AbnehmerInnen gleichsam eine „Win-Win-Situation“.

ProduktmanagerInnen sind grundsätzlich vielseitig einsetzbar: Produktentwicklung, Wettbewerbs- und Marktbeobachtung, Betreuung der Markteinführung, Produktvertrieb und -marketing und Controlling. Bereiche also, die auch in einem Verlag und der Medienbranche fest verankert sind.

Schwarz ist ein Generalist. Er hat Germanistik und Journalistik studiert, was in der Buchbranche häufiger der Fall ist. Ein kaufmännischer und betriebswirtschaftlicher Hintergrund seien aber ebenso gut geeignet, im Produktmanagement einzusteigen. Was zählt ist, sich gerne mit komplexen Sachverhalten auseinanderzusetzen, neue und unerwartete Herausforderungen sicher anzugehen und im Zusammenspiel mit verschiedenen Abteilungen Verantwortung zu übernehmen.

3. Junior Marketingmanagerin

Kathrin Betka hat als Buchhändlerin begonnen, heute ist sie Junior Marketing Managerin bei HarperCollins Germany GmbH. Sie betreut die Imprints HarperCollins, MIRA Taschenbuch und DRAGONFLY. Darunter fallen die Bereiche Handels- und Endkundenmarketing. Was das heißt? Auf der einen Seite steht die Gestaltung der Programmvorschau und des sog. Point of Sale (Displays, Aufsteller, etc.), vorrangig zwischen Unternehmen, und auf der anderen Seite Kampagnenplanung, Social Media- und Community Management und vieles mehr, was direkt der Interaktion mit den KundInnen bedarf.

Betka konnte bei der Gründung des Imprints DRAGONFLY in verantwortlicher Position mitwirken: von der Positionierung, der Konzeption bis zum Pre-Launch. Diese Aufgaben stellten sie zweifelsohne vor hohe Herausforderung, da der Markt bereits umkämpft ist. Nach einer Eingewöhnungsphase aber fühlte sie sich wohl in diesem Bereich, der einen starken „Startup-Charakter“ aufweist. Die relativ unmittelbare Rückkopplung beim Endkunden zeige (Miss)-Erfolge gleichsam auf, was motiviert und die Kreativität anregt.


Artikel verfasst von Alina Zaiser im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

von Mona Klinkhardt

Im Vergleich zu den anderen Bereichen der Frankfurter Buchmesse ist die Halle 4.2 für wissenschaftliche Inhalte und Fachinformationen ein Ort, wo es abseits des Messe-Tumults meist ruhiger zugeht. An dem Samstag der Buchmesse aber waren auch hier die Bänke vor der EDU Stage voll besetzt, als der Junge Verlagsmenschen e. V. im Rahmen des Young Professionals’ Day das Gütesiegel für Volontariate vergab. Dieses Mal erhielten zwei große Verlagshäuser die Auszeichnung: der Ravensburger Verlag und der Carl Hanser Verlag.

Vor einem Jahr fand die erste Verleihung auf der Frankfurter Buchmesse 2018 statt. Seitdem wurden schon acht Verlage ausgezeichnet, das letzte Mal auf der Leipziger Buchmesse 2019.

Tobias Mohr, Leiter der AG Nachwuchsrechte, gab dem Publikum einen Überblick des Vergabeprozesses und der zu erfüllenden Kriterien – unter anderem das Einhalten eines Ausbildungsplans, die Orientierung am Mindestlohn und regelmäßige Feedbackgespräche (eine detaillierte Aufstellung unter www.jungeverlagsmenschen.de/guetesiegel).

Die ausgezeichneten Verlage stellte Lynne Forster, die auch im Vorstand der JVM tätig ist, vor. Im Anschluss würdigten Charlotte Hütten und Elke Hittinger jeweils mit einer Laudatio die Volontariatsausbildung beim Ravensburger Verlag und Carl Hanser Verlag.

Der Ravensburger Verlag konnte insbesondere mit seiner großartigen Freizeitgestaltung der Auszubildenden überzeugen – neben der schönen Lage am Bodensee sind das die vielseitigen Angebote seitens des Unternehmens: Regelmäßig werden Volontärs- bzw. Azubi-Stammtische organisiert, zudem gibt es den Spieleabend „Brot und Spiele“ für alle Angestellten. Dadurch entstehe ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Welchen Stellenwert das Gütesiegel in der Branche mittlerweile hat, betonte Hanser-Verleger Jo Lendle. Er kam persönlich zur Verleihung, um die Auszeichnung in Empfang zu nehmen. Das Gütesiegel helfe den Verlagen, so Lendle, sie kontinuierlich daran zu erinnern, auch in Zukunft noch stärker an den Ausbildungsstandards zu arbeiten. Jacqueline Dammers, Volontärin für Presse und Veranstaltungen beim Carl Hanser Verlag, hob auf Nachfrage das enge Betreuungsverhältnis sowie den Vertrauensvorschuss hervor, der es ermögliche, schnell auch eigenverantwortlich Aufgaben zu übernehmen.

Sowohl der Ravensburger Verlag als auch der Carl Hanser Verlag drückten ihren Stolz und ihre Freude darüber aus, den hohen Ansprüchen des Gütesiegels gerecht geworden zu sein. Dass die Anstrengungen, den VolotärInnen im jeweiligen Unternehmen eine gute Ausbildung zu bieten, honoriert würden, sei ein wichtiges Zeichen. Auf Instagram postete der Carl Hanser Verlag:Wir freuen uns sehr über den Erhalt des Gütesiegels für Volontariate“. „Wir freuen uns auch“, antworteten die JVM. Dort laufen bereits die Vorbereitungen für das nächste Gütesiegel.


Artikel verfasst von Mona Klinkhardt im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

von Susanne Döllner

Am Samstagmittag fanden sich vor allem junge Zuschauer vor der Gemeinschaftsbühne von „Studium rund ums Buch“ ein, um zu erfahren, wie aktuelle und ehemalige Studenten des Studiengangs Mediapublishing der Stuttgarter Hochschule der Medien die Chancen und Möglichkeiten, die ihnen das Studium mit Blick auf ihren weiteren beruflichen Werdegang ermöglicht hat, beurteilen.

Die Diskussionsteilnehmer waren dabei hinsichtlich ihrer derzeitigen Beschäftigungen bunt gemischt: Sie arbeiteten in der Herstellung, im Vertrieb, im Marketing oder standen erst kurz vor dem Abschluss. Erstes Thema war deshalb, welche Berufe ihnen ursprünglich einmal vorgeschwebt hatten und wie es dazu kam, dass sie letztlich doch ganz woanders gelandet waren. Hierbei zeigte sich wieder einmal, dass es sich auszahlt, offen für alternative Wege in die Branche und auch für Alternativen in der Berufswahl zu sein, im Studium möglichst viel auszuprobieren, in unterschiedliche Bereiche reinzuschnuppern und auch bei der Praktikawahl über den Tellerrand des „Traumjobs“ hinauszuschaun. Alle drei Berufstätigen wirkten jedenfalls sehr zufrieden mit dem Job, bei dem sie letztendlich gelandet waren, auch wenn sie ihn ursprünglich so gar nicht auf dem „Schirm“ gehabt hatten.

Auch bei einem weiteren Punkt waren sich die Diskutanten einig: Für Berufsanfänger ist es trotz umfassender, qualifizierter Ausbildung zunächst schwierig, in der Branche ernstgenommen zu werden. Dass man rein aufgrund des jugendlichen Aussehens automatisch fachliche Kompetenzen abgesprochen bekommt, ist eine Geisteshaltung, an der nicht nur, aber auch und besonders die Verlagsbranche krankt. „Mein Ansprechpartner muss der ältere Herr sein“ – dieser Grundhaltung waren alle reihum in den ersten Jahren häufig begegnet. Dagegen helfe nur, sich professionell zu kleiden, auf eine offene, selbstsichere Körpersprache zu achten und proaktiv auf das Gegenüber zuzugehen.

Gleichzeitig empfanden die Teilnehmer solche Erfahrungen als lehrreich und hilfreich in der persönlichen Weiterentwicklung. Im Studium habe man wie in einer Blase gelebt: „Wir wussten, was wir konnten, und mussten uns auch nichts beweisen.“

Sich selbst bestmöglich zu präsentieren, offen gegen Vorurteile vorzugehen und seinen Gesprächspartner von den eigenen Stärken und Fähigkeiten zu überzeugen, sei ein wesentlicher Teil des täglichen Arbeitslebens.

Umso wichtiger sei es, die Angebote der Hochschulen zu nutzen, die ihre Studierenden auf solche Situationen vorbereiten, etwa durch Projekte mit Unternehmen, Verlagsbesuche, Exkursionen oder Gastveranstaltungen mit Verlagsmitarbeitern. Hierdurch verliere man den übermäßigen Respekt vor dem Einzelnen – denn auch der Chef sei letztlich nur ein Mensch.

Spannend sei auch, dass man auf Veranstaltungen, Tagungen, Messen oder Lesungen immer wieder die gleichen Leute treffe. „Die Branche ist so klein“, wurde reihum nickend bestätigt, man kenne immer irgendwen, wahlweise über Werkstudentenjobs, das Studium oder gemeinsame Bekannte. Hieraus ergibt sich ein Gemeinschaftsgefühl, das so sicher nicht viele Branchen ihr Eigen nennen können: „Man kommt immer wieder in die Familie zurück.“ Netzwerken – das Unwort schlechthin unter Studenten, und dennoch nehmen es Ehemalige immer wieder in den Mund, denn: „Das wird die Verlage in Zukunft retten.“

Auch die „Digitalisierung“, dieser weiße Elefant der Buchbranche, fand nicht nur Zustimmung. Weil man jung sei, müsse man natürlich auch digital-affin sein – dieser Trugschluss ist eine weitere Grundhaltung, die der Branche nicht guttut, denn umfassende Fähigkeiten und stets aktuelles Wissen rund um komplexe Programme und schnelllebige Social-Media-Kanäle werden häufig „nicht als Kompetenz, sondern als Selbstverständlichkeit“ angesehen: „Du bist ja sowieso den ganzen Tag online.“ Hier herrscht dringender Aufklärungsbedarf, dass „ein bisschen Googeln“, die gelegentliche E-Mail oder WhatsApp-Nachricht zu verschicken oder ab und an einen Post auf Facebook, einen Kommentar auf Twitter oder ein Foto auf Instagram zu posten nicht automatisch etwa zum Social Media Manager qualifiziert. Konstante Fortbildungen und gezielte Professionalisierung sind hier wie in jedem anderen Berufszweig notwendig, um Verlage ansprechend und zielgruppengerecht zu präsentieren.


Artikel verfasst von Susanne Döllner im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.