von Johanna Kasischke

In diesem Jahr wurde der Buchblogaward von Netgalley und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum dritten Mal vergeben.

Vom 1. bis zum 30. August haben mehr als 3000 LeserInnen für ihren Lieblingsbuchblog abgestimmt. Dabei sind mehr als 600 Buchblogs nominiert worden. Die jeweils bestplatzierten Blogs sind ins Finale gekommen und am Buchmessenfreitag wurden die GewinnerInnen bekannt gegeben.

Zu der diesjährigen Jury gehören Antonia Baum (Autorin, Die Zeit), Jo Lendle (Verleger, Hanser Verlag), Tina Lurz (PR- und Social Media Managerin, Ehrlich & Anders), Torsten Woywood (Online-PR und Social Media Manager, DuMont Verlag) und Carolin Wolf (Inhaberin, Buchhandlung Carolin Wolf).

Die Juryarbeit wurde von allen sehr positiv bewertet. Man habe viel Neues entdeckt, gesehen, welche unterschiedlichen Schwerpunkte die Blogs haben und spaßige, emotionale und aufregende Diskussionen geführt.

Auf die Frage, wie sich der klassische Blog verändert, antworteten die Jurymitglieder, dass es im Großen und Ganzen darum gehe, das richtige Medium für sich zu finden. Die Diskussionsweise verändere sich, insbesondere in Abhängigkeit der genutzten Plattform. Es stelle einen Unterschied dar, ob jemand ein Buch für ein Instagramfoto toll in Szene setze oder für einen Blog einen langen Text schreibe.

Was hat die Jury beeindruckt?

Wichtig für die Jury war es, dass der Buchblog für eine Persönlichkeit steht. Der oder die Bloggerin sollte eigene Gedanken und Beiträge publizieren. Natürlich spielt die Optik des Blogs eine Rolle und besonders die Inhalte. Es soll um Bücher gehen. Ein eigener Ton war der Jury ebenso wichtig wie eine gute Argumentationsweise.

Den Buchblogs stehen auch zukünftige Herausforderungen bevor. Ein großes Thema ist die Reichweite sowie die Wirksamkeit des Blogs. Dabei ist besonders wichtig, bei sich selbst zu bleiben und nicht etwas zu machen, bei dem man sich selbst verliert.

Wer hat gewonnnen?

In der Kategorie Bester Buchhandlungsblog hat die Buchhandlung Jakob mit ihrem Instagramaccount @bookupwithjakob gewonnen.

In der Kategorie Bester Verlagsblog hat der Red Bug Culture Blog das Rennen gemacht.

In der Kategorie bester Newcomer hat Katharina Severa von „Die Lesende Käthe“ gewonnen.

In der Kategorie Bester Buchblog ist Nicole Seifert von „Nacht & Tag“ als Sieger hervorgegangen.

Herzlichen Glückwunsch! 🙂

Den Buchblogaward ist sehr zu empfehlen, da man immer wieder neue Buchblogs kennenlernt. Schaut gerne bei den GewinnerInnen und natürlich auch bei den Nominierten vorbei (Buchblog-Award.de). Es lohnt sich!


Artikel verfasst von Johanna Kasischke im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

von Susanne Döllner

Wenn wir im Studium vom „Buchmarkt“ sprechen, denken wir an verschiedene Dinge: natürlich an das Produkt (das Buch), aber auch an dessen Produzenten (den Autor) und im beinah gleichen Atemzug an den kunstvollen Vermittler zwischen den beiden (den Verlag). Ein zentraler Teil fehlt in dieser Aufzählung allerdings regelmäßig: der stationäre Buchhandel. Zwar findet er in Seminaren und Diskussionen immer mal wieder Erwähnung, fristet zumeist jedoch ein eher stiefmütterliches Dasein, verbannt in die betriebswirtschaftliche Ecke.

Was dabei gern vergessen wird: Auch und gerade in Zeiten von amazon und Co. sind es Menschen, die andere Menschen zu Lesern machen, sie für Geschichten begeistern und ihnen helfen, sich im immer unübersichtlicher werdenden Dschungel der Neuerscheinungen zurechtzufinden.

Zwei dieser Menschen fanden sich am Messemittwoch auf der Bühne des Forums des Börsenvereins ein, um zusammen mit Bertram Pfister, Leitung Vertrieb stationärer Buchhandel bei Libri, und Moderator Dr. Torsten Casimir (MVB) darüber zu diskutieren, was den stationären Buchhandel, speziell den inhabergeführten, heute ausmacht.

Während Herr Pfister sich zu Beginn erst einmal zurückhielt, tauschten sich Martina Bergmann, Buchhändlerin in einer kleinen Gemeinde bei Bielefeld, und Kathrin Schmidt, Gleiches im „Speckgürtel“ von München, bald angeregt aus. Auffällig hierbei: Beide Frauen gehen neben ihrer Haupttätigkeit noch weiteren Beschäftigungen nach, die mehr oder weniger großen Einfluss auf ihre Arbeit haben. Frau Schmidt ist Stadträtin und wird nicht zuletzt deshalb regelmäßig in ihrer Buchhandlung aufgesucht, um über regionalpolitische Themen zu diskutieren, und Frau Bergmann vertreibt nicht nur Bücher, sondern schreibt und verlegt auch selbst welche.

Die Frage, um die sich letztlich alles drehte: Was machen kleine, inhabergeführte Buchhandlungen anders (bewusst nicht zwingend besser) als „die Hugendubels, Thalias, Osianders dieser Welt“?

Eine erste wichtige Erkenntnis: Sie machen Dinge gründlicher. Während Filialisten Spezialisten beschäftigen – weil sie es sich leisten können und weil es mit ihrer Unternehmensgröße Sinn macht –, sind Inhaber kleinerer Buchhandlungen Personalunion. Und weil das so ist, sind sie praktisch immer im Laden. Sie sind präsent, sie sind anfass- und ansprechbar, und das macht sie authentisch. „Wenn du nicht authentisch bist, fliegst du auf die Nase“, wie es Frau Schmidt treffend ausdrückte. „In dem Moment, in dem ich nicht zu sehen bin, bricht der Umsatz ein“, fügte Frau Bergmann hinzu und gab dem Ganzen damit eine deutlich fühlbare Komponente. 

Herr Pfister prägte an dieser Stelle ein Bild, das nicht nur die Teilnehmer auf dem Podium, sondern auch das Publikum reihum zum Schmunzeln brachte: Er beschrieb Filialisten als „Baumschulen“ – geordnete, aufgeräumte, übersichtliche Verkaufsflächen mit den üblichen, vom Kunden erwarteten Produkten. Inhabergeführte Buchhandlungen hingegen seien wie ein „Bauerngarten“ – eine bunte Mischung an Produkten, tolle Ecken, die je nach Saison anders gestaltet seien, andererseits jedoch nicht frei von problematischen Stellen.

(c) Susanne Döllner

Diese Vielfalt sei es auch, die neben der Persönlich-keit kleinere Buchhandlungen ausmache, war man sich einig. Ein „differenzierteres“ Angebot etwa finde man in der heutigen Verkaufslandschaft nur noch selten. Das mag am Für (ungewöhnliche, überraschende und neugierig machende Bücher) und Wider (empfindlich niedrigere Verkaufszahlen gegenüber Bestsellern) liegen, dem sich die Filialisten mit ihrem Konzept gebeugt haben. Dennoch seien Buchhandlungen insgesamt heute anders gestaltet als noch vor 20 Jahren. Um die Stammkundschaft zu halten, müsse man die angebotenen Produkte viel schneller durchtauschen. Dabei nicht nur abwechslungsreich, sondern auch individuell zu bleiben, sei Herausforderung und Stärke der kleineren Buchhandlungen.

Auch Verlässlichkeit scheint ein wichtiges Thema. Die Verfügbarkeit von Produkten über Nacht ist ein Service, den Dienstleister jeder Branche heute bringen müssen, weil die internetverwöhnte Gesellschaft ihn so gewohnt ist. „Ein Bauerngarten braucht trotzdem schöne Blumen, die schnell wachsen, sonst ist der Kunde mit einem Klick weg“, bringt es Frau Schmidt auf den Punkt. Frau Bergmann schließt sich an: „Ohne Krimis, Liebesromane, Einhörner und Ponys geht’s nicht.“

Eine Stimme aus dem Publikum brachte die Diskussion, die leider viel zu schnell ihrem Zeitlimit entgegenstrebte, schön auf den Punkt: Auch wenn Bauerngärten und Baumschulen gleichermaßen ihre Berechtigung hätten – „Wo gehen die Leute lieber spazieren?“.

Motivations-Boost durch Gamification für Verlage heißt der Workshop, den Mai Huyen Vo Dieu am 16.11.2019 an unserem Weiterbildungstag geben wird.

Mai Huyen Vo Dieu ist Junior Gamification Expert bei Pfeffermind, einer Agentur für Serious Games und Gamification. Zuvor hat sie an der Universität der Künste sowie an der Technischen Universität Berlin Kommunikation und Medien studiert. Im Studium lag ihr Interesse vor allem bei interaktiven Medienformen und Game Studies, während sie nebenher im Kultur- und Non-Profit-Bereich tätig war. Beide Leidenschaften verbindet sie auch heute noch: Ehrenamtlich, in der gesellschaftspolitischen Initiative SWANS, und in der Spielekonzeption und -kreation bei Pfeffermind.

1. Wer sind Sie? Wo kommen Sie her? Was machen Sie?

Ich bin Mai Huyen Vo Dieu, 28, gebürtige Berlinerin und Junior Gamification Expert bei Pfeffermind, einer Agentur für Gamification und Serious Games.

2. Welchen Ratschlag möchten Sie den Young Professionals in der Buchbranche mitgeben?

Ich bin selbst eine Young Professional – wenn auch in einer anderen Medienbranche. Die Medienwelt ist schnelllebig. Es ist daher wichtig, neugierig und offen zu bleiben: Viel anschauen, viel ausprobieren, um neue Inspirationen zu erhalten.

3. Welchen Impuls möchten Sie mit Ihrem Workshop geben?

Gamification ist nicht nur nützlich, um eine langweilige Sache spannend zu gestalten. Gamification als Prozess selbst macht auch viel Spaß!

4. Warum machen Sie bei unserem Weiterbildungstag mit?

Es ist immer interessant, Menschen mit anderen Backgrounds zu treffen und den eigenen Horizont zu erweitern.

5. Was ist der beste Karriereratschlag, den Sie einmal erhalten haben?

„Setze dich für deine Ideen ein, wenn du von ihnen überzeugt bist.“ Ein Nein muss kein Nein bleiben.

6. Was ist der schlechteste Karriereratschlag, den Sie einmal erhalten haben?

„Mache (nur) das, was dir Spaß macht.“ Dadurch bleiben verborgene Interessen unentdeckt und man versperrt sich davor, sich weiterzuentwickeln.

7. Wann/in welcher Situation sind Sie einmal über Ihren Schatten gesprungen?

Als ich zum Beispiel eine Hauptrolle in einem Schulmusical übernommen habe. Oder als ich als Praktikantin meinen ersten längeren Auslandsaufenthalt in China hatte.

8. Wie bilden Sie sich weiter?

Ich nutze sehr gerne Online-Angebote und Apps, wie zum Beispiel „Udemy“, da sie sehr viel Flexibilität ermöglichen.


Vielen Dank für das Interview!

von Norma Schneider

Während in der Wirtschaft ein Erasmusaufenthalt oder Auslandspraktikum längst als Muss einer erfolgreichen Bewerbung gilt, wird in der Buchbranche oft der Fokus auf anderes gesetzt. Lohnt es sich für Berufseinsteiger und Young Professionals trotzdem, ins Ausland zu gehen? Und welche branchenspezifischen Möglichkeiten gibt es? Zu diesen Fragen fand im Rahmen des Young Professionals‘ Day 2019 am Messesamstag eine Podiumsdiskussion statt. Mit dabei waren Isabell Schneider, Team Leader Production Journals bei Springer Nature, die ein Praktikum in Indien absolviert hat, Niki Théron, die internationale Förderprogramme der Frankfurter Buchmesse, u. a. das Paris-Frankfurt-Fellowship, betreut, und Peter Kraus vom Cleff, Geschäftsführer des Rowohlt Verlags, der sich als Vizepräsident des europäischen Verlegerverbands für die europaweite Vernetzung der Buchbranche einsetzt. 

Abenteuer Indien

Springer Nature bietet mit dem „Cross Cultural Internship“ in Indien eine attraktive Möglichkeit, Auslandserfahrungen in der Buchbranche zu sammeln. Isabell Schneider möchte die sieben Monate, die sie in Pune verbracht hat, nicht missen. Der Kulturschock sei anfangs sehr groß gewesen: Man steigt aus dem Flugzeug und alles ist plötzlich ganz anders. Doch die hervorragende Betreuung der Praktikanten sowohl im Vorfeld als auch vor Ort haben enorm geholfen. Es wurden Interkulturelle Workshops angeboten, eine Wohnung gestellt und gemeinsame Ausflüge organisiert. In der Zusammenarbeit mit den indischen Kollegen hat Isabell Schneider gelernt, ihre eigene Art, zu arbeiten und zu kommunizieren, nicht als die einzig richtige anzusehen, und Strategien entwickelt, die Kommunikation an die Gesprächspartner anzupassen. Wenn man ins Ausland geht, sei es wichtig, sich bewusst zu machen, dass man dort zwar vielleicht alles komisch findet, aber für die Menschen dort selbst „der Komische“ ist, betont sie. 

Deutsch-französischer Kulturaustausch

Wen es nicht ganz so weit in die Ferne zieht, für den ist vielleicht eins der vielen internationalen Austauschprogramme der Frankfurter Buchmesse etwas: das Paris-Frankfurt-Fellowship. Hier geht es vor allem um die Vernetzung zwischen jungen Menschen aus der deutschen und französischen Buchbranche. Bewerben können sich berufsübergreifend – von der Lektorin bis zum Buchhändler – alle unter 35, die Französischkenntnisse haben. In Seminaren und Workshops sowie auf Studienreisen durch Deutschland und Frankreich lernen die TeilnehmerInnen die Kultur und die Arbeitswelt der Branche im Nachbarland kennen. So wird Sensibilität und interkulturelle Kompetenz geschaffen, erläutert Niki Théron. Solche Erfahrungen sind nicht nur für Lizenzleute und ÜbersetzerInnen wichtig, sondern für jeden wertvoll. 

Die europäische Stimme der Branche

Die Federation of European Publishers (FEP) will die Interessen der Verlage in ganz Europa bündeln und in Brüssel und Straßburg zur Sprache bringen. Sie betreibt Lobbyarbeit für die Buchbranche und dient der Vernetzung und dem Austausch von VerlegerInnen aus 29 Ländern. Wichtige Themen sind dabei zum Beispiel das Urheberrecht oder die Besteuerung von Büchern. Die Vorstellungen von Menschen und Unternehmen aus so vielen verschiedenen Ländern gehen natürlich oft auseinander, doch der Wunsch, Bücher zu machen, verbindet sie über alle Landesgrenzen hinweg, sagt Peter Kraus vom Cleff. Die FEP bietet auch für junge Buchmenschen Möglichkeiten für Auslandserfahrungen. Im Rahmen des Programms „Young Publishing Professionals in Brussels“ können aus jedem Land zwei TeilnehmerInnen unter 35 nach Brüssel reisen, sich dort über europäische Politik informieren und mit jungen Abgeordneten vernetzen.

Spaß an neuen Erfahrungen ist das Wichtigste  

Die TeilnehmerInnen waren sich einig: Es ist immer eine wertvolle Erfahrung, Zeit im Ausland zu verbringen. Dabei sollte es nicht so sehr darum gehen, sich einen Nutzen zu versprechen und den Lebenslauf zu pimpen. Wichtig ist es eher, offen zu sein für neue Erfahrungen, das zu tun, worauf man Lust hast, und Neues auszuprobieren. Die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und andere Lebens- und Arbeitsweisen kennenzulernen erweitert den Horizont und schafft Empathie. Das ist immer wertvoll – für den beruflichen Erfolg in einer Branche, in der Offenheit und Empathie wichtige Werte sind, und natürlich für die eigene Persönlichkeit. Man lernt, sich auf unerwartete Situationen einzustellen und das zu hinterfragen, was man für normal und selbstverständlich gehalten hat.


von Jana Saß

Der Andrang war groß, als Wolfgang Tischer vom Literaturcafe fragte, wer denn für den Workshop in die Frankfurt Authors Lounge gekommen ist. Auf dem Boden, auf Hockern, Stühlen sitzend sowie stehend tummelten sich die Menschen um mehr über das Erstellen eines Podcasts zu erfahren. Hätte er geahnt, dass der Andrang so groß sei, hätte man den Workshop auch auf einer Bühne durchführen können, lachte Tischer. Aber so hob er die Lautstärke seiner Stimme über die Umgebungsgeräusche der großen Halle an, um uns hilfreiche Tipps für die Produktion eines Podcasts zu geben.

Der große Andrang ist allerdings leicht zu erklären: Podcasts sind eine der am meisten boomenden, aber auch gleichzeitig in der Entwicklung am wenigsten veränderten Medien der letzten Jahre. Um auf den großen Podcast Plattformen wie „Apple Podcast“ oder „Spotify“ gelistet zu werden, braucht es laut Tischer kein teures Equipment oder viel Vorerfahrung. Ein Smartphone, eine möglichst Schallarme Umgebung (wie z.B der Kleiderschrank) und natürlich eine gute Idee – mehr brauche es nicht um in den Markt der Podcasts einzusteigen. Es reiche, seinen Podcast auf einer eigenen Domain oder Baukastenanbietern wie „Wordpress“ zu veröffentlichen. Durch bestimmte Suchalgorithmen wird dieser von den großen Podcast Anbietern automatisch gefunden und in die Angebotsliste aufgenommen. Gestreamt wird über die Domain, für die man sich entscheidet. Trotzdem sei ein gutes Marketing wichtig; Es sollte nicht davor zurückgeschreckt werden, auch am Anfang und Ende seines Podcasts auf die eigene Facebookseite oder der Möglichkeit zum Abonnieren hinzuweisen. Das wichtigste sei jedoch, dranzubleiben.

Einen Podcast nach 4 Folgen wegen mangelnden Durchbruchs wieder einzustellen sei nicht der Schlüssel zum Erfolg. Im Gegenteil: Wer regelmäßig Updates hochlädt hat es nach einiger Zeit leichter neue Hörer zu fesseln.

Auf der technischen Ebene betonte Tischer, das er vor allem am Anfang auf möglichst günstige Equipment zurückgreifen würde. Das Mikrofon des Smartphone reiche bereits, wer will kann jedoch auf externe Verstärkermikrofone wie Beispielsweise der Marke Zoom zurückgreifen. Gespeichert werden könne die Datei einfach auf einer SD-Karte oder in einer entsprechenden Cloud. Für die nötige Nachbearbeitung und den Schnitt empfiehlt er das kostenfreie Programm „AudaCity“, verwies aber auch auf die in dem Bereich breite Masse von Anbietern. Bei der Nachbearbeitung sei vor allem wichtig, eine möglichst gleiche Lautstärke zu erarbeiten und Versprecher herauszuschneiden. Oft vernachlässigt werde laut Tischer der Feed: Komponente wie ein Aussagekräftiger Titel des Podcasts, der Dateiname, die Angabe der Länge oder auch ein ansprechendes Logo seien wichtig, damit die Algorithmen der Suchmaschinen der Podcast finden und potenziellen Hörern anbieten können. Dazu seien keine Vorkenntnisse in Programmiersprachen erforderlich, kostenfreie Plugins für WordPress wie „PodLove“ bieten einen einfachen Baukasten, in dem die Informationen nur in eine Maske eingetragen werden müssen und der Feed anschließend automatisch generiert wird. 

Zum Schluss betont Tischer noch einmal: Das Wichtigste bei der Produktion eines Podcasts sei der Spaß und die Ausdauer. Wer beides mitbringt kann seine Idee und den Podcast auf dem bestehenden Markt etablieren. 

von Jana Saß

Die künstliche Intelligenz (KI) ist allgegenwärtig. Auch die Literaturbranche wird abseits wirtschaftlicher Aspekte immer mehr von neuronalen Netzen beeinflusst. Fiktion ist es also schon lange nicht mehr. Über die Chancen, Risiken und vor allem ethnischen Fragen diskutierten am Mittwoch unter der Moderation von Lena Falkenhagen (Vorsitzende des Bundesverbandes für deutsche Schriftstellerinnen und Schriftsteller): Dr. Ralf Winkler (Entwickler und Geschäftsführer der Analysesoftware „QualiFiction“), Yvonne Hofstetter (Sachbuchautorin und Spezialistin im Bereich der Digitalisierung) und Maria Hummitzsch (zweite Vorsitzende des Verbandes deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Texte, VdÜ).

Bereits heute hat die KI mit Übersetzungssoftwares wie „DeepL“ Einzug in die Arbeit von SchriftstellerInnen gefunden. Da aber eine Rechenmaschine niemals die wertende Arbeit eines Menschen vollständig übernehmen könne, so Maria Hummitzsch, werden diese Softwares für die Branche der Übersetzer als Hilfsmittel, jedoch nicht als die menschliche Arbeit ersetzende Entwicklung gesehen. Auch das generieren automatischer Texte, wie etwa im Nachrichtensektor, sei heutzutage bereits möglich, wird von Yvonne Hofstetter jedoch als kritisch betrachtet: Die Technik sei noch nicht ausgereift und die Verbreitung von „Fake News“ wahrscheinlich. Zudem seien noch  juristische und urheberrechtliche Fragen zu klären, da die Verantwortung für diese „Texte ohne Urheber“ nicht festgelegt sei. Dazu sei eine Erweiterung des Gesetzes notwendig.

Das Analysetool „QualiFiction“, entwickelt und vertreten durch Ralf Winkler, ist ebenfalls eine KI-basierte Software. Mit ihr sei es möglich, so Winkler, Literarische Werke auf ihr Potenzial auf dem Buchmarkt zu bewerten und Anregungen sowie Verbesserungsvorschläge zu generieren. Für Verlage und Autoren solle es so einfacher gemacht werden, das Potenzial von Werken zu erkennen und zu nutzen. Die Software wurde von den Diskutierenden als kritisch betrachtet:

„Literatur ist nicht vorhersehbar – das ist doch das schöne.“

Mit diesen Worten verwies Maria Hummitzsch auf die Unvorhersehbarkeit in den Entwicklungen von Kunst und Literatur. Hofstetter warnte ergänzend dazu davor, dass zukünftige Bestseller, basierend auf die Bewertung solcher Software, nur noch eine Summierung aktueller Entwicklungen in der Branche seien und an Individualität verlieren würden. Winkler verteidigte seine Software und verwies darauf, dass KI vor allem in der Automatisierung, sprich den technischen Bereichen des Verlagswesen Einzug nehmen würde, nicht aber den kreativen Einfluss des Menschen auf seine Werke mindern könne.

Die wohl spannendste Frage in Bezug auf automatisch generierter oder bewerteter, literarischer Werke ist wohl: 

Ist das denn überhaupt noch Kunst? 

Yvonne Hofstetter sah dies kritisch und betonte die Wichtigkeit der Literatur in der Entwicklung der Menschheit: Sei der Mensch heute meist nur noch ein zu analysierender Haufen Daten, wirke die Literaturbranche dem entgegen: Das individuelle Bewusstsein, die Kreativität und Charaktereigenschaften des Menschen werde durch das Lesen und Schreiben gefördert. Auch Maria Hummitzsch sieht den Einzug von KI in die Buchbranche skeptisch. Software wie „QualiFiction“ und „DeepL“ sollten weitestgehend nur unterstützende Tätigkeiten übernehmen. Die interessanteste Antwort lieferte wohl Ralf Winkler, der mit einem Lächeln auf dem Gesicht anmerkte: Wenn solche Texte es schafften den Leser und damit die Menschen zu berühren, und darum ginge es immerhin in der Literatur, warum sollte es keine Kunst sein?