Von Marie Gründer

Ich habe das Buch „Die Sprache des Kapitalismus“ entdeckt, nachdem ich beide Autoren beim Zukunftsparlament des Börsenvereins 2025 erlebt habe. Ihre Keynote zu „Diskurskultur als Fundament der Demokratie“ hat mein Interesse geweckt – obwohl Politik normalerweise nicht mein Lieblingsthema ist. Was mich aber sofort gepackt hat, war die Verbindung von Sprache, Macht und ökonomischen Narrativen. Genau diese Brücke schlägt auch das Buch, und zwar pointiert, klar und überraschend zugänglich.

Sahner und Stähr zeigen, wie tief kapitalistische Denkweisen in unseren Alltag eingesickert sind: vom „steigenden Preis“, der uns die Verantwortlichen ausblendet, über moralisch aufgeladene Wörter wie „verdienen“ oder „Schuld“, bis hin zu Rollenbildern, Karrierelogiken und der Inszenierung von Unternehmer:innen als Visionär:innen. Besonders stark fand ich, wie sie Metaphern dechiffrieren – etwa den „kranken Staat“ oder „den Markt“ als unberechenbares Wesen – Metaphern, die wir täglich hören, ohne sie zu hinterfragen.

Meine Key Takeaways:

  1. Sprache stabilisiert Systeme – oft unbewusst.
  2. Ökonomische Begriffe tragen immer Machtverhältnisse in sich.
  3. Kapitalismus erzählt sich selbst mythologisch – und wir übernehmen diese Erzählung schneller, als wir denken.
  4. Eine reflektierte Diskurskultur ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für eine demokratische Entscheidungsfindung.

Für uns JVMler ist das ebenfalls relevant: Wir bewegen uns in einer Branche, in der Sprache nicht nur Werkzeug, sondern auch Wertschöpfung ist. Wer versteht, wie ökonomische Narrative funktionieren, kann bewusster kommunizieren, klarer einordnen und Debatten aktiver gestalten.

„Sprache, die nicht hinterfragt, analysiert und verändert wird, stabilisiert Systeme, die oft wenigen Menschen sehr viele Vorteile und vielen Menschen noch mehr Nachteile bringen.“

Fazit

Ein kluges, anregendes und für meinen (beruflichen) Alltag überraschend handfestes Buch. Für alle, die Sprache lieben, Strukturen hinterfragen oder einfach ein schärferes Gespür für die Mechanismen unserer Arbeitswelt und des Kapitalismus entwickeln wollen.