von Vanessa Nisanat Knauer

Die Frankfurter Buchmesse 2025 war für mich etwas ganz Besonderes – mein erster Messebesuch überhaupt. Als Literaturstudentin kurz vor dem Masterabschluss und mit ganz viel angestautem Enthusiasmus im Gepäck, stürzte ich mich in die Massen und kam zu dem Schluss: Die Buchmesse ist, was man draus macht.

Lange hegte ich den Traum, endlich mal auf die sagenumwobene Frankfurter Buchmesse zu gehen. Immer wieder hörte ich von Bekannten und Freund:innen, wie toll der Besuch jedes Jahr aufs Neue ist. Liest man Interviews von Branchenexpert:innen, fällt oft und doch ganz unerwartet das Wort „Klassenfahrt“. Denn ja, die Buchbranche ist verhältnismäßig klein und hat dieses Dorf-Feeling, weil sich alle kennen. Dieses Gefühl von Klassenfahrt, dieses Aufflammen von nervöser Energie, weil man sich so selten und so gerne sieht, kenne ich nur allzu gut vom Jahrestreffen des JVM.

Ankommen auf der Messe

Nun war ich jedoch auf der größten Buchmesse der Welt, zunächst allein hingefahren, vor Ort mit niemandem verabredet und ohne Plan. Viel zu früh angekommen, weil die DB mir Streiche gespielt hatte und ich schließlich einen früheren ICE nehmen musste, lief ich etwas verloren durch die noch leeren Gänge. Um mich herum wurden noch viele Stände für den Messetag vorbereitet und hergerichtet. Als dann die ersten Fachbesucher:innen mit schicken Rollköfferchen und Aktentaschen auftauchten, fühlte ich mich mit meinem Jutebeutel und den Sportschuhen endgültig fehl am Platz.

Doch dann: Eine smart gekleidete Britin rauschte an mir vorbei, drehte sich um, fragte mich nach dem Weg. Das gesuchte Gebäude lag direkt vor uns und ich zeigte bloß mit dem Finger darauf. Sie lachte über ihre eigene Orientierungslosigkeit, steckte mich damit an. Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass Müdigkeit und Aufregung mir einen Trick gespielt hatten und die Buchmesse doch eigentlich nicht so einschüchternd war. Dass ich direkt im Anschluss in der falschen Veranstaltung landete, weil ich mindestens genauso orientierungslos war, war dann nur noch halb so schlimm.

Ein Gefühl von Zugehörigkeit

Im Anschluss lief ich zum Azubistro, wo mir von Vereinskolleg:innen die noch humansten Preise für Getränke und Speisen versprochen wurden. Hier wurde mir klar, dass auch auf der Buchmesse, in diesem riesigen Branchenkosmos, ein Platz für uns Nachwuchskräfte vorhanden ist. Denn dort traf ich über den ganzen Tag hinweg mir bekannte Gesichter und freute mich, wenn wir spontan gemeinsam eine Veranstaltung besuchten. Das Azubistro als persönlicher Fixstern sorgte dafür, dass ich nicht mehr vor mich hintrieb und selbstbewusst über das Messegelände lief.

Während ich mich immer wohler fühlte inmitten dieser Menschenmassen und des Öfteren sogar nach meiner nicht vorhandenen Visitenkarte gefragt wurde, weil ich mit Notizblock scheinbar besonders professionell wirkte, merkte ich auch die körperlichen Anstrengungen eines Messetages. Der Jutebeutel, beschwert durch Wasserflasche, Schreibmaterial und allerlei Krimskrams, zog mittlerweile an der Schulter, meine Füße fühlten sich trotz Sportschuhen etwas lädiert an und der Kopf fing leise an zu pochen. Ibuprofen, Trinkpausen und Sitzgelegenheiten retteten den Tag und auf einmal war ich froh über all den schweren Kram in meiner Tasche.

Am Ende des Tages stieg ich erschöpft, aber zufrieden in den ICE in Richtung Köln. Auch wenn ich mich fragte, ob es klug ist, mich in eine Branche zu verlieben, in die der Einstieg alles andere als einfach ist, hatte ich an diesem Tag das Gefühl, dazuzugehören. Es gab mir die Motivation, meinen Master erfolgreich zu beenden – und die Vorfreude auf alles, was noch kommt. Dass auch diese Zugfahrt nicht ohne Pannen auskam, tat diesem Gefühl keinen Abbruch.