© privat“Probiert euch aus und lernt aus euren Fehlern. Fehler darf man machen, nur wer nichts daraus lernt, ist eigentlich der Dumme am Ende.“

Trudy Stange-Motzkau (60) ist Programmleiterin MA (mass market) und stellvertretende Verlagsleiterin des Nelson Verlags bei Carlsen.

Mit Blick auf den eigenen Werdegang: Stand für Sie bereits früh fest, dass Sie in der Buchbranche arbeiten möchten?

Ja, die Buchbranche war für mich immer schon gesetzt. Aber ich habe im wissenschaftlichen Bibliothekswesen begonnen und bin erst später in den Verlagsbereich umgestiegen. Was zu meiner Zeit auch nicht einfach war, weil die Branchen sich früher ziemlich gegeneinander verschlossen haben. Inzwischen ist es nicht mehr so problematisch, man hat als Quereinsteiger heute, glaube ich, eher den Vorteil, dass man als vielseitiger gesehen wird.


Welche Herausforderungen mussten Sie dabei überwinden?

Ich musste erst mal verstehen, dass auch wenn man aus einem Teil der Buchbranche kommt, man nicht unbedingt die anderen Teile gleich versteht. So nach dem Motto: Ich habe schon immer mit Büchern gearbeitet. Sondern ich habe lernen müssen, dass die Verlagsbranche wirklich so viele Sachinhalte birgt, von denen ich vorher gar nichts wusste, die ich aber mit Begeisterung gelernt habe. Und ich habe sehr schnell erkannt, dass mir das unheimlich viel Spaß macht. Das ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass ich sehr offen bin für Veränderungen. Ich mag es auch, wenn Dinge sich radikal verändern. Damit kann ich gut umgehen.

Haben Sie auf Ihrem Weg etwas gelernt, das Sie jungen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben wollen?

Ja, den Mut zu haben die Dinge zu tun. Lebe deinen Traum, trau dich was! Wenn du das Gefühl hast, dass du etwas ausprobieren möchtest, dass du was Neues brauchst, dann mach es einfach. Hab den Mut zu springen und verharre nicht aus Angst in der altbekannten Sicherheit.

Nicht nur als Führungskraft muss man im Alltag oft unter Zeitdruck und Unsicherheit Entscheidungen treffen. Wie bewältigen Sie das? Haben Sie konkrete Impulse, wie Nachwuchskräfte in solchen Situationen selbstbewusster handeln können?

Zum einen bin ich ein sehr belastbares Naturell. Ich glaube, das ist einem gegeben oder auch nicht. Zum zweiten mit fortschreitendem Alter und mit der fortschreitenden Erfahrung wird man auch sehr angstfrei. Man hat sehr viel mehr Mut auch Fehler zu machen. Es geht häufig in unserem Alltag primär darum, einfach Entscheidungen zu treffen und nicht unbedingt darum, die 250prozentige Absicherung zu finden. Dazu gehört wirklich auch der Mut, Fehler zu machen. Das ist nicht schlimm, das kann passieren, das ist ok. Wir operieren zum Glück nicht am offenen Herzen. Und das erlaubt auch deinem Umfeld, z.B. wenn du Mitarbeiter hast, Fehler zu machen. Das ist wichtig, denn Fehler sind wirklich die größte Lernressource.

Können Sie dem Branchennachwuchs drei konkrete Ratschläge zur persönlichen Kompetenzentwicklung geben?

(Lacht) In meiner Ausbildung als systemischer Coach habe ich mal den Satz gelernt: „Ratschläge sind auch Schläge.“ Darum tue ich mich damit immer schwer. Ich würde eher etwas Allgemeines sagen, das gar nicht so branchenspezifisch ist: Seid mutig. Probiert euch aus. Fehler darf man machen, nur wer nichts daraus lernt, ist eigentlich der Dumme am Ende.

Gibt es eine Frage, die Sie an den Branchennachwuchs stellen würden?

Ja: Sind Sie sich bewusst, dass Sie in einer Branche mit hohen Idealen, wenigen Aufstiegschancen und  traditionell geringem Einkommen arbeiten wollen, in der Chancenungleichheit und Gender Pay Gap nach wie vor existieren?

Streben Sie weitere berufliche Ziele an?

(Lacht) Das ist eine lustige Frage: Ich bin vor kurzem 60 geworden, was soll ich da noch anstreben? Ich glaube, beruflich habe ich so ziemlich jedes Ziel erreicht, das mir attraktiv und interessant schien. Ich sehe mich momentan eher als Senior Manager oder als den erfahrenen und ruhenden Pol innerhalb eines Teams. Ich sehe meine Aufgaben sehr stark darin, Wissen weiterzugeben, auszubilden, jungen Menschen in der Branche mehr Sicherheit zu geben und Mut zu machen. Und nicht umsonst arbeite ich nebenbei als Coach, besonders für junge Frauen im Beruf und in ersten Führungspositionen, weil ich glaube, die haben noch mehr Unterstützung verdient.

 

 

Das Interview führte Sabrina Pöhlmann, Berlin.