JVM meet ist eine Beitragsreihe, die von unserem Presseteam befüllt wird. Sie machen beispielsweise Interviews mit verschiedenen Akteuren aus der Buch- und Medienbranche und befragen Sie zu ihrem Werdegang oder nach Tipps für den Berufseinstieg. Dazu gibt es auch Gastbeiträge.

Wie gelingt der Einstieg in die Buchbranche? Welche verschiedenen Möglichkeiten bieten sich jungen Berufseinsteigern, die alle die Leidenschaft zu Büchern verbindet? In unserem Blog „JVM meet – Dein Weg in die Buchbranche!“ stellen wir euch einige Professionals vor, die ihren Weg in die Branche auf unterschiedlichste Weise meistern und zeigen: Viele Wege führen in die Buchbranche!

Steffen Meier ist seit 2016 Herausgeber und Chefredakteur des digital publishing report (dpr), dem digitalen Magazin für die Medienbranche.  Mit uns spricht der Macher über seinen Einstieg in die Branche, warum es manchmal besser ist nicht der junge Besserwisser zu sein, das Wild-West-New-Frontier-Gefühl und warum man machen sollte, was man gerne macht.

Mit Blick auf den eigenen Werdegang: Stand für Dich bereits früh fest, dass Du in der Buchbranche arbeiten möchtest?

Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich hatte zwar immer wieder Projekte in dem Bereich gemacht (Stichwort: Fanzines) und auch früh angefangen, für Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben, hauptsächlich im Kultur-, Musik- und Filmbereich. Aber so geradlinig war das alles nicht, ich hielt es nur für sinnvoll, irgendwo zwischen Bundeswehr, Zivildienst und Studium wenigstens etwas „Handfestes“ zu machen, also eine Lehre. Dass ich dann bei einem Schulbuchverlag gelandet bin und dort Verlagsbuchhändler (gibt’s heute auch nicht mehr) gelernt habe war auch eher einem Zufall zu verdanken.  Im Nachhinein betrachtet hätte ich vielleicht tatsächlich etwas Vernünftiges lernen sollen, Maschinenbau, Informatik oder so.

Welche einzelnen Schritte hast du ergriffen, um dein berufliches Ziel zu erreichen?

In der Frage klingt eine Zielstrebigkeit durch, die mir Gänsehaut verursacht.

Ich hatte wie viele damals in den Zwanzigern absolut keinen Plan wohin die Reise gehen soll und auch kein berufliches Ziel vor Augen.

Tatsächlich glaube ich, dass das auch heute noch vielen so in diesem Alter geht. Und viele Schritte wurden eher von außen an mich herangetragen, nicht bewusst von mir arrangiert. Offen gesagt habe ich auch etwas Probleme mit Leuten, die so etwas wie „Karriereplanung“ oder „berufliche Ziele“ schon in jungen Jahren im Kopf haben. Ich war einfach nur sehr neugierig und manchmal sogar richtig gut in dem, was ich gemacht habe (zugegebenermaßen oft auch nicht). Der Rest ergab sich.

Welchen Herausforderungen musstest Du dich dabei stellen?

Ich hatte am Anfang meiner „Laufbahn“ zwei Handicaps: ich war jung und neugierig auf alles, was mit Bits und Bytes zu tun hat. Viele der Führungskräfte, mit denen ich zu tun hatte, waren in den 50ern (also in meinem jetzigen Alter) und mit einem jungen, ungeduldigen Besserwisser konfrontiert, der auch noch von Dingen sprach, mit denen sie inhaltlich nichts anfangen konnten. Damals war mir nicht klar, dass mein Verhalten eine einzige große Herausforderung für den einen oder die andere war. Im Nachhinein vielleicht nicht sehr klug, es war ja schon schwer genug, die ganzen digitalen und technologischen Themen voranzubringen. Da half oft nur sehr viel Diplomatie (darin habe ich später doch etwas Geschick entwickelt) und die steter-Tropfen-höhlt-den-Stein-Strategie. Und viel Geduld – immerhin waren das noch die Zeiten, in denen die Chefsekretärin dem Verleger die zwei E-Mails, die er am Tag bekam, ausdruckte.

Ganz fatal war aber, dass viele von uns, die sich gegen Ende des letzten Jahrtausends mit digitalen Themen beschäftigt haben, Einzelkämpfer und Einzelkämpferinnen waren. Ressourcen und Budgets waren begrenzt und oft mühsam erkämpft, gleichzeitig gab es nur wenige, mit denen man sich austauschen konnte.

Der ganz große Reiz und der eigentliche Grund, warum ich dem Digitalbereich in Verlagen so lange treu geblieben bin: es war alles neu, es gab nichts, keine Strukturen, man konnte mit viel Kreativität, Selbstausbeutung und Improvisation (aber wenig Geld) vieles ausprobieren.

So ein Wild-West-New-Frontier-Gefühl war das schon. Vor allem hatte ich das Glück, später auf einen Verleger zu treffen, der zwar ähnlich neugierig auf das Digitale war, mir aber viel Freiraum ließ.  Sonst hätte ich damals mit Sicherheit die Verlagsbranche verlassen und etwas Vernünftiges in der Industrie gemacht. Start-Ups im modernen Sinn gab es damals ja nur sehr wenige.

Hast Du auf Deinem Weg etwas gelernt, das Du jungen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben willst?

Klar. Geht ins Ausland – das mögen Headhunter. Bleibt nicht zu lange in einem Unternehmen – das mögen Headhunter auch. Ansonsten: achtet nicht darauf, was Headhunter gerne mögen.

So banal es klingt: macht das, was ihr gern macht, darin seid ihr dann auch gut.

Okay, ich weiß, ich klinge schon wie der selige Steve Jobs. Aber darin steckt doch ein Körnchen Wahrheit. Nehmt euch nicht so ernst, schon gar nicht das Thema Karriere. Und am wichtigsten: seid neugierig und offen. Es gibt schon genug „Bewahrer“ in der Buchbranche, genug aus der Fraktion „Ich bin hier weil ich gern lese“. 

Hast Du konkrete Impulse, wie Nachwuchskräfte in schwierigen Situationen selbstbewusster handeln können?

Ich glaube gar nicht, dass es spezifische Nachwuchs-„Situationen“ gibt – es gibt eben einfache und schwierige Situationen. In letzterem hilft einem auch kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, im Gegenteil.

Am Ende kommt man nur weiter, wenn man seinen Willen aufgrund der Organisationsstruktur durchsetzen kann.

Wenn das nicht geht hilft nur sehr viel, von mir aus auch zähneknirschende, Versachlichung.

So viel wie möglich an Emotionalität raus aus schwierigen Situationen. Und wenn das auch nicht hilft: man kann nicht jeden Kampf gewinnen. Für solche Situationen gibt es ja den Shruggie.

Gibt es eine Frage, die Du dem Branchennachwuchs stellen möchtest?

Seid ihr euch ganz sicher, dass ihr wisst, was ihr da tut?

Welche weiteren beruflichen Ziele strebst du an?

Die Rente.

(Interview: Sabrina Pöhlmann)


von Antje Hartmann

Unsere Reihe „JVM meet“ der JVM Hamburg ging am 13. Mai 2019 in eine zweite Runde. Dieses Mal haben sie Besuch einer der bekanntesten Illustratorinnen Deutschlands gehabt: Katrin Engelking.

Den meisten dürfte sie bekannt sein als Illustratorin der „modernen“ Pippi Langstrumpf. Für die Oetinger Verlagsgruppe hat sie die Kinderbücher von Astrid Lindgren illustriert, Kirsten Boies Möwenweg-Geschichten und viele weitere Kinderbücher wurden durch ihre Zeichnungen gestaltet. An diesem Abend hat Katrin Engelking uns mithilfe einiger Bilder aus ihrer Werkstatt, die sich in ihrem Haus in Hamburg befindet, ihre Arbeit als Illustratorin näher gebracht.

Schon als Kind hat Katrin gerne gemalt und durch ihr Vorbild Jutta Bauer hat sie erfahren, dass man so etwas wie Illustration auch studieren kann. Da stand schnell der Berufswunsch fest und so ging es für Katrin vom beschaulichen Bückeburg in Niedersachsen nach Hamburg, wo sie in den 1990er Jahren Grafik-Design mit Schwerpunkt Illustration studiert hat. Während des Studiums hat sie sich am Anfang erstmal mit Sachbuchillustration beschäftigt, später kam die fiktionale Kinderbuchillustration dazu. So kam es, dass bei einer Jahresausstellung der Uni ein erstes eigenes Buch entstanden ist: „Anne im Tal der tausend Tropfen“ (Ravensburger Verlag). Neben Fleiß und gutem Studium kam noch eine Prise Glück hinzu und so hat Katrin bereits neben dem Studium ihren 1. Auftrag beim Oetinger Verlag bekommen.

Katrin hat seitdem für diverse Verlage gearbeitet (Ravensburger, Hanser, cbj u.a.) und auch mit der KIBUM, der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse zusammengearbeitet. Letztere hat ein Porträt über Katrin Engelking und ihre Arbeit gemacht, sozusagen eine kleine Homestory, um zu zeigen, wie ein Buch von der ersten Skizze bis zum gedruckten Buch entsteht. Von Beginn ihrer Tätigkeit an ist Katrin allerdings vor allem dem Oetinger Verlag treu geblieben und ein Auftrag folgte dem nächsten. Nachdem sie die ersten „Testbücher“ von Astrid Lindgren illustrieren durfte, die gut im Buchhandel ankamen, hat Katrin den größten Auftrag 2001 bekommen: die Illustration der drei blauen Pippi Langstrumpf-Klassikerbücher. Eine große Ehre und vor allem Freude, von der sie noch heute zehrt. Katrin hat sogar Astrid Lindgren persönlich treffen dürfen! Heutzutage wachen deren Erben über das literarische Werk und so müssen einige der neuen Illustrationen immer zur Freigabe nach Schweden gehen.

Doch wie arbeitet eine Illustratorin?

Katrin Engelking hat mehrfach betont, dass sie im Gegensatz zu vielen ihrer KollegInnen ziemlich analog arbeitet. Das heißt, dass sie vom Verlag zunächst den Text des zu illustrierenden Buches auf DIN A3-Seiten bekommt. Darauf fertigt sie erste Skizzen an, ggf. schneidet sie diese später aus, wenn sie lieber noch etwas verändern möchte oder aber sie scannt die Seite ein und bearbeitet am Computer noch etwas nach. Doch in der Regel liebt Katrin den Umgang mit Papier und Farben, sodass sie mit Acrylfarben auf Aquarellpapier die finalen Bilder anfertigt. Manchmal benutzt sie auch kleine Schnipsel aus Zeitungen, die sie collageartig in die Bilder einarbeitet.
Nach den ersten Skizzen entsteht ein Storyboard, auf dem die Illustratorin die Übersicht behält und sich immer markiert, wenn ein weiteres Bild fertig ist. Pro Bild braucht Katrin je nach Größe und Aufwand ein bis drei Tage. Wenn die erste Skizze fertig ist, wird das Bild auf ein transparentes Papier gezeichnet, auf der Rückseite schraffiert Katrin die Flächen bereits mit den ungefähren Farben, die sie später beim Ausmalen benutzen möchte. Eine gute Methode, um durch Durchpausen bereits die richtigen Farbnuancen auf das Aquarellpapier zu übertragen. Anschließend werden die Grundstrukturen der Zeichnungen mit den Acrylfarben zum Leben erweckt bis hin zum finalen Bild. Die Originale schickt Katrin dann zum Verlag, der diese dann einscannt und schließlich für den Buchdruck verwendet. Die Originale bekommt die Illustratorin zurück und sie bewahrt all ihre Werke im Keller auf – sie hängt sehr daran und möchte am liebsten keines aus der Hand bzw. aus dem Haus geben.

Neben den Büchern werden manche Illustrationen dann auch für eine Zweitverwertung genutzt, z.B. für Hörbücher als Cover für die CDs.
Katrin Engelking ist teilweise auch in Schulen unterwegs und hält Vorträge über ihre Arbeit – man merkt ihr an, dass sie ihre Arbeit liebt und so können wir uns gut vorstellen, wie fasziniert die Kinder dann zuschauen und zuhören. Auch die JVM waren neugierig und so entstand an diesem Abend ein sehr schöner Austausch mit vielen Fragen. Zum Unterschied von der Arbeit damals in ihren Anfängen bis heute in der Buchbranche hat Katrin erzählt, dass man früher nicht so kritisch war wie heutzutage. Das heißt, sie hat einen Auftrag bekommen und einfach am Ende das komplette Buch abgegeben, der Verlag hat es abgesegnet, gedruckt und fertig. Heute gibt es viele interne Konferenzen und vor allem der Vertrieb hat einen großen Einfluss auf die Arbeiten der Autoren und Illustratoren. Dabei greifen sie schon früh in den Prozess ein, indem sie erste Skizzen sehen wollen, noch bevor das Buch fertig illustriert wurde.

Immer wieder eine spannende Frage, die vor allem JVM interessiert: Kann man vom Job der Illustratorin leben? Katrin Engelking kann diese Frage bejahen, da sie mittlerweile ungefähr ein gutes Lehrergehalt verdient mit ihren Illustrationen. Doch sie hat entsprechendes Glück mit dem Auftrag zur Pippi Langstrumpf gehabt. Denn die Bücher werfen regelmäßige Tantiemen ab. Andere Bücher kommen oft nicht über die 1. Auflage hinaus und so bleiben viele Projekte ein kurzweiliges Vergnügen, da oft nach der Vorschusszahlung keine weiteren Entlohnungen folgen. Neben den Buchillustrationen kommen immer öfter auch andere Aufträge wie z.B. aus der Werbung hinzu. Katrin hat beispielsweise schon Illustrationen für Toffifee® angefertigt. Insgesamt betont sie also, dass Pippi Langstrumpf eine große Ausnahme ist.

Zum Abschluss wurde noch gefragt, ob Katrin nach all diesen schönen Kinderbüchern noch ein Wunschprojekt hat? Dazu musste sie ein wenig überlegen, aber Michel aus Lönneberga war die eindeutige Antwort. Leider wird das nicht passieren, da die Erben von Astrid Lindgren, wie gesagt, sehr streng sind und das nicht zulassen. Doch man wird ja noch träumen dürfen und somit freuen wir uns nach diesem sehr netten, aufschlussreichen Abend auf viele weitere Werke von Katrin Engelking, wie sie mit ihren Illustrationen nicht nur Kinderherzen höher schlägen lässt!

Mehr Informationen und Eindrücke ihrer Werke präsentiert Katrin Engelking auf ihrer Website: https://www.katrin-engelking.de/

Zum Gründungsjubiläum der Jungen Verlagsmenschen interviewen wir eine der Gründerinnen, Claudia Feldtenzer, heute Leiterin der Presseabteilung beim Reclam Verlag. Vielen Dank für das Interview!

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Zum Gründungsjubiläum der Jungen Verlagsmenschen interviewen wir eine der Gründerinnen, Anke Naefe, heute Referentin für Presse, Bildung und Projekte beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Nordrhein-Westfalen. Vielen Dank für das Interview!

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In unserer Blogreihe JVM meet führen wir Interviews mit verschiedenen Akteuren aus der Buch- und Medienbranche und befragen sie zu ihrem Werdegang oder nach Tipps für den Berufseinstieg.

Wir freuen uns sehr, diesmal Barbara Reibl – Marketing Management bei Holtzbrinck epublishing – im Rahmen unserer Kooperation mit der IG Digital für einen Beitrag gewinnen zu können!

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