Von Marie Guß
Ich habe die Leipziger Buchmesse 2026 das erste Mal als Fachbesucher*in erlebt und teile nun gerne meine Eindrücke von den zwei Veranstaltungen, die ich als Messereporter*in für die Jungen Verlags- und Medienmenschen besucht habe. Unter dem Aufhänger, dass in der Buchbranche viele Generationen, Erfahrungen und Arbeitsstile aufeinandertreffen, diskutierten Andrea Cisnado Schultheis, Sebastian Guggolz, Florian Timm, Kira Borchers und Theresa Pyritz zum Thema Softskills in der Buchbranche. Was die Diskussion besonders wertvoll machte, war die klare Erkenntnis: Softskills lernt man lebenslang. Es gibt keinen Abschluss, der uns für alle zukünftigen Herausforderungen wappnet. Die wichtigsten Fähigkeiten, die immer wieder genannt wurden, waren Kommunikation und Zuhören. In einer Branche, in der unterschiedliche Meinungen nebeneinander bestehen müssen, ist es essenziell, diese stehen zu lassen und Verständnis für die andere Seite aufzubauen.
Generationen im Dialog
Die Buchbranche ist eine altersdiverse Branche, doch das birgt auch Konfliktpotenzial. Auf Augenhöhe begegnen, statt in Schubladen zu denken war ein zentrales Anliegen der Podiumsteilnehmer*innen. Vorurteile gegenüber bestimmten Altersgruppen sollten abgebaut werden. Stattdessen gilt es, individuelle Menschen wahrzunehmen und ihre Erwartungen klar zu kommunizieren. Besonders im Lektorat spielt der Objektivitätsanspruch eine große Rolle. Hier ist es wichtig, sich des eigenen Alters, der eigenen Generation und Perspektive bewusst zu sein. Die Altersstruktur im Team ist wichtig, denn Erfahrung ist ein Vorteil, aber der Hintergrund Jüngerer bringt ebenfalls wertvolle Impulse. Das eigene Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, gehört dazu. Mentoring auf Augenhöhe wurde als Schlüsselkonzept hervorgehoben. Sich in den anderen hineinversetzen zu können, ermöglicht echte Zusammenarbeit. Es wurde dabei betont, alle Beteiligten als gemeinsame Verbündete zu begreifen. Auf die Leute zuzugehen und Fragen zu stellen, öffnet Türen.
Resilienz und Verbündete
Zwischen den Ebenen der Kommunikation wechseln zu können, ist eine weitere Fähigkeit, die in diesem komplexen Umfeld unverzichtbar ist. Und nicht zuletzt: Resilienz. In einer Branche, die sich ständig wandelt, braucht es die innere Stärke, Veränderungen nicht nur zu akzeptieren, sondern aktiv mitzugestalten. Veränderungsbereitschaft, Offenheit und Mut sind keine leeren Floskeln, sondern Überlebenswerkzeuge. Am Ende bleibt die Liebe zum Lesen als gemeinsamer Nenner. Was uns alle verbindet, ist die Leidenschaft für Bücher und Geschichten. Diese sollte uns immer wieder daran erinnern, warum wir in dieser Branche arbeiten und warum es sich lohnt, gemeinsam stark zu bleiben.
Foto von Marie Guß
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