Von Marlene Borchers
Künstliche Intelligenz ist so aktuell wie nie zuvor. Gerade in der Kreativbranche löst sie hitzige Diskussionen aus: Müssen Menschen in der Buchbranche um ihre Jobs fürchten, oder kann KI ein hilfreiches Ergänzungstool sein, beispielsweise im Lektorat? Henrike Doerr, freiberufliche Lektorin, Texterin und Trainerin diskutierte am Messefreitag der Leipziger Buchmesse 2026 zusammen mit Verleger und KI-Experten Alexander Seifert von textshine über den Einsatz von KI im Lektorat.
Wenn das menschliche Urteil gefragt wird, stößt KI an ihre Grenzen
Doerr verfolgt die Entwicklungen von KI schon lange. Für sie ist KI ein mächtiges Werkzeug, dass jeder im Auge behalten sollte, der mit Sprache arbeitet. KI könne im sprachlichen Bereich bereits viel leisten, aber technische Grenzen gibt es noch immer. So gibt es oftmals Qualitätseinbrüche innerhalb eines generierten Textes. Außerdem, so Doerr, klingen KI-Texte häufig generisch und glatt, ohne Ecken und Kanten. „Menschen schreiben so nicht“, sagt sie. Das kann bei inhaltlichen Verbesserungen eine Hürde sein, reine Korrekturarbeiten seien laut Alexander Seifert aber gut möglich. „Im Lektorat geht es viel um Ästhetik und das menschliche Urteil.“ Je mehr Bauchgefühl eine Aufgabe erfordere, desto schwieriger sei es für eine KI, diese zufriedenstellend zu meistern. Bei reinen Korrekturarbeiten gäbe es dieses Problem nicht.
KI-Kompetenzen werden immer wichtiger
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, KI sei leicht zu bedienen. Wer aber ein gutes Ergebnis haben möchte, muss genau wissen, was er möchte und wie der eigene Schreibstil klingen soll, wissen die Expert:innen. Für Lektor:innen bedeutet das, dass KI-Kompetenzen immer wichtiger werden. KI kann in bestehende Prozesse eingebunden werden und Arbeitsabläufe vereinfachen. Alexander Seifert sieht hier eine große Chance: „Wir machen viele Dinge, die nichts damit zu tun haben, weswegen wir den Beruf eigentlich gewählt haben“. KI kann bei genau diesen Dingen helfen – die inhaltliche Textarbeit, die viel auf dem menschlichen Urteil beruht, bleibe in der Hand des Lektors oder der Lektorin.
Viel ausprobieren, aber immer mit Vorsicht genießen
Henrike Doerr sieht ebenfalls viel Potential in den neuen Tools. Sie rät Lektor:innen, viel auszuprobieren und verschiedene Tools zu nutzen. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass viele dieser Tools Datenfresser sind. Vorsicht sei also immer geboten, bei fremden-, aber auch bei eigenen Texten. Ihr Tipp: Nicht verunsichern lassen, wenn eine Idee nicht sofort funktioniert. Wer seine Kompetenzen hinsichtlich KI erweitert, kann in Zukunft gute Ergebnisse erzielen. Das menschliche Urteil wird aber weiterhin das letzte Wort haben.
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