Erwartungen

Die Messlatte liegt hoch. Verwöhnt von der Leipziger Autorenrunde, dem offenen Netzwerkcharakter und den vielen inspirierenden Anregungen, komme ich am Messesonntag gerade noch rechtzeitig im CCL an. Nach meinem Interview, zu dem mich der Freie Deutsche Autorenverband geladen hat, muss ich nun rechtzeitig von Halle 5 ins Kongresszentrum gelangen. Dazwischen liegen nicht nur Kilometer und wunderbare Mangameuten, sondern ich treffe auch auf interessante Gesprächspartner: Den Autor und Kollegen Jordan T. Wegberg zum Beispiel, der mich mit dem liebenswerten Verleger Simon vom dead soft Verlag bekannt macht und mir noch einen Vitamindrink in die Hand drückt. So gestärkt gelingt mir das Kunststück und kurz vor Beginn der Bloggersession finde ich meinen Platz in der ersten Reihe. Die anderen Stühle sind alle belegt.

Session 1.2 Blogkonzepte

Drei Literaturbloggerinnen und eine Lifestylebloggerin sind geladen. Warum dieses Mal ausschließlich Frauen das Podium bestreiten, weiß ich nicht zu beurteilen, es fällt mir lediglich auf.

© Tanja Steinlechner

© Tanja Steinlechner

Mara Giese eröffnet die Runde und gibt Einblick in die Entstehungsgeschichte ihres Blogs Buzzaldrins Bücher (https://buzzaldrins.de/), der seit 2011 besteht. Sie selbst ist Ende zwanzig und heute für Edel Books (https://www.edel.com/buch/edel-books/) im Bereich Social Media tätig. Ihr Blog sei bekannt geworden, sagt sie, als sie gemeinsam mit fünf anderen Bloggerinnen die Longlist des deutschen Buchpreises gelesen, rezensiert und darüber öffentlichkeitswirksam diskutiert habe. 5 lesen 20 heißt das Projekt, mit dem sie Anerkennung auch seitens der Branche bekommen hat. Erstmals sei sie auf Augenhöhe wahrgenommen worden.

© Tanja Steinlechner

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Annabelle mit dem klangvollen Nachnamen Hutschreuter, der mich an feines Porzellan denken lässt und die Sehnsucht nach einem aromatischen Espresso weckt, ist Lifestylebloggerin mit dem Themenschwerpunkt Leipzig. Kleine Läden erkundet sie und neue Restaurants, sie gibt Veranstaltungstipps und nimmt den Leser mit in ihren Alltag. Dazu gehört auch Literatur und insofern sie diese in Cafés liest, ist meine Anfangsassoziation gar nicht so verkehrt. Schnell wird klar, dass Annabelle von annabelle-sagt (https://annabelle-sagt.de/) ihren privaten Blick auf die Welt mit ihren Lesern teilt. Eine Strategie, die Annika Bühnemann bei der gestrigen Leipziger Autorenrunde schon in ihrem Vortrag zu youtube unter die Lupe genommen hat. Annabelle kann im Gegensatz zu Annika noch nicht von ihrem Blog leben, aber sie bekommt Gutscheine geboten und schließt nicht aus, eines Tages ganz vom Bloggerdasein ihre Existenz zu bestreiten. Ein wenig fremd kommt es mir vor, Umsatz damit zu generieren, Lesern meine Weltaneignung zugänglich zu machen – und zwar nicht durch ein Kunst-Ich, quasi einem Erzähler, sondern als authentisches Ich. Der Frage nachzugehen, ob diese These überhaupt aufrecht zu erhalten ist, vom authentischen ungefilterten Erleben, würde mich reizen, aber sprengt sicher den Rahmen der Veranstaltung.

Stattdessen kommt die Frage auf, wie sich Blogger professionalisieren können, so dass sie ein Partner auf Augenhöhe werden und so auch finanziell und nicht nur mit Rezensionsexemplaren entlohnt werden. Die Branche, so der Konsens, befindet sich dahingehend im Wandel und auf dieser Reise werden sich alle Beteiligten verändern, Blogger wie Verlage. Einen ausgezeichneten Umgang mit der Bloggerschaft spricht die Expertenrunde derweil Suhrkamp, Hanser und Randomn House zu.

© Tanja Steinlechner

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Nun stellt Vera Lejsek ihren Blog, dessen Name glasperlenspiel 13 (https://buecherliebhaberin.wordpress.com/) sich dezidiert auf Hermann Hesse und nicht etwa auf die gleichnamige Band bezieht, wie sie unmissverständlich klarmacht, vor. Sie bespreche ausschließlich anspruchsvolle Literatur – und obwohl mir natürlich klar ist, dass auch Blogs Zielgruppen haben, zucke ich unwillkürlich zusammen. Wenn sich nun auch die Mehrzahl der Blogs der gängigen deutschsprachigen Trennung von U- und E-Literatur zuordnen lassen will, dann bleibt schließlich doch alles beim Alten. Innovation hatte ich mir versprochen und jetzt denke ich schon wieder an Kaffee und unterdrücke ein Gähnen.

© Tanja Steinlechner

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Die Diskussion fördert auch bei Constanze Matthes Vorstellung ihres Blogs Zeichen und Zeiten (https://buecherliebhaberin.wordpress.com/) keine neuen Gedankenblitze zu Tage, was nicht primär an Frau Matthes liegt, sondern an der Stimmung im Raum, an alteingefahrenen Mustern einer in die Tage gekommenen Branche, vielleicht auch einfach nur an zu wenig Bewegung und zu viel Klassenzimmeratmosphäre. Alle starren wir an die Tafel, okay, an die Leinwand, deren immer gleiche Bilder zumindest mich leicht einlullen.

Mittagessen und mehr

In der Mittagpause vertrete ich mir die Beine, finde endlich auch die ersehnten Tassen Koffein und ansprechend belegte Brötchen, die mich aussöhnen. An den runden Stehtischchen komme ich leicht ins Gespräch mit Bloggern und Verlagsmitarbeitern. Dieser Austausch weckt mich auf. Deshalb bin ich gekommen, deshalb wollte ich hiervon berichten. Immerhin ist es die erste Bloggersession und die Buchmesse hat damit Neuland beschritten. Vielleicht könnte ja nächstes Jahr das Konzept erweitert werden: weniger Podiums- und Vortragskultur zugunsten mehrerer bunter Tischgespräche, ganz ähnlich dem bewährten Format der Leipziger Autorenrunde?

Noch in Gedanken verloren, ist die Pause und das angenehme Miteinander schon wieder vorbei. Die imaginäre Glocke klingelt zur nächsten Unterrichtsstunde. Ein Workshop, immerhin.

Bloggerworkshop

Tina Lürz von Lovelybooks (https://www.lovelybooks.de/) wirkt sympathisch. Sie ist jung und erzählt fließend, sie lacht und ermuntert die Teilnehmenden und ja, sie ist auch eine Lovelybooksbotschafterin. 12.000 Rezensionen gibt es dort pro Monat, eine wichtige Plattform für Autoren, um in sogenannten Leserunden ihr Buch vorzustellen.

Tina eröffnet die Runde mit der Möglichkeit sich gegenseitig vorzustellen und Fragen zu stellen. Das ist wunderbar. Ich freue mich endlich von den Anderen zu hören, weshalb sie gekommen sind. Es sind Vertreter der Verlage genauso anwesend wie Blogger, die gerade beginnen und solche, die bereits eindrückliche Erfahrung vorweisen können.

Tina macht uns aufmerksam auf die Notwendigkeit eines Planes, unterscheidet den Themen- vom Redaktionsplan. Der Themenplan sammelt Ideen, wobei der Radaktionsplan festhält, wann welcher Post in welchem Format erscheinen soll. Darüber hinaus regt sie an Gastblogger einzuladen, Neues auszuprobieren und zu experimentieren.

Eine Weile sprechen wir noch über Tools, kommen auf evernote , trello, den google calendar und auf Blogplaner wie epicblog und kreavida. Das ist ganz beschaulich, immerhin unterhaltsam und Werbung haben wir jetzt auch gemacht.

 

Mein Fazit? Eine Bloggersession ist eine klasse Idee, die unter dem Aspekt Neuigkeiten aus der Bloggerwelt und Vernetzung unter Kollegen innerhalb der Branche weiter zu entwickeln ich mir wünsche . Denn darum geht es Bloggern doch auch: Zugänge zu schaffen und Blicke zu öffnen.

Tanja Steinlechner / www.schreibhain.com