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von Nina Rheinheimer

Wenn man junge Menschen erreichen möchte, führt kein Weg an Instagram vorbei. Doch mit welchen Mitteln verschafft man sich mehr Aufmerksamkeit im Social-Media-Dschungel? Ralf Schweikart von der wdv Gesellschaft für Medien & Kommunikation verriet am Messe-Donnerstag auf der Frankfurt Kids Stage einige Tipps für den Umgang mit Instagram.

Ralf Schweikart stellt in seinem Vortrag zunächst die wichtigsten Kanäle und ihre NutzerInnen vor. „Social Media bietet geeignete Kanäle, um sich mit Menschen mit ähnlichen Interessen auszutauschen“, meint der Experte für Content Marketing. Das sei unter anderem für Buchhandel, Verlage, AutorInnen und BloggerInnen interessant, da sie auf diese Weise KundInnen bzw. LeserInnen gewinnen können. Jeder Kanal habe dabei seine kommunikativen Besonderheiten, beispielsweise im Hinblick auf Zielgruppen und Formate. Das reine Hochladen von Fotos und Texten reicht nicht aus. Interaktion lautet das Schlüsselwort bei Social Media.

Damit ist viel Arbeitsaufwand verbunden, sodass man nur die Kanäle bespielen sollte, die die jeweilige Zielgruppe ansprechen. „Twitch lohnt sich vor allem bei Gamern“, verkündet er. Facebook sei für eine ältere Zielgruppe relevant. Wenn man Jugendliche erreichen möchte, komme man damit aber nicht weit. Einer JIM-Studie aus dem Jahr 2018 zufolge nutzen nur 15% der Zwölf- bis Neunzehnjährigen Facebook – bei Instagram sind es zu dem Zeitpunkt schon 67%. Zum Vergleich: Nur 39% der Jugendlichen greifen zum Buch.

Was funktioniert auf Instagram?

Wie schafft man es jedoch, in der unübersichtlichen Medienlandschaft die gewünschten NutzerInnen für das Produkt zu begeistern? „Viele Abonnenten werden nicht organisch erreicht“, stellt Schweikart klar. Wer mehr Menschen erreichen möchte, sollte also über Ads oder beworbene Posts nachdenken. „Mit spezifischem Targeting lassen sich typische Zielgruppen ansprechen“, betont er.

Egal, ob die Inhalte beworben werden oder nicht, das Motto „Content ist King“ gilt in jedem Fall. Schweikart nennt einige Positivbeispiele, die das Potenzial von Instagram ausschöpfen. Die Instagram-Seite „hotdudesreading“ versucht die Attraktivität des Lesens durch Fotos von jungen Männern mit Buch zu unterstreichen. Eine Hugendubel-Filiale in München hat eine Instagram-Ecke eingerichtet, in der sich Kunden für ihre Social-Media-Kanäle inszenieren können. Auch KünstlerInnen nutzen die Plattform für sich – beispielsweise die Lyrikerin und Songwriterin Clara Louise, die ihre Texte auf Instagram in Szene setzt.

Hashtags (beispielsweise #instapoetry, #kinderbuch oder #bookstagram) sind ein unverzichtbarer Bestandteil von Instagram-Marketing. Neben Posts für den Feed sollten auch Funktionen wie Stories oder IGTV genutzt werden. Wichtig ist bei allen Beiträgen, dass sie sich nicht auf ausgetretenen Pfaden bewegen. Mit Kaffeetassen, Kuchen oder jahreszeitlicher Deko grundlos eine wohlige Atmosphäre zu kreieren empfiehlt Schweikart nicht. „Es ist viel besser, mit einfachen, aber zum Titel passenden Requisiten Aufmerksamkeit zu erzeugen“, sagt der Experte. Ebenfalls eine gute Idee ist es, ein unverwechselbares Element in die einzelnen Postings zu bringen, beispielsweise eine bestimmte Farbe, die in allen Beiträgen auftaucht. „Man sollte auch aktuelle Ereignisse, Feiertage oder Veranstaltungen aufgreifen und kreativ umsetzen“, so Schweikart. „Idee, Sympathie und Relevanz schlägt oft das perfekt gestylte Foto. Authentisch und persönlich funktioniert, denn zur Buchempfehlung gehört auch die Person, die empfiehlt.“  

Tipps und Tricks für den Start

Einfach nur einen Business-Account anzulegen reicht aber nicht. Es sollte eine Zielgruppe definiert und ein Redaktionsplan erstellt werden, der auf den Alltag dieser Gruppe ausgerichtet ist. Demnach ist es sinnvoller, wenn Content, der SchülerInnen erreichen soll, nicht während der Unterrichtszeiten hochgeladen wird. Um auf sich aufmerksam zu machen sei es sinnvoll, Accounts mit ähnlichen Zielgruppen oder Inhalten zu folgen. Man könne zudem Hilfsmittel nutzen, beispielsweise die App Canva. „Die liefert unzählige Vorlagen, die individuell angepasst werden können und damit professionell wirken.“ Ein sogenanntes „Takeover“ kann auch helfen. Damit ist eine zeitlich begrenzte Übertragung des Kanals einer Marke gemeint, beispielsweise an Jugendliche, die genau wissen, wie man die Zielgruppe anspricht. Thematisch passende InfluencerInnen einzubinden, trägt ebenfalls zu einer höheren Reichweite bei. Beachten muss man bei diesen Kniffen, dass es für Instagram keine allgemeingültige Zauberformel gibt, mit der man FollowerInnen generieren kann. Wichtig sei die Glaubwürdigkeit und Authentizität der Inhalte und eine kontinuierliche Interaktion mit der Zielgruppe. „Einfach nur Mut“ – das ist der finale Ratschlag, den Schweikart Instagram-Neulingen mit auf den Weg gibt. 


Artikel verfasst von Nina Rheinheimer im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

Die Vorstellungsrunde geht weiter. Nach dem Vorstand folgt nun das Presseteam: Lina Scherpe, Sabrina Pöhlmann und Jenny Schiemann 🙂

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Wibke Ladwig ist Social Web Ranger, Ideenkatalysatorin und Wortschatzjägerin. Sie begleitet Menschen im digitalen Raum und passt auf, dass sie nicht von Bären gefressen werden. Sie denkt leise und laut über Identität, Ideen, Geschichten und Szenografie nach und wie man den digitalen und den analogen Raum sinnvoll miteinander verbinden kann. Außerdem irrlichtert sie mit #printtwitter, #plattensammlung, Lakritzel, Findelkraken und Papperlapapp durch Digitalien und pflegt die Kunst der freundlichen Verstörung. Am 22.04.2016 spricht sie auf der Direttissima Konferenz in München zum Thema „Inszenierung des Ich im Social Web“.

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