Beiträge

von Johanna Jiranek

Wenn wir uns aktuell schon online austauschen müssen, dann kosten wir den Vorteil, ortsungebunden zusammenzukommen, doch voll aus und ergänzen das breite JVM-Angebot um thematische Treffen: Beim ersten digitalen Themenstammtisch zum Lektorat am 16. Juni 2020 trafen sich 14 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland auf Zoom. Es war eine bunt gemischte Runde aus erfahrenen LektorInnen, freien sowie angestellten LektorInnen, VolontärInnen, Studierenden kurz vor dem Abschluss und auch einigen austauschfreudigen JVM-Mitgliedern aus anderen Bereichen. Neben altbekannten Gesichtern war es schön, frische Mitglieder und erstmalige Stammtischteilnehmende zu begrüßen.

Themen: Berufseinstieg bis Zeitmanagement

In der Vorstellungsrunde wurden Themen gesammelt, die den Teilnehmenden unter den Nägeln brannten. Wenig überraschend: Corona beschäftigt auch die LektorInnen in ihrem Berufsalltag. Bei der Frage, wie man sich im Homeoffice effizient organisiert, ohne dass einem die Decke auf den Kopf fällt, können die Freien den Angestellten zwar aus längerer Erfahrung berichten, aber die Zeit der Kontaktbeschränkungen war doch für alle eine Herausforderung. Wie man die Zeit einzelner Projekte am besten erfasst (Timeular, Timescape und TrackingTime wurden genannt) und wo sich die Programmplanung wieder normalisiert oder nie betroffen war, wurden diskutiert. Welche Tipps gibt es für den Kundenaufbau im freien Lektorat? Die Auftragslage freier LektorInnen war überwiegend eingebrochen, auch wenn es glückliche Ausreißer gibt, deren Themen und Projekte von Verschiebungen in den Verlagen nicht betroffen waren. Neben diesem Erfahrungsaustausch aus der Praxis kamen auch Tipps für BerufsanfängerInnen nicht zu kurz. Wie wichtig ist ein Master für die Karriere und wie gelingt der Berufseinstieg in Covid-19-Zeiten?

What’s next?

Der Wunsch nach weiterem Austausch war da und so wurde beschlossen, alle sechs bis acht Wochen weitere Termine an wechselnden Wochentagen folgen zu lassen. Das Format werden wir dabei variieren, Impulsvorträge und thematisch enger gefasste Abende mit freiem Austausch abwechseln. Der nächste Stammtisch findet als gemeinsamer Textworkshop statt, bei dem wir von Teilnehmenden eingeschickte Textbeispiele besprechen werden. Wer dabei sein will, ist herzlich willkommen und kann die Augen nach Zweifelsfällen, problematischen (Ab-)Sätzen und passenden Texten (maximal eine Normseite) offen halten. Alle Anregungen, Ideen – und natürlich auch bereits Texte – sind willkommen: einfach an Johanna unter stuttgart@jungeverlagsmenschen.de schicken.

Am 10. Oktober 2019 folgten zwei Lektorinnen der Einladung der JVM Köln-Bonn, um einigen MitgliederInnen Einblicke in ihren Berufsalltag zu gewähren. Nach Vertrieb, Herstellung und Online-Marketing war der Lektorat-Abend bereits die vierte Ausgabe der Veranstaltungsreihe der Köln-Bonner Städtegruppe.

Sarah Julia Rögl vom Verlag Barbara Budrich und Daniela Jarzynka von Bastei Lübbe stellten ihre Verlage vor – Vorschauen wurden herumgereicht, Bücher hochgehalten – und erzählten dann, was sie ganz konkret im Arbeitsalltag tun. Zur Überraschung einiger Teilnehmenden war das weit weniger textbezogen als gedacht. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist zum Beispiel die Koordination von freiberuflichen DienstleisterInnen für Übersetzung, Lektorat, Korrektorat und Satz. Dazu kommt die Kommunikation mit den Autoren und Autorinnen, das Akquirieren und Planen neuer Bücher – z. B. auf Veranstaltungen oder über Agenturen – und vieles mehr.
Dabei waren die Unterschiede der beiden Verlage und deren Auswirkungen auf die tägliche Arbeit besonders interessant – allein durch die Tatsache, dass Bastei Lübbe um ein Vielfaches größer als der sozialwissenschaftliche Fachverlag Barbara Budrich ist. Außerdem sorgt der unterschiedliche Schwerpunkt für Arbeitsbereiche, die sich nicht überschneiden. Dennoch fanden sich auch zahlreiche Gemeinsamkeiten in den Abläufen.

Vielen Dank an Sarah und Daniela für die Einblicke! Es war äußerst bereichernd, direkt von der Quelle von zwei kompetenten und sympathischen Lektorinnen zu hören, was ihren Arbeitsalltag ausmacht und welche Kompetenzen gefragt sind. Außerdem Dank an Milan Grünewald von buchtrailer.net dafür, dass wir die Räumlichkeiten seiner Bürogemeinschaft für die Veranstaltung nutzen durften!

von Helena Sindl

Die Liebe zur Literatur ist groß und weit verbreitet, aber was sind die Aufgaben und die Kernfähigkeiten des Lektors?

Das Lektorat ist für viele, die eine Karriere im Verlags- und Buchwesen anstreben, ein Wunschberuf. Christiane Schmidt, die unter anderem als Cheflektorin bei Hoffmann und Campe gearbeitet hat und mittlerweile als freiberufliche Lektorin tätig ist, skizziert auf dem Podium des Fachforums 2 der Leipziger Buchmesse 2019 die Aufgaben und Möglichkeiten des Berufsfeldes.

Leidenschaftsberuf Lektorat

Man müsse verstehen, dass das Lektorat ein „Leidenschaftsberuf“ sei, so Christiane Schmidt. Wie bei so vielen Berufen im kulturellen und journalistischen Sektor sei ein Lektor oder eine Lektorin mit Schwierigkeiten konfrontiert, die nur mit einem gewissen Handwerk und einer gewissen Willensstärke gemeistert werden können.

Den Einstieg in das große Arbeitsfeld des Lektorats suchte sie über die Teilbereiche der Belletristik und des Sachbuchs zu erklären. Der Lektor oder die Lektorin hat – ganz gleich ob in der Belletristik oder im Sachbuch –  bestimmte Arbeitsbereiche abzudecken: die Text- und Autorinnenakquise, die Textarbeit und die Autorinnenbetreuung. Überdies noch die Programmplanung, die Titelkalkulation sowie die externe sowie interne Kommunikation, etwa mit dem Bereich Herstellung.

Die unabhängigen Fähigkeiten eines Lektors

Bei der Akquise sollte man sich stets bewusst machen, welche Themen gegenwärtig von Bedeutung seien. Ein gesellschaftspolitisches Interesse und eine gute Allgemeinbildung gehören bei der Berufsentscheidung für das Lektorat zu notwendigen Bedingungen Der Blick für relevante Themen sollte so durch den Besuch von Fachkongressen, eine offene Einstellung zur Kulturszene und den Feuilletons sowie einen steten Austausch mit Kolleginnen und Kollegen geschärft werden.

Der Lektor oder die Lektorin muss in der Lage sein, einen Text zunächst unbefangen zu lesen. Im Anschluss müssen die Beweggründe für eine Zusage oder Absage entlang nachvollziehbarer Kriterien formuliert werden; eine Fähigkeit, die sich zum Teil erst über Jahre entwickle. Grundsätzlich sei eine solche Entscheidung im Sachbuchbereich leichter als in der Belletristik zu treffen, was in der innertextuellen Logik und faktischen Richtigkeit des Genre begründet liegt. Belletristische Texte erforderten eine intensive Auseinandersetzung, die in den meisten Fällen noch über eine rein inhaltliche Korrektur hinaus reiche. Der Lektor oder die Lektorin müsse sich in die Mentalität und die Kultur einer Sprache, ob Mutter- oder  Fremdsprache, hineinversetzen können. Daher gehe das Lektorat über ein reines Textkorrektorat hinaus.

In beiden Teilbereichen sind Genauigkeit, Kommunikationsfähigkeit sowie Aufrichtigkeit unabdingbare Charaktereigenschaften für den Lektor oder die Lektorin, sowohl im Umgang mit Autoren und den Fachabteilungen eines Verlags.

Autoren und Lektoren — beste Freunde?

Im gesamten Arbeitsprozess nimmt das Verhältnis zwischen Autor und Lektor Einfluss auf die Arbeit. Schmidt beschreibt die Beziehung aber als von einem Ungleichgewicht geprägt. Während der Autor oder die Lektorin künstlerisch tätig sei, greife der Lektor in ein von persönlichen Erfahrungen geprägtes Werk korrigierend ein. Daher arbeite man auf einer intimen Ebene, deren Grundlage Vertrauen darstelle.

Einen gelungen Einstieg ins Lektorat bieten Praktika und Volontariate, so Schmidt. Dies sei mittlerweile der gängige Weg.




Am Weltempfang, dem Übersetzerzentrum auf der Frankfurter Buchmesse, geht es am Freitag um die Zusammenarbeit zwischen Verlagslektorat und Übersetzer*innen. Moderator Didier Dutour unterhält sich dabei angeregt mit seinen Gesprächspartnern aus der Verlags- und Übersetzerwelt.

Weiterlesen

Wer gerne liest und vielleicht ab und an selbst mal schreibt, träumt häufig von einer Karriere als Lektorin oder Lektor. In Zeiten, in denen man unkompliziert sein eigenes Buch über verschiedene Book-on-Demand-Anbieter auf den Markt bringen kann, wenden sich nicht nur Verlage, sondern auch selbstständige Autoren an freie Lektoren, um lieber noch einmal jemanden über das eigene Werk drüber gucken zu lassen. Aber kann man das nicht auch den besten Freund oder die Bekannte mit dem guten Schreibstil machen lassen?

Weiterlesen

Bodo Kirchhoff ist ein Autor, der es versteht über seinen Roman zu sprechen. Er fällt nicht auf die üblichen Muster der Abwehr zurück, die im Genre »ein Autor erklärt seine Geschichte« traditioneller- und auch berechtigterweise beheimatet sind. Weiterlesen