Beiträge zu Veranstaltungen, Kooperationspartnern oder fachlichen Themen in der Buch- und Medienbranche.

von Helene Sindl

Durchstarten in der Buchbranche — Mentoring-Programme für Berufseinsteiger und Young Professionals

Am zweiten Tag der Leipziger Buchmesse fand der „Karrieretag Buch und Medien 2019“ des Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. und der Buchmesse statt. Die alljährliche Veranstaltung dient der Orientierung hinsichtlich Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten in der Buch- und Medienbranche.

Die Abteilung Berufsbildung des Deutschen Börsenvereins organisierte eine Gesprächsrunde zu „Mentoring Programmen in der Buchbranche“, in der drei Mentoring-Programme vorgestellt wurden: der Bücherfrauen e.V. — Women in Publishing, des Nachwuchsparlament des Börsenverein des Deutschen Buchhandels und des Junge Verlagsmenschen e.V.

Die Moderatorin der Runde übernahmen die Mitglieder des Junge Verlagsmenschen e.V. Jana Rahders und Britta Fietzke, erstere aktiv in der AG Young Professionals und letztere im Vorstand. Weitere Teilnehmerinnen waren Meiken Endruweit von den Bücherfrauen e.V. und Theresa von Zepelin von der Hochschule für Medien, die als Studentin an einem Mentoring-Programm teilgenommen hatte.  

Die Mentoring-Programme

Zum Ziel gesetzt haben sich die Programme den Austausch zwischen Neulingen in der Buchbranche und Branchenprofis. Das Mentoring der Bücherfrauen bringt weibliche Nachwuchskräfte und erfahrene Branchenfrauen für ein Jahr näher zusammen. In fünf Städtegruppen wird das Programm ehrenamtlich geleitet. Es finden sich stets Gruppen von acht bis 12 Frauen, die sich gemeinsam mit ihren Mentorinnen austauschen, so Endruweit. Über 900 Bücherfrauen aus unterschiedlichsten Bereichen der Buchbranche gebe es in Deutschland, und somit Mentees für Bereiche wie Herstellung, Buchhandel oder auch Lektorat. Hierbei sind für die Mentees ebenso wie für die Mentorinnen die organisierten Stammtische, Workshops und die Abschlussrunde von Bedeutung, da sie einen Austausch auf Augenhöhe versprechen.

Jana Rahders hebt den Unterschied des Programms der Jungen Verlagsmenschen hervor. Das an diesem Tag begonnene Programm richte sich explizit an Berufseinsteiger, sei also keinesfalls ein ,,Konkurrenzprogramm”, so Britta Fietzke. Angedacht für einen Zeitraum über neun Monate, laufe die Bewerbungsphase bis Ende April. Nach Abschluss der Bewerberrunde werden die Paare gematcht, die sich in der Folge vernetzen und austauschen sollen. Die Paare werden je nach Interessenschwerpunkten der Bewerber zusammengeführt. Eine zusätzliche Vernetzung soll das Jahrestreffen im Juli, eine Veranstaltung im November sowie ein Weiterbildungstag bieten. Eine Veranstaltung im anschließenden Frühjahr soll den Abschluss des Programms bilden. Während der Veranstaltungen sind Workshops angedacht, die sowohl den Mentees als auch den Mentorinnen vielseitige Weiterbildungs- und Reflektionsmöglichkeiten bieten.

Theresa von Zepelin spricht als ehemalige Teilnehmerin des Nachwuchsparlaments, das zeitgleich während der Buchtage Berlin im Juni stattfindet, über das Programm. Zielgruppen seien ebenfalls Berufseinsteiger, wobei die Mentorpositionen von etablierten Professionals übernommen werden. Das Programm ist auf ein Jahr angesetzt, ohne im Voraus festgelegter Termine. Auf das Kennenlernen der Mentoring-Paare im Rahmen des Nachwuchsparlaments finde die Programmgestaltung erst gemeinsam statt. Der Besuch einer Buchmesse beispielsweise, um einen Blick hinter die Kulissen zu gewinnen oder um Branchengespräche aus nächster Nähe zu führen.

Enge und persönliche Zusammenarbeit

Im Gegensatz zu dem Programm der Bücherfrauen spielt die Entfernung von Mentee und Mentorin in den Programmen der JVM und des Nachwuchsparlaments eine untergeordnete Rolle. Meiken Endruweit von den Bücherfrauen spricht sich hingegen für eine örtliche Bindung aus. Über die Zeit werde so ein enger, teils auch persönlicher Kontakt geknüpft, der auch über Jahre anhalten kann. Endruweit selbst hat dem Programm teilgenommen und pflegt noch immer einen guten Kontakt zu ihrer ehemaligen Mentorin. Theresa von Zepelin hat hier eine andere Erfahrung gemacht. Sie konnte aber dank weiterer Kontakte aus der Mentoring-Zeit ein belastbares Netzwerk aufbauen. Sie teilt letztlich schon die Einschätzung, dass der lokale Kontakt von Mentee und Mentorin von großem Vorteil sei.

Bei den Jungen Verlagsmenschen sieht man das ähnlich, obschon es im Programm der JVM nicht verpflichtend ist. Die AG Young Professionals der Jungen Verlagsmenschen, die das Programm organisiert, unterstützt  die Mentoring-Paare bei auftretenden Schwierigkeiten.

Bewerbung als Möglichkeit der individuellen Förderung

Der Bewerbungsprozess der Programme ist ähnlich aufgebaut. Der potenzielle Mentee sollte angeben, welche Kompetenzen die Mentorin erfüllen sollte und welche Art des Kontakts gewünscht sei. Ähnliche Schwerpunkte setzen auch die BücherFrauen. Die Bewerber sollten in jedem Fall berücksichtigen, dass es sich bei ehrenamtlich organisierten Mentoring-Programmen nicht um ein Karriere-Coaching handelt. Bei jeder Bewerbung sollte also das Bewusstsein dafür vorhanden sein, dass der Fokus auf Vernetzung und Austausch liegt.

Zukunftsträchtige Vernetzung durch Mentoring

Die Teilnahme an einem Mentoring, resümiert Endruweit, sei eine gute Chance für den weiteren Berufsweg. Ihre eigene Teilnahme habe ihr vor Augen geführt, was vernetzte Frauen in der Branche bewegen können. Für die Mentorinnen sei die die Möglichkeit der Reflektion des eigenen Berufswegs ein positiver Faktor. Als jüngere Teilnehmerin am Nachwuchsparlament schätzt Theresa von Zepelin insbesondere das Gespräch mit langjährigen Branchenprofis. Die Vernetzung, die ihr durch ihre Teilnahme möglich war, sei ein deutlicher Pluspunkt für die weitere berufliche und persönliche Zukunft.

Detaillierte Informationen zu den Programmen können den jeweiligen Homepages entnommen werden:

https://www.jungeverlagsmenschen.de
https://www.buecherfrauen.de/startseite/
http://ausbildung-buchhandel.de/

Redaktionsnotiz: Wenn ihr jetzt Interesse bekommen habt, an einem Mentoring teilzunehmen gerade ist die Bewerbungsphase für das JVM-Mentoring gestartet! Seid dabei und bewerbt euch jetzt online als Mentee oder Mentor bis zum 30.April. Das Mentoringprogramm startet dann auf dem Jahrestreffen 13./14. Juli 2019 in Frankfurt.Wenn ihr Fragen zum neuen JVM-Mentoringprogramm habt, schreibt gerne an: youngprofessionals@jungeverlagsmenschen.de

von Taimi Schalle

Selfpublishing gewinnt auf dem Buchmarkt immer weiter an Bedeutung, wurde aber lange vom traditionellen Verlagswesen ignoriert. Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse diskutierten Expertinnen über die sich wandelnde Beziehung.

Der stetig wachsende Anteil der durch Selfpublishing verlegten Bücher am Absatz des deutschen Buchmarktes bringt die Frage nach der zukünftigen Ausrichtung der Branche auf. Patricia Gentner sprach mit Cigdem Aker, Leiterin für Strategie und Integration bei tolino, und Vera Nentwick, Autorin und 1. Vorsitzende des Selfpublisher Verbandes, über die Vorteile und Entwicklungen des Selfpublishings sowie die vermittelnde Rolle des Börsenvereins des deutschen Buchhandels.

So erklären die beiden Frauen vom Fach, dass die Nähe zum Leser und die damit einhergehende Spürnase für Trends den Selfpublishern eine besondere Dynamik gibt. Die Freiheit nach dem Trial-and-Error-Prinzip auch unkonventionelle Titel zu verlegen verleiht ihnen zusätzlich eine hohe Agilität. Mit einem Schmunzeln nennt Frau Nentwick beispielsweise den Trend für Thermo-Mix Bücher, der zuerst durch Selfpublishing Zugang zum Markt fand. Durch solche Erfolge hätte der Buchmarkt langsam begonnen Interesse an der zuvor ignorierten Industrie zu entwickeln. Und man könne ja schließlich noch viel voneinander lernen!

Dieser Annäherungsprozess wird von beiden Rednerinnen mit Begeisterung beobachtet, sie merken aber an, dass es wahrscheinlich am Börsenverein des deutschen Buchhandels liegen wird zwischen beiden Parteien zu vermitteln.

Denn es ist unklar, ob und inwieweit sich die Selfpublishing-Vertriebe in Zukunft Verlagsstrukturen anpassen.

Die gemeinsame Zielsetzung sei jedoch klar darauf ausgelegt, die Leser weiterhin zu begeistern und selbständigen Autoren eine Stimme zu geben.

Konkrete Ansätze gibt es zwar noch keine, doch soll es leichter werden im Selfpublishing herausgegebene Bücher für den deutschen Buchhandel zugänglich zu machen und sich so von Internetriesen wie Amazon unabhängiger zu machen. Denn zurzeit können Autoren hier noch am rentabelsten publizieren, weshalb auch das Angebot für Leser dort am größten ist. Der Buchhandel ist von diesem Geschäft völlig ausgegrenzt, was Frau Aker beispielhaft an einem französischen Buch verdeutlicht. Nachdem es einen wichtigen Preis gewann, war das Interesse groß, doch in einem Buchladen zu kaufen gab es den Titel nie.

Während also die Heterogenität und Experimentierfreude der Selfpublishinglandschaft erhalten bleiben soll, muss zukünftig an einer näheren Zusammenarbeit mit dem Buchmarkt gearbeitet werden. Noch geschehe dies nur zu dessen Konditionen, weshalb der Börsenverein als Mediator vorstellbar wäre. Es ist eine spannende Zeit, in der sich viele Veränderungen abzeichnen und an neuen Infrastrukturen sowohl für Autoren als auch Leser gearbeitet wird.

von Taimi Schalle

Auch am Karrieretag der Leipziger Buchmesse 2019 wurde wieder fleißig über den Berufseinstieg in die Verlagsbranche informiert. Anna-Lena Wingerter sprach dafür mit Clarissa Niermann, Social Media Managerin bei Bilandia, und Thomas Wendt, langjähriger Personalleiter bei Axel Springer. Wir waren dabei und haben euch die wichtigsten Punkte zu Bewerbung und Vorstellungsgespräch zusammengefasst.

DO

Bewerbt euch ruhig auch wenn ihr noch nicht alle Anforderungen der Ausschreibung erfüllt. Es kommt auf eure Kernkompetenzen an. Zeigt stattdessen, dass ihr neugierig und bereit seid Neues zu lernen!

Bewerbung goes digital:

Email und Onlineportale sind die Norm heutiger Bewerbungen. Dazu gehören neben Anschreiben, Lebenslauf und Arbeitszeugnisse auch Links zu Social Media Acounts bei Xing oder LinkedIn.

Legt den Fokus eures Lebenslaufs auf euer Erfahrungen!

Jobs, Praktika oder Auslandsaufenthalte können genauso einen Eindruck über euch geben wie Ehrenämter oder spannende Hobbies. Strukturell helfen Bullet Points dabei, einen besseren Einblick in eure Arbeitserfahrung zu geben.

Ihr habt es bis ins Vorstellungsgespräch geschafft, aber am Schluss sind noch ein paar Dinge unklar. Hier lautet die Devise: 

Stellt Fragen! Das zeigt euer Interesse an Team und Unternehmen.

Und solltet ihr feststellen, die Stelle ist doch nichts für euch, traut euch auch direkt abzusagen und Feedback zu geben.

DON’T

Macht keine falschen Angaben, um Anforderungen zu entsprechen! Seid stattdessen lieber ehrlich und zeigt eure Motivation dazu zu lernen.

Foto im Lebenslauf, ja oder nein? Verzichtet lieber ganz auf ein Bild, wenn es nicht authentisch ist.

Verschickt keine Massenbewerbungen! Eurer Anschreiben sollte auf das Unternehmen abgestimmt sein. Macht die Personaler neugierig auf euch und zeigt eure Engagement, indem ihr zum Beispiel das Motto der Firma einfließen lasst und die korrekten Anreden der Empfänger verwendet.

Flexibel und kreativ? Vermeidet Floskeln

Vermeidet den Inhalt der Jobausschreibung im Anschreiben zu wiederholen. Beweist eure Eigenschaften stattdessen anhand von Erfahrungsbeispielen.

Haltet eurer Anschreiben kurz und prägnant, es sollte nicht länger als eine Seite sein. Ähnliches gilt für den Lebenslauf. Wählt eure relevanten Erfahrungen aus und clustert die Informationen schlau, sodass alles möglichst auf zwei Seiten passt.

von Jasmin Kiechle

Blogs, „Booktube“ und „Bookstagram“ – auf den Social-Media-Kanälen von Tami Fischer (tami), Julia Lotz (Miss Foxy Reads) und Jessica Sieb (Witcherybooks) geht es vor allem um eines: die Leidenschaft für Bücher. Es bleibt zwar nur ein Hobby, denn zwischen der Liebe zum Buch, der Arbeit oder dem Studium müssen häufig Prioritäten gesetzt werden. Für Bücherblogger ist die Zeit noch nicht reif, in der solche Influencer auch von ihrer Arbeit auf YouTube und Co leben können. Weiter schlimm ist es aber nicht, darin sind sich die drei Bücher-Enthusiastinnen einig. Denn es ist die Liebe zum Buch, die für alle drei im Mittelpunkt steht. Booktube ist Tamis bevorzugter Channel; das Filmen und die Arbeit hinter einem Video stehen dort im Vordergrund. Jessi bevorzugt Instagram; die Darstellung von Büchern auf Fotos bereitet ihr Freude. Blogs eignen sich für Julia am besten, da sie einfach gerne schreibt.

Bloggen über Bücher und wie man dahin kommt

Jessis und Julias Weg zum Bücherbloggen verlief ähnlich. In ihrem Freundeskreis gibt es niemanden, der in gleicher Zeit gleich viele Bücher lesen würde, und noch die Zeit findet, über das Gelesene so ausgiebig zu diskutieren. Gleichgesinnte fanden sie schließlich online. Tami hingegen  fand zu den Bücher über Umwege: Ursprünglich wollte sie ihre Abenteuer in Australien filmen, entschloss sich während ihrer Zeit dort dann aber, lieber Bücher zum zentralen Thema ihres Kanals zu machen. Alle drei wählten für ihre Kanäle erst Pseudonyme, inzwischen nutzen aber ihre wirklichen Namen.

Die Bücher-Community im Netz

Die Social-Media-Plattformen ermöglichen den Austausch mit den eigenen Followern. Innerhalb der Bücher-Community kann man sich mit Gleichgesinnten austauschen und neuen Lesestoff finden. Die Onlineplattformen sind überdies für Verleger so wertvoll, weil sie dort unmittelbare Einblicke bekommen, was sich die Leser wünschen. Diversität und Repräsentation sind wichtige Stichworte. Blogger mit großer Reichweite können so direkt auf Verleger einwirken und die Entstehung von Büchern beeinflussen.

Freud und Leid des Bloggen

Als erfolgreiche Bücher-Bloggerinnen haben Tami, Julia und Jessi Kontakt zu unterschiedlichen Verlagen. So fordern sie etwa Rezensionsexemplare an, werden aber auch selbst von Verlagen oder Self-Publishern angeschrieben. Ob ein Buch dann auch auf dem Blog landet, entscheidet oft die Kommunikation mit dem jeweiligen Gegenüber. Manche Verleger nehmen Influencer nicht ernst genug, man erhält unpersonalisierte Mails oder wird mit dem falschen Namen angesprochen. Allen dreien ist es aber wichtig, als Mensch und nicht nur als günstige Werbemethode gesehen zu werden. Den drei Bloggern ist es insbesondere wichtig, für das, was sie posten auch zu stehen und ehrlich zu teilen, wofür sie sich begeistern.

von Jasmin Kiechle

Marah Woolf, Greg Walters, Mira Valentin und Thorsten Simon berichtet ihren Erfahrungen und geben Tipps für das Entwickeln und Schreiben fantastischer Welten und Geschichten.

Fantasyromane erlauben den Lesern, aus dem Alltag zu entfliehen und in eine Welt der Magie einzutauchen. Die Spannbreite ist grenzenlos: In der Urban Fantasy tritt man in eine alternative Version der realen Welt ein, in der High Fantasy gleich in eine gänzlich neue Welt. Die Quellen der Inspiration sind vielseitig – historische Begebenheiten und Texte aber auch aktuelle Phänomene können der erste Anstoß zum Roman sein. Sowohl Marah als auch Greg unterrichten Geschichte und beziehen die Inspiration für ihre Romane aus dem Fachwissen. Mira besucht gerne Mittelaltermärkte, um erste Ideen zu finden und dann zu recherchieren.

Gut geplant, ist halb (das Herz der Leser) gewonnen

Die Autoren sind sich darin einig, dass sie nicht zu viel von der Geschichte im Voraus planen. Mira betont aber, dass es besonders wichtig sei, dass aber etwa Features wie Magie immer auch sinnvoll in die Geschichte einfügen.

Was im Voraus geplant wird, sind die Charaktere. Insbesondere die Hauptcharaktere müssen vorab skizziert und charakterisiert sein. Doch nicht nur die Protagonisten das Herz der Leser gewinnen – oftmals sind es gerade auch die Nebencharaktere, die dem Publikum ans Herz wachsen und später teilweise noch eigene Spin Offs bekommen. Gerade beim Entwickeln von Charakteren ist es laut Mira wichtig, mit Klischees zu spielen und diese bewusst zu verwenden, aber auch in Frage zu stellen.

Doch nicht nur die Geschichte ist wichtig, sondern auch die Wahl des Covers. Leser werden angelockt und erhalten einen ersten Eindruck vom Buch und bauen Erwartungen an den Inhalt auf. Das Cover kann schon auch als Visitenkarte eines Romans gesehen werden.

Interaktionen und Dialog erzeugen Reichweite

Abschließend sprachen die drei Autoren über Sichtbarkeit und die Verbindung zum Leser. Sie sind sich einig: Der Kontakt zum Leser ist wichtig und schafft Reichweite. Der Kontakt zu anderen Bloggern und die Interaktion mit dem Leser sind ebenfalls relevant.  Aber auch der Kontakt zu Autorenkollegen sollte gepflegt werden. Denn eine Kooperation mit anderen Autoren kann zu viel mehr führen als Konkurrenz. Neben Autorengruppen oder gelegentlichen Zusammenarbeiten gibt es aber noch viele weitere Möglichkeiten der Kooperationen. T

Sophie Passmann gibt mit Alte weiße Männer – Ein Schlichtungsversuch ihr Buchdebüt

von Claudia große Siemer

Um ihr rosarotes Buch kommt man als eingefleischter Literaturnerd auf der Leipziger Buchmesse 2019 nicht herum. Die Autorin und Radiomoderatorin Sophie Passmann gilt als neue Hoffnung des Feminismus und wird von einer Schar von Fans verfolgt. Man könnte auch von einer PassManie sprechen. Der Hype um ihr Buch ist fast grenzenlos. Auf der taz-Couch der Leipziger Buchmesse stellt Passmann sich der Kritik zu ihrem Debüt Alte weiße Männer – Ein Schlichtungsversuch stellt.

(c) Claudia große Siemer

Mit markigen Sätzen versucht Moderator Peter Unfried sie aus der Reserve zu locken. ‚Harmlos wie ein Sektfrühstück‘ (07.03.2019) lautet ein Verriss ihres Buches in der taz-Zeitung. Mit beeindruckender Souveränität geht die 25-jährige darauf ein und wehrt die Kritik wortgewandt ab. Fakt ist aber, dass die junge Autorin eine fragliche Methodik für ihr Buch anwendet – ein Punkt, den die taz-Journalistin Nadia Shehadeh herausarbeitet. Dort heißt es:

„Mit der plumpen Idee loszumarschieren, es gebe einen Prototypen „alter weißer Mann“, und diesen Typus erfüllt dann eigentlich keiner (…) ist an Bräsigkeit kaum zu überbieten.“

Vielleicht darf man Passmanns Buch jedoch nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit und logischer Stringenz lesen. Es wäre vielleicht enttäuschend. Unterhaltsam und vergnüglich ist Alte, weiße Männer auf jeden Fall. Wenn Passmann ihren Typus Mann mit dem „Delfin im Thunfischsalat“ vergleicht, so ist das nicht nur komisch, sondern auch ziemlich originell. Als Autorin für Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale hat sie zweifelsohne ihr Handwerk in puncto Sprachspiel- und witz gelernt.

Es wundert mich nicht, dass nach der Diskussion am Signiertisch eine Horde Fans Passmann auflauert. Ich bin eine von ihnen, halte mich aber dezent zurück. Als ich an der Reihe bin und mein Buchexemplar von Alte weiße Männer auf den Tisch lege, geschieht etwas Unverhofftes. „Uuups – Sorry!“, sagt Passmann etwas beschämt, aber mit einem Lachen. Kein Problem, denke ich und erwidere augenzwinkernd: „Das steigert doch nur den Wert meines Exemplars.“ Ich blicke auf den winzigen Fleck auf der ersten Seite meiner Ausgabe. Besonders hübsch finde ich es, wie sie nun einen kleinen Pfeil hinzumalt. So wüsste ich von nun an immer, wo ihre Spucke das Blatt traf. Ich bin ein wenig stolz über diese individuelle Widmung. Wer kann schon von sich behaupten, ein Buch zu besitzen, welches eine der humorvollsten Feministinnen des Landes mit ihrer Speichel-DNA signiert hat? In jenem Moment fantasiere ich, wie mein Exemplar in 50 Jahren in einem Auktionshaus versteigert wird. Es könnte durchaus sehr gewinnbringend für mich sein, überlege ich mir. Aber eigentlich hat das auch so einen Alter-weißer-Mann-Charakter…