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von Antje Hartmann

Anfang März haben sich die Jungen Verlagsmenschen Hamburg am Hafen zusammengefunden und waren zu Gast bei der Edel Verlagsgruppe. Mit Blick auf die Elbe haben wir in einer kleinen Runde den Rechtsanwalt Tilman Winterling besucht, der uns etwas über Verlags- und Bildrecht erzählt hat.

In seinem Vortrag hat er den JVM einen Überblick über Texte und Bilder und allen damit zusammenhängenden Rechten und Stolpersteinen in der Welt der Paragraphen gegeben.

Was ist eigentlich das Urheberrecht?

So haben wir mit den Basics angefangen, was denn eigentlich das Urheberrecht umfasst. Slogans und ‘reine Gebrauchstexte’ wie z.B. Anleitungen für Geräte fallen nicht darunter, aber schon kurze Texte unterliegen dem Schutz. Eines der kürzesten Wortspiele, welches gerne als Beispiel genutzt wird, wenn es um schützenswerte Texte geht, ist das folgende Zitat von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“.

Noch anschaulicher wurde das Urheberschutzgesetz mit Blick auf die Übersetzungssoftware DeepL. Übersetzungen, die mit solchen Tools gemacht werden, sind ein rechtsfreier Raum. Denn nur Menschen können UrheberInnen sein. Was dann wohl in ein paar Jahrzehnten gilt, wenn durch Künstliche Intelligenz gedichtet wird?

Doch nicht nur Texte, auch gewisse Romanfiguren sind mittlerweile solch eigenständige ‘Werke’, sodass sie als geschützt angesehen werden, darunter z.B. Pumuckl oder Pippi Langstrumpf.

Bilder und Urheberrechtsschutz

Neben Texten sind auch Bilder dem Urheberschutz unterstellt. Gerade hier gibt es einiges zu beachten. Es fängt bereits damit an, dass zwischen Lichtbildern und Lichtbildwerken unterschieden wird. Lichtbilder sind z.B. Schnappschüsse wie Handyfotos, Selfies etc. Hier gilt ein Urheberrecht von 50 Jahren. Lichtbildwerke hingegen sind 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers oder der Urheberin geschützt. Hierzu zählen Serien von Bildern und Bilder, die an ausgeleuchteten Settings oder einfach aufwendig produziert wurden.

Als Grundregel kann man sich merken: „Bei Bildern muss man (fast) immer davon ausgehen, dass sie geschützt sind.“ Das ist natürlich besonders in der Buchbranche wichtig, wenn es um den Abdruck von Fotos oder Bildern in Büchern geht oder auch bei Covern, Autorenfotos etc. Den Urheber oder die Urheberin zu nennen, reicht allein nicht aus, er oder sie muss vor der Nutzung für den eigenen Gebrauch gefragt werden. Wird der Urheber oder Urheberin lediglich genannt, ist das gut gemeint, es ändert vor dem Gericht aber nur die Summe des Schadenersatzes. Auch bei einer Nutzung im online- oder offline-Bereich wird kein Unterschied gemacht, das Recht greift immer. Also lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig fragen!

Bei „schöpferischem Gemeingut“, wie es bei cc-Lizenzen vorkommt (z.B. Wikipedia-Bilder) gibt es gewisse Auflagen, unter denen die Bilder genutzt werden können. Solche Auflagen sind z.B. Namensnennung des Urhebers oder der Urheberin, keine Bildbearbeitung, nur nicht-kommerzielle Nutzung.

Nutzungsrechte – vertraglich regeln

Sogenannte „andere Freigaben durch Urheber“ werden in den verschiedenen Vertragstypen festgehalten, z.B. Verlagsvertrag, Herausgebervertrag, Fotografenvertrag, Übersetzervertrag etc.

Einen Normvertrag für einen Verlagsvertrag kann man online finden. Im Wesentlichen besteht dieser aus den folgenden Bausteinen:

  • Vertragsgegenstand (das Werk, um das es geht)
  • Rechteeinräumung (räumlich, inhaltlich, zeitlich begrenzte Nutzung)
  • Garantie (Autor als Urheber, Rechteverletzungen Dritter werden ausgeschlossen)
  • Autoren-/Verlagspflichten
  • Spezialregelungen (Nebenrechteverwertung, Lieferbarkeit/ Neuauflagen, Ramsch & Makulierung, Rezensionen, Änderungen der Eigentums- und Programmstrukturen)

Bei weiteren Fragen…

Dadurch, dass wir eine bunt gemischte Gruppe aus Vertrieb, Lektorat, Agentur/ Lizenzabteilung und Marketing/ Social Media waren, sind einige Fragen zusammengekommen. Von Gewinnspielen bei Facebook, Bildnutzung bei Instagram bis hin zu spezifischer Vertragsauflösung. Tilman Winterling stand uns Rede und Antwort und kann gern auch künftig kontaktiert werden, wenn weitere Fragen zum Urheberrecht auftauchen. Sein Vortrag mit anschließender Diskussion war ein guter Einblick in die Welt des Vertragsrechts, die doch oft komplizierter ist, als sie auf den ersten Blick scheint.

Kontakt

Tilman Winterling, Rechtsanwalt bei Gutsch & Schlegel: twinterling@g-s-legal.com

Dass Tilman nicht nur im juristischen Urwald zu Hause ist, sondern auf verschiedensten Plattformen und in der Literaturszene, seht ihr hier: https://tilman-winterling.de/ oder auch auf der Seite des Magazins 54Books: https://www.54books.de/

von Antje Hartmann, Städtegruppenleitung JVM Hamburg

Nach dem Blick über den Tellerrand mit dem Besuch bei Dropbox im November, sind die JVM Hamburg mit einem ebenso spannenden Unternehmenseinblick in die neuen 20er Jahre gestartet: Am 21. Januar waren wir mit zwölf neugierigen JVM bei Rocket Beans TV zu Gast. Auf den ersten Blick also auch kein Verlag, Buchladen oder eine Druckerei, sondern ein riesiger Kreativpool, der sich über gleich drei Häuser in der Hamburger Schanze erstreckt, die miteinander verbunden sind.

Durch dieses Labyrinth hat uns auf beste Weise Lisa Handirk, Assistentin der Geschäftsführung und als Pressesprecherin u.a. für den Newsletter und Blog Verantwortliche, geführt. Aber die Begrüßung fand erstmal im ehemaligen Kaminzimmer statt. Wie eine Art gemütliches Kamingespräch ging es los, als wir uns gegenseitig erst einmal vorgestellt haben. Wie sich herausstellte, kannte Lisa die JVM bereits, da sie selbst einmal Mitglied war und die Jahrestreffen besucht hat. Nach dem Studium in Münster, einem Volontariat und Lektoratsarbeit in einem dortigen Verlag, ist sie 2016 zu den Rocket Beans gestoßen. Dadurch ließen sich im Laufe des Abends auch einige Parallelen zur Verlagsbranche ziehen. Die Frankfurter Buchmesse als wichtigste Branchenveranstaltung bei uns ist für die KollegInnen von Rocket Beans z.B. die Games Con in Köln, auf der sie fast eine Woche lang Programm von einer Bühne senden und einen Merchandising-Stand betreuen.

Über Rocket Beans TV

Die Rocket Beans wurden 2011 von Budi, Etienne, Arno, Nils und Simon gegründet – der Name des Senders kommt nicht von ungefähr, wenn man sich die Gründernamen anschaut… 😉 Sie beschreiben sich selbst auf ihrer Website wie folgt:

Rocket Beans ist Produzent von Entertainment-Shows. Unterhaltung rund ums Spielen in allen Facetten zeichnet das Programm aus. Videospiele sind Kernkompetenz und erste Liebe. Aber auch Themenfelder wie Film, Quiz, Sport oder Kochen werden im Rocket-Beans-Style interpretiert.

https://rocketbeans.tv/ueber-rbtv

Und auch die Vision der ‘Bohnen’ ist klar definiert:

Gemeinsam bauen wir den bedeutendsten Raum für Spiel- und Popkultur-Begeisterte, in dem frei experimentiert werden kann. Hier entwickeln wir nach unseren eigenen Spielregeln Ideen und schaffen inspirierende Unterhaltung.

https://rocketbeans.tv/ueber-rbtv

Die Geschichte

Die Geschichte des Unternehmens geht eigentlich noch weiter zurück, nämlich bis ins Jahr 2000. Damals gab es noch die Sendung Game One für Videospiele, an der einige der Gründer bereits beteiligt waren. 2006 lief Game One dann auf MTV, woraus das heutige Unternehmen entwickelt und weiter ausgebaut wurde. 2012 haben sie auf YouTube einen eigenen Kanal eingerichtet. d.h. es liefen Sendungen wie KinoPlus und weitere Talkformate unter dem Label Rocket Beans TV. Die folgenden Jahre kamen weitere Anbieter wie twitch oder waipu.tv. Das Besondere an Rocket Beans TV ist ein Streamingprogramm, welches 24/7 verfügbar ist. Dieses wurde in einer Zusammenarbeit mit twitch im Jahr 2015 eingeführt. Somit verwundert es nicht, dass der Erfolg anhält und mittlerweile das 5-jährige Jubiläum gefeiert wurde.

Die Unternehmensstruktur

Das Programm wird natürlich nicht allein von den Gründern und Geschäftsführern gestaltet. Die anfänglich überschaubare Mitarbeiterzahl ist mittlerweile auf über 100 MitarbeiterInnen mit einem Durchschnittsalter von 31 Jahren angewachsen. Neben den etwa 20-25 RedakteurInnen für die vielen verschiedenen Formate gibt es ein Marketing- und Sales-Team, eine Personalabteilung, zwei Regien, Kameramänner und Production. Für das Folgeformat des damaligen Programms Game One – Game Two – welches sich aufs Radio konzentriert, gibt es ebenfalls ein eigenes Team.

Es handelt sich bei den Rocket Beans also wirklich um ein vielfältiges, junges Unternehmen, das sich als Produktionsfirma, Publisher, Kreativschmiede, Sender und Plattform versteht. Sie produzieren neben dem Online-Content auch Live-Shows und Events, bieten Raum für Popkultur, Experimente und inspirierende Unterhaltung wie z.B. mit der Show „Haus an Haus“, bei der zwei Teams 24 Stunden lang in verschiedensten Spielen gegeneinander antreten. Die Interaktion mit den Zuschauern ist die Stärke der ‘Bohnen’, denn mit Chats und Features zum Abstimmen, können die Zuschauer direkt am Programm teilnehmen. Das ist laut Lisa auch ein Teil des Erfolgsgeheimnisses: Rocket Beans verbindet die Leute! Ein weiteres gutes Beispiel dafür ist das Format „Pen & Paper“, bei dem fünf Leute an einem Tisch sitzen und gemeinsam in fiktiven Welten Rollenspiele bestreiten.

Mit ihr steht und fällt alles: die rbtv Community

Die tiefe Verbundenheit der Zuschauer zu Rocket Beans TV drückt sich in einer treuen Community aus. Die Räume sind mit jeder Menge witziger Fanart ausgestattet, die diesen Gemeinschaftssinn spürbar macht. Teilweise tätowieren sich die Fans schon das Raketen-Logo, es werden Fahnen gebastelt und Babys in das Logo gekleidet. Auch seitens der Fans sind der Kreativität also keine Grenzen gesetzt.

Von unseren JVM-TeilnehmerInnen kannten die meisten mindestens eine Show oder das Vorgängerformat Game One bereits, für manche war es aber komplettes Neuland. Somit war die Präsentation von Lisa auch mit ein paar Zahlen gespickt, die beeindrucken:

Die Zielgruppe besteht zu 80% aus 21-30-jährigen Zuschauen, davon 92% aus Deutschland, 2% aus der Schweiz und 5% aus Österreich. Die Geschlechterverteilung spiegelt wohl den Gaming-Charakter wieder: 15% sind weiblich und 85% männlich. Die Reichweite beträgt bei YouTube über 1,3 Mio. Abonnenten und im Schnitt gibt es 11 Mio. Views pro Monat, bei twitch sind es 400.000 Follower und 4 Mio. Views pro Monat. Mit ca. 1,5 Mio. Watched Hours pro Woche zeigt sich ebenfalls die große Reichweite von Rocket Beans TV.

Money or no money – die Finanzierung

Und wie finanziert sich das Ganze? Eine Frage, die immer wieder gestellt wird und auch bei uns aufkam. Zehn Prozent der Umsätze generieren sich durch Werbung (z.B. via YouTube). Dann gibt es noch den Rocket Beans Supporters Club mit aktuell ca. 10.000 Mitgliedern, die regelmäßig direkt Geld spenden. Affiliate Links, Ticketverkäufe für Live-Events oder auch Merchandise und das Modelabel rktbns tragen zur Finanzierung bei. Doch neben diesen Community-basierten Einkünften gibt es auch die klassischen Vermarktungsschienen: Content Distribution, Werbepausen-Einbuchungen, Product Placement, Format-Sponsoring und teils auch Auftragsproduktionen oder Branded Content, bei dem z.B. ein adobe-Produkt in einer Sendung vorgestellt wird.

Damit die täglichen sechs bis zehn Stunden Live-Content gesendet werden können und auch die aufgezeichneten Shows online gehen (die Inhalte teilen sich wie folgt auf: 30 % Livestream und 70 % Video-on-Demand), gehört also eine ganz schöne Struktur und Organisation hinter den Kulissen dazu. Im Gegensatz zu klassischen TV-Sendern können dadurch viele verschiedene Formate zu verschiedenen Zeiten gesendet werden, die so viele neue Inhalte pro Tag produzieren wie es im TV schlicht nicht möglich ist. Während unseres Rundgangs wurden auch Sendungen aufgezeichnet und bei den Besuchen der verschiedenen, gerade nicht belegten Studios (Bitte nicht leise sein!), Büroräumen und Open Work Spaces haben wir den ein oder anderen Producer, Kameramann und auch die Requisiteurin kennengelernt.

Die Freude und Freiheit am Arbeitsplatz stand allen ins Gesicht geschrieben. Es wurde mehr als deutlich, dass jede und jeder die eigene Kreativität entfalten kann und soll. Manchmal werden auch neue Ideen, Spiele, Formate getestet und wenn es dann am Ende in seltenen Fällen doch nicht funktioniert, dann haben sie es wenigstens probiert. Und schon geht’s weiter mit neuen Ideen.

Blick zur Buchbranche

Um wieder den Bogen zur Verlagsbranche zu spannen, hat gerade uns JVM natürlich interessiert, was es sonst noch für Jobs bei den Rocket Beans gibt oder wie man dort einsteigen kann. Es wird nämlich auch ausgebildet und neben PraktikantInnen, die ein Pflichtpraktikum erfüllen, kann man bei Rocket Beans ein Volontariat in der Redaktion oder eine Ausbildung als Kauffrau/Kaufmann für audiovisuelle Medien absolvieren. Daneben gibt es auch Kooperationen und Praxisprojekte z.B. mit der Hamburg Media School.

Es gab sogar schon mal ein Buchclub-Format, welches allerdings nur selten lief, da leider die Zeit zur Vorbereitung (ergo zum Lesen) fehlte. Aber auch Quizsendungen zu Harry Potter oder ein Kalender in Zusammenarbeit mit dem Lappan Verlag sind schon unter dem Dach der Rocket Beans entstanden. Besonders begehrt sind die verschiedenen Pen & Paper-Regelwerke nebst Erweiterungen.

Wer sucht, der findet also auch die Schnittstellen zur Verlagsbranche. Und eines haben wir auf jeden Fall mit den ‘Bohnen’ gemeinsam: Kreativität und Ideenpool sowie inspirierende Unterhaltung schaffen, das wollen wir auch mit Büchern erreichen!

Die Rocket Beans können auch von anderen Gruppen besucht werden. Es werden Führungen angeboten und wenn ihr Fragen habt, könnt ihr Euch auch gerne bei Lisa Handirk melden: lisa@rocketbeans.de

Viel Spaß beim Reinklicken und Durchstöbern, aber Vorsicht: Suchtgefahr!! 🙂

von Antje Hartmann, Städtegruppenleitung JVM Hamburg

Ende November waren die JVM Hamburg in neuen Fahrwassern unterwegs. Will heißen, dass wir dieses Mal nicht etwa einen Verlag oder eine Zeitungsredaktion besucht haben, sondern ein großes Tech-Unternehmen, das auf den ersten Blick vielleicht nicht so viel mit der Buchbranche zu tun hat: Dropbox! Vielen ist Dropbox ein Begriff in Sachen Online-Datenplattform, aber dass das Unternehmen einen viel umfangreicheren Service anbietet, haben wir am 25. November 2019 mit einer Gruppe von elf neugierigen Hamburger Junge Verlagsmenschen herausgefunden.

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