Beiträge

von Johanna Kasischke

Mit ihrem neuen Buch Aufschrei der Meere“, welches sie zusammen mit Hannes Jaenicke geschrieben hat, war die Autorin Dr. Ina Knobloch zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse. Sie ist promovierte Biologin, widmet sich voll und ganz dem Naturschutz, filmt und schreibt. Für ARD, ZDF und arte hat sie diverse Dokumentationen und Fernsehbeiträge produziert. 

In ihrem neuen Buch geht es um unsere Meere, wie bedroht sie sind und wie wir sie schützen können und müssen.

Die Autorin ist der Meinung, ohne Meer sterbe der Mensch. Der Plastikmüll tötet Meeresbewohner, der Klimawandel zerstört ganze Korallenriffe, zahlreiche Umweltsünden bedrohen unsere Meere. Mit ihrem Buch möchte sie die Wachgerüttelten Menschen erreichen. Diejenigen, die den Klimawandel schon realisiert haben. Mit ihrem Buch möchte sie diesen Menschen eine Möglichkeit bieten, sich vernünftig zu informieren und bietet dazu auch Lösungen an. 

In dem Gespräch mit der Autorin erfahren wir, was sie unter „Grünem Journalismus“ versteht. Es geht ihr zum einen darum, über die Themen zu schreiben, zum anderen aber auch darum, danach zu leben. Es geht dabei um Glaubhaftigkeit. 

Eine zentrale Aussage: „Die Natur braucht die Menschheit nicht, aber die Menschheit braucht die Natur.“ Aus diesem Grund ist es ihr so wichtig, dass wir die Umwelt schützen. Mit den Meeren möchte sie anfangen. 

Als Journalistin steht sie natürlich auch vor Herausforderungen. Es ist schwierig Themen vollständig verstehen zu können. Ihr Wunsch: Auch Wissenschaftler als Berichterstatter einzusetzen. Denn diese haben oftmals ein besseres Verständnis von der Thematik.

Ihr Plädoyer für das Buch: „Wir haben noch nicht mal ansatzweise verstanden, wie das Meer funktioniert.“ Aus diesem Grund möchte sie mit ihrem Buch die Botschaft verbreiten, dass die Ozeane dringend schutzbedürftig sind.

Zum Schluss verrät die Autorin uns noch, dass ein ähnliches Buchprojekt in Planung sei. Es solle dabei um unsere Wälder gehen. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

Insgesamt fand ich die Veranstaltung sehr interessant. Mir hat sehr gut gefallen, dass die Autorin die Fragen sehr ausführlich beantwortet hat und dabei auch immer wieder auf das Problem hingewiesen hat. Sehr gefreut hat mich, dass das Buch zwar Thema war, der „Grüne Journalismus“ jedoch auf jeden Fall im Mittelpunkt stand.  


Artikel verfasst von Johanna Kasischke im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

von Alina Schmidt

Man hört heutzutage oft, dass immer weniger und vor allem kaum junge Menschen lesen. Doch schaute man sich in den Buchläden und auch auf der Frankfurter Buchmesse um, schien das ein Irrtum zu sein. Auch bei der Veranstaltung “How to Bookstagram” am Messesamstag, dem 20. Oktober 2019, waren vor allem junge Leute anwesend. Auf dem Podium waren fünf Bookstagrammer*innen und Booktuber*innen versammelt, die ein paar Tipps zum Beginnen eines Bookstagram-Accounts gegeben haben.

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von Anika Andreßen

Der Gastlandpavillon

Nüchtern und kühl wirkte er, der Pavillon des diesjährigen Ehrengastlandes Norwegen auf der Frankfurter Buchmesse. Die Decke unverkleidet, der Blick auf den Balkon des Forums freigelegt, die Seitenwände vollständig mit Spiegeln ausgestattet, die den ersten von zwei Räumen noch größer und irgendwie leerer erscheinen ließen. Doch wer dachte, dem Pavillon auf den einen Blick alle Geheimnisse entlocken zu können, täuschte sich. Es gab mehr zu entdecken, als zunächst angenommen.

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von Anika Andreßen

„Der Traum in uns“
Das ist der Traum

Das ist der Traum, den wir tragen,
dass etwas Wunderbares geschieht,
geschehen muss –
dass die Zeit sich öffnet,
dass das Herz sich öffnet,
dass Türen sich öffnen,
dass der Berg sich öffnet,
dass Quellen springen –
dass der Traum sich öffnet,
dass wir in einer Morgenstunde gleiten
in eine Bucht, um die wir nicht wussten.

Olav H. Hauge (Übersetzung Klaus Anders)

Mit den Worten „Der Traum in uns“ präsentierte sich Norwegen in diesem Jahr als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Das Motto geht auf ein Gedicht des norwegischen Autors Olav H. Hauge (1908-1994) zurück und wurde von den Leser*innen und Zuschauer*innen des norwegischen Senders NRK 2016 zum bedeutendsten norwegischen Gedicht aller Zeiten gewählt. Das skandinavische Land mit seinen rund 5,3 Millionen Einwohnern präsentierte 2019 ein umfangreiches Literatur- und Kulturprogramm im gesamten deutschsprachigen Raum, erzählte Geschichten aus der Heimat, entführte das Publikum an unbekannte Orte und brach eine Lanze für die Meinungsfreiheit, die in der politischen Kultur Norwegens von höchster Bedeutung ist. Daneben lag ein Fokus auf den Themen Natur und Umwelt, Feminismus und Gleichberechtigung, modernes Familienleben, Vielfalt und Identität in einem sich wandelnden Europa sowie auf der Literatur und Kultur der Sápmi, dem Siedlungsgebiet und Kulturraum der Samen.

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von Claudia Holzapfel

Künstliche Intelligenz ist laut Frau Prof. Dr. Katharina Zweig, jede Software, die, wenn sie ein Mensch wäre, eine gewisse Intelligenz voraussetzen würde und unter Fachleuten, sowie unter Laien sehr umstritten. In unserer heutigen Gesellschaft, in der moderne Technologie eine immer wichtigere Rolle spielt, ist es allerdings wichtig, über KI-Software und damit ihre Vorteile und Gefahren zu sprechen. 

An der Diskussionsrunde am Messesonntag mit dem Titel „Ethik der Algorithmen– Wie rassistisch können Maschinen sein?“ beteiligten sich neben der Informatikerin Frau Prof. Zweig auch der katholische Theologe Prof. Alexander Filipović und, als Moderator, Alexander Armbruster, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Laut Armbruster ist Künstliche Intelligenz für die meisten von uns alltäglich, denn die Algorithmen stecken unter anderem hinter Suchergebnissen in Suchmaschinen im Internet, Angeboten auf Medienplattformen und Shopping-Seiten und in Schachcomputern und das oft schon seit Jahrzehnten.

Wenn es allerdings darum geht, dass solche Maschinen über das Schicksal von Menschen entscheiden, dann werden viele von uns vorsichtig; zu Recht, meinte auch Alexander Filipović. Algorithmen sind zwar von sich aus neutral, allerdings „lernen“ sie aus der Vergangenheit und sind demnach dazu vorprogrammiert, Fehler aus der Vergangenheit zu wiederholen. Frau Prof. Dr. Zweig stimmte ihm zu und ergänzte, dass fehlerhafte und inakkurate Ergebnisse dadurch entstehen, dass die zugrundeliegenden Datensätze nicht vollständig sind. Laut dem Theologen Filipović sind Künstliche Intelligenzsysteme, trotz des Namens, nicht wirklich „intelligent“, sondern benutzen reine Statistik um aufgrund einer bestimmten Datenmenge Vorhersagen zu tätigen. Frau Prof. Dr. Zweig ergänzte, dass die meisten Datenbanken zum Beispiel viel zu wenig Daten über Frauen enthalten, wodurch die Entscheidungen der Algorithmen aufgrund dieser Daten automatisch diskriminieren.

„Eine Maschine hat kein Gefühl für moralische Probleme.“

Prof. Alexander Filipović

Manche Entscheidungen, da waren sich die TeilnehmerInnen, sowie die ZuschauerInnen der Diskussionsrunde einig, sollten, auch in Zukunft, von Menschen getroffen werden. „Eine Maschine hat kein Gefühl für moralische Probleme“ betonte Alexander Filipović. In den USA werden zum Beispiel solche Entscheidungssysteme als Grundlage für die Entscheidung genutzt, ob Häftlinge vorzeitig aus der Haft entlassen werden sollten oder nicht. Ethik, kulturelle Diversität und menschliche Gefühle wie Mitgefühl und Gnade können von Algorithmen nicht mit einbezogen werden, sind aber bei Entscheidungen wie in diesem Beispiel unerlässlich. Außerdem lernen wir Menschen ständig dazu und ändern damit stetig unsere Entscheidungsgrundlage. Bei Künstlichen Intelligenzsystemen, so erklärt die Informatikerin Prof. Dr. Zweig, lässt sich die Datengrundlage nachträglich nicht mehr ändern.

Das Fazit der Diskussionsrunde am Messesonntag war, dass es im Umgang mit Künstlicher Intelligenz noch viel zu lernen gibt. Solche Algorithmen sind nicht alternativlos und man sollte sich nicht kritiklos auf sie verlassen, egal in welchem Zusammenhang, beziehungsweise welcher Branche.


Artikel verfasst von Claudia Holzapfel im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

von Claudia Holzapfel

Diversität in Romane integrieren ist wichtig, aber wie macht man es richtig, besonders wenn man selbst nicht zu einer der marginalisierten Gruppen gehört, über die man schreibt? Diese Fragestellung ist sicher nicht nur für junge Autorinnen und Autoren interessant. Victoria Linnea arbeitet als Schreibcoach für sensitivityreading.de in Berlin. In der Diskussionsrunde mit dem Titel „Darf ich das so schreiben? – Diversität in Romanen“ am Messesamstag betonte sie, dass beim Thema Diversität die Recherche genauso wichtig sei wie bei jedem anderen Aspekt des Schreibprozesses.

Sogenannte Sensitivity Reader wie Victoria Linnea bieten einen Lektorats-Service an, der sich mit der korrekten Repräsentation von marginalisierten Gruppen in Romanmanuskripten beschäftigt. In diesem Zusammenhang, also wenn es darum geht, Diskriminierungen zu vermeiden, hört man ja leider immer wieder Aussagen wie: „Dann darf ich ja gar nichts mehr schreiben“. Diesem Vorurteil widersprach Linnea: „Man braucht diskriminierende Wörter nicht um sich auszudrücken!“ Schließlich erfänden Autorinnen und Autoren ganze Welten, da sollte es nicht so schwierig sein, Synonyme für diese Worte zu finden.

Mit an der Diskussionsrunde beteiligt, die von Thorsten Simon moderiert wurde, war die Autorin Alexandra Schwarting. In Ihrem Roman Auf Drei Beinen ins Glück, hat die Hauptfigur Ole einen Unterschenkel verloren. Schwarting drückte ihre große Bewunderung für Menschen mit einem solchen oder einem ähnlichen Handicap aus. Sie legte außerdem jedem, der vorhat einen Roman mit einem diversen Cast an Figuren zu verfassen nahe, mit betroffenen Menschen zu sprechen, anstatt nur über sie zu sprechen, beziehungsweise zu schreiben. Das koste natürlich Überwindung, sei aber sehr wichtig, um Fehler und Ungenauigkeiten zu vermeiden. In ihren Romanen versucht Alexandra Schwarting Klischees zu benutzen, um mit ihnen zu brechen.

Die Runde komplett machte Annika von Redwitz, Expertin für Diversity Management Consulting, die erklärte, dass Diskriminierung entsteht, weil eine Mehrheit Angst davor hat, ihre Privilegien zu verlieren. Sie hob hervor, dass wir alle bewusste und vor allem unbewusste Vorurteile haben, es aber wichtig sei, Menschen bewusst zu machen, dass sie diese Vorurteile hätten. Davon abgesehen sei es wichtig, Minderheiten sichtbar zu machen sowie Begegnungen zwischen Menschen möglich zu machen und dadurch Empathie zu stärken.

Abschließend hob Schreibcoach Victoria Linnea noch mal hervor, dass es sinnvoll sei, das ganze Manuskript von einem Sensitivity Reader lesen zu lassen, um unfreiwillige Diskriminierung zu verhindern. Grundsätzlich sei unsere Welt nun mal divers und das sollte sich idealerweise auch in der Literatur widerspiegeln.


Artikel verfasst von Claudia Holzapfel im Rahmen der JVM-MessereporterInnen in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.