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von Antje Hartmann

Unsere Reihe „JVM meet“ der JVM Hamburg ging am 13. Mai 2019 in eine zweite Runde. Dieses Mal haben sie Besuch einer der bekanntesten Illustratorinnen Deutschlands gehabt: Katrin Engelking.

Den meisten dürfte sie bekannt sein als Illustratorin der „modernen“ Pippi Langstrumpf. Für die Oetinger Verlagsgruppe hat sie die Kinderbücher von Astrid Lindgren illustriert, Kirsten Boies Möwenweg-Geschichten und viele weitere Kinderbücher wurden durch ihre Zeichnungen gestaltet. An diesem Abend hat Katrin Engelking uns mithilfe einiger Bilder aus ihrer Werkstatt, die sich in ihrem Haus in Hamburg befindet, ihre Arbeit als Illustratorin näher gebracht.

Schon als Kind hat Katrin gerne gemalt und durch ihr Vorbild Jutta Bauer hat sie erfahren, dass man so etwas wie Illustration auch studieren kann. Da stand schnell der Berufswunsch fest und so ging es für Katrin vom beschaulichen Bückeburg in Niedersachsen nach Hamburg, wo sie in den 1990er Jahren Grafik-Design mit Schwerpunkt Illustration studiert hat. Während des Studiums hat sie sich am Anfang erstmal mit Sachbuchillustration beschäftigt, später kam die fiktionale Kinderbuchillustration dazu. So kam es, dass bei einer Jahresausstellung der Uni ein erstes eigenes Buch entstanden ist: „Anne im Tal der tausend Tropfen“ (Ravensburger Verlag). Neben Fleiß und gutem Studium kam noch eine Prise Glück hinzu und so hat Katrin bereits neben dem Studium ihren 1. Auftrag beim Oetinger Verlag bekommen.

Katrin hat seitdem für diverse Verlage gearbeitet (Ravensburger, Hanser, cbj u.a.) und auch mit der KIBUM, der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse zusammengearbeitet. Letztere hat ein Porträt über Katrin Engelking und ihre Arbeit gemacht, sozusagen eine kleine Homestory, um zu zeigen, wie ein Buch von der ersten Skizze bis zum gedruckten Buch entsteht. Von Beginn ihrer Tätigkeit an ist Katrin allerdings vor allem dem Oetinger Verlag treu geblieben und ein Auftrag folgte dem nächsten. Nachdem sie die ersten „Testbücher“ von Astrid Lindgren illustrieren durfte, die gut im Buchhandel ankamen, hat Katrin den größten Auftrag 2001 bekommen: die Illustration der drei blauen Pippi Langstrumpf-Klassikerbücher. Eine große Ehre und vor allem Freude, von der sie noch heute zehrt. Katrin hat sogar Astrid Lindgren persönlich treffen dürfen! Heutzutage wachen deren Erben über das literarische Werk und so müssen einige der neuen Illustrationen immer zur Freigabe nach Schweden gehen.

Doch wie arbeitet eine Illustratorin?

Katrin Engelking hat mehrfach betont, dass sie im Gegensatz zu vielen ihrer KollegInnen ziemlich analog arbeitet. Das heißt, dass sie vom Verlag zunächst den Text des zu illustrierenden Buches auf DIN A3-Seiten bekommt. Darauf fertigt sie erste Skizzen an, ggf. schneidet sie diese später aus, wenn sie lieber noch etwas verändern möchte oder aber sie scannt die Seite ein und bearbeitet am Computer noch etwas nach. Doch in der Regel liebt Katrin den Umgang mit Papier und Farben, sodass sie mit Acrylfarben auf Aquarellpapier die finalen Bilder anfertigt. Manchmal benutzt sie auch kleine Schnipsel aus Zeitungen, die sie collageartig in die Bilder einarbeitet.
Nach den ersten Skizzen entsteht ein Storyboard, auf dem die Illustratorin die Übersicht behält und sich immer markiert, wenn ein weiteres Bild fertig ist. Pro Bild braucht Katrin je nach Größe und Aufwand ein bis drei Tage. Wenn die erste Skizze fertig ist, wird das Bild auf ein transparentes Papier gezeichnet, auf der Rückseite schraffiert Katrin die Flächen bereits mit den ungefähren Farben, die sie später beim Ausmalen benutzen möchte. Eine gute Methode, um durch Durchpausen bereits die richtigen Farbnuancen auf das Aquarellpapier zu übertragen. Anschließend werden die Grundstrukturen der Zeichnungen mit den Acrylfarben zum Leben erweckt bis hin zum finalen Bild. Die Originale schickt Katrin dann zum Verlag, der diese dann einscannt und schließlich für den Buchdruck verwendet. Die Originale bekommt die Illustratorin zurück und sie bewahrt all ihre Werke im Keller auf – sie hängt sehr daran und möchte am liebsten keines aus der Hand bzw. aus dem Haus geben.

Neben den Büchern werden manche Illustrationen dann auch für eine Zweitverwertung genutzt, z.B. für Hörbücher als Cover für die CDs.
Katrin Engelking ist teilweise auch in Schulen unterwegs und hält Vorträge über ihre Arbeit – man merkt ihr an, dass sie ihre Arbeit liebt und so können wir uns gut vorstellen, wie fasziniert die Kinder dann zuschauen und zuhören. Auch die JVM waren neugierig und so entstand an diesem Abend ein sehr schöner Austausch mit vielen Fragen. Zum Unterschied von der Arbeit damals in ihren Anfängen bis heute in der Buchbranche hat Katrin erzählt, dass man früher nicht so kritisch war wie heutzutage. Das heißt, sie hat einen Auftrag bekommen und einfach am Ende das komplette Buch abgegeben, der Verlag hat es abgesegnet, gedruckt und fertig. Heute gibt es viele interne Konferenzen und vor allem der Vertrieb hat einen großen Einfluss auf die Arbeiten der Autoren und Illustratoren. Dabei greifen sie schon früh in den Prozess ein, indem sie erste Skizzen sehen wollen, noch bevor das Buch fertig illustriert wurde.

Immer wieder eine spannende Frage, die vor allem JVM interessiert: Kann man vom Job der Illustratorin leben? Katrin Engelking kann diese Frage bejahen, da sie mittlerweile ungefähr ein gutes Lehrergehalt verdient mit ihren Illustrationen. Doch sie hat entsprechendes Glück mit dem Auftrag zur Pippi Langstrumpf gehabt. Denn die Bücher werfen regelmäßige Tantiemen ab. Andere Bücher kommen oft nicht über die 1. Auflage hinaus und so bleiben viele Projekte ein kurzweiliges Vergnügen, da oft nach der Vorschusszahlung keine weiteren Entlohnungen folgen. Neben den Buchillustrationen kommen immer öfter auch andere Aufträge wie z.B. aus der Werbung hinzu. Katrin hat beispielsweise schon Illustrationen für Toffifee® angefertigt. Insgesamt betont sie also, dass Pippi Langstrumpf eine große Ausnahme ist.

Zum Abschluss wurde noch gefragt, ob Katrin nach all diesen schönen Kinderbüchern noch ein Wunschprojekt hat? Dazu musste sie ein wenig überlegen, aber Michel aus Lönneberga war die eindeutige Antwort. Leider wird das nicht passieren, da die Erben von Astrid Lindgren, wie gesagt, sehr streng sind und das nicht zulassen. Doch man wird ja noch träumen dürfen und somit freuen wir uns nach diesem sehr netten, aufschlussreichen Abend auf viele weitere Werke von Katrin Engelking, wie sie mit ihren Illustrationen nicht nur Kinderherzen höher schlägen lässt!

Mehr Informationen und Eindrücke ihrer Werke präsentiert Katrin Engelking auf ihrer Website: https://www.katrin-engelking.de/

Am Ende der Sommerpause waren wir mit einer kleinen Gruppe Junger Verlagsmenschen zu Besuch in der Lizenzabteilung des Carlsen Verlags. Die Abteilungsleiterin für Rechte & Lizenzen, Daniela Steiner, hat gemeinsam mit ihrer Volontärin Nathalie Wittfoth einen bunten Abend gestaltet, um uns in die Geheimnisse des Lizenzgeschäfts einzuweihen. Dabei hatte sie einige Anekdoten parat, denn die Lizenzwelt ist sehr vielfältig.

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Bei unserem jüngsten Stammtisch haben wir ein für die Hamburger JVM-Städtegruppe neues Format ausprobiert: Wir haben nicht bei einem Unternehmen vorbeigeschaut, sondern haben bei unserem Stammtisch Besuch bekommen. Zu Gast in gemütlicher Runde mit zehn Jungen Verlagsmenschen war der Mitinhaber der Traditionsbuchhandlung LÜDERS: Thomas Bleitner.

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Bereits im Mai machten wir uns mit einer Handvoll Interessierter auf den Weg zu Books on Demand, um einmal aus erster Hand zu erfahren, wie dort gearbeitet wird, Bücher entstehen – und um eventuelle Vorurteile gegenüber selbst verlegten Büchern aus dem Weg zu räumen.

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Mit einer wilden Mischung von 11 Jungen Verlagsmenschen aus den Abteilungen Vertrieb, Lektorat und Presse waren wir beim mare Verlag in der Speicherstadt und erfuhren dort, dass das allerwichtigste überhaupt nur eins sein kann und ist: Glück.

Zusammen mit seiner Vertriebskollegin Maria Leucht sprach Verleger Nikolaus Gelpke über die Gründung und das Programm von mare und gewährte Einblick in Idee und Strukturen. Eins war schnell zu merken: mare ist ein Verlag mit Stil, der sich genau dadurch am Markt halten kann. Zum einen ist das der über die letzten 20 Jahre gewachsenen Marke „mare“ mit verschiedenen medialen Formen wie Zeitschrift, Buch und TV zu verdanken, zum anderen dem Team, das mit ganzem Herzen hinter den Titeln steht. Mit einer kleinen Zahl an Veröffentlichungen im Jahr (im aktuellen Frühjahrsprogramm befinden sich 8 Titel – hier übrigens Gelpkes Empfehlung: „Herz auf Eis“ von Isabelle Autissier!) gelingt es mare, die Qualität hoch zu halten. Dabei ist der Inhalt ganz entscheidend – der gesamte Verlag basiert auf der Programmarbeit von Katja Scholtz in Zusammenarbeit mit Gelpke, wobei keine Bücher aus Opportunismus oder einem Gefallen heraus entstehen, denn das Credo ist:

„Nur Geschichten machen, an die wir glauben.“ (Gelpke)

Die Marke mare findet ihren Anfang vor 20 Jahren, als der studierte Meeresbiologe zusammen mit 2 Freundinnen Mare, eine Kultur- und Reisezeitschrift zum Kulturraum Meer, gründete, die mit ihrem sehr speziellen Inhalt, der wunderbaren graphischen Gestaltung und der wertvollen Ausstattung nur eine geringe Lesergruppe hat. Anders der später gegründete Buchverlag: Mit Stil, guten Rezensionen dank gutem Programm und dem niemals fehlenden Quäntchen Glück gelang es, dass der Buchverlag zur tragenden Säule des Unternehmens geworden ist und die Zeitschrift, die ihre Reporter tatsächlich noch auf wochenlange Erkundungsreisen schickt, finanziell mit trägt.

Denn auch über die finanzielle Situation sprachen die beiden mit uns: Dass es zum einen gut ist, wenn man als Branchenferner einen Verlag gründet, aber dass es zum anderen viel Lehrgeld kostet. Dass Begeisterung an falscher Stelle manchmal zu Apps führt, die eigentlich verschenkt sind. Und dass die Leser für Bücher, die schöne Cover haben, durchdacht gesetzt sind und inhaltlich überzeugen, bereit sind, viel Geld auszugeben. Das Buch ist in diesem in einigen Dingen doch recht konservativ, aber dadurch sympathischen und partnerlichen Verlag ein „Gesamtkunstwerk“ – sei es nun ein Klassiker, ein aktueller Belletristik-Titel oder ein Bildband.

(c) Lisa Ebelt

Maria Leucht ist alleine für den Vertrieb der Bücher bei mare verantwortlich, ihre Kollegin Karin Trommer macht den Vertrieb für die Zeitschrift. Hier sind ein gutes Netzwerk und viel persönlicher Kontakt unerlässlich, um das Image von mare im Buchhandel zu pflegen. Maria Leucht hat Probleme des klassischen Buchhandels, wie z.B. schwindende Verkaufsflächen von Thalia, Osiander, Hugendubel und Mayersche oder deren Konzentration auf Bestsellertitel angesprochen. Dabei ist es umso wichtiger, dass Marketingaktionen und auch neue Vertriebskanäle wie z.B. Vorableserunden bei lovelybooks gemacht werden. Insgesamt ist mare aber zufrieden, kann der Verlag doch nach wie vor mit Qualität überzeugen. Die Buchhändler verlassen sich auf das Treueversprechen und werden bei den 310 lieferbaren Büchern nicht enttäuscht.

Neben den Abläufen im Verlag erfuhren wir einiges über das Leben von Verleger Nikolaus Gelpke, und alle Teilnehmer waren angesichts dieser starken Persönlichkeit konzentriert, interessiert und sehr froh, einen Einblick bekommen zu haben. Wir können alle weiterhin gespannt sein, wie sich mare entwickeln wird und selbstverständlich – fleißig Bücher kaufen und lesen, damit sie weiterhin so gute Arbeit machen können 🙂

Lisa Ebelt

Auch 2016 haben die Städtegruppen der Junge Verlagsmenschen e.V. wieder viele spannende und informative Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Daher wollen wir den bevorstehenden Jahreswechsel zum Anlass nehmen und haben die Städtegruppenleiter um  einen kleinen Rück- und Ausblick gebeten. Wir freuen uns schon auf tolle Events in neuem Jahr und wünschen einen guten Rutsch 🙂

 

 

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