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von Antje Hartmann

Anfang März haben sich die Jungen Verlagsmenschen Hamburg am Hafen zusammengefunden und waren zu Gast bei der Edel Verlagsgruppe. Mit Blick auf die Elbe haben wir in einer kleinen Runde den Rechtsanwalt Tilman Winterling besucht, der uns etwas über Verlags- und Bildrecht erzählt hat.

In seinem Vortrag hat er den JVM einen Überblick über Texte und Bilder und allen damit zusammenhängenden Rechten und Stolpersteinen in der Welt der Paragraphen gegeben.

Was ist eigentlich das Urheberrecht?

So haben wir mit den Basics angefangen, was denn eigentlich das Urheberrecht umfasst. Slogans und ‘reine Gebrauchstexte’ wie z.B. Anleitungen für Geräte fallen nicht darunter, aber schon kurze Texte unterliegen dem Schutz. Eines der kürzesten Wortspiele, welches gerne als Beispiel genutzt wird, wenn es um schützenswerte Texte geht, ist das folgende Zitat von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“.

Noch anschaulicher wurde das Urheberschutzgesetz mit Blick auf die Übersetzungssoftware DeepL. Übersetzungen, die mit solchen Tools gemacht werden, sind ein rechtsfreier Raum. Denn nur Menschen können UrheberInnen sein. Was dann wohl in ein paar Jahrzehnten gilt, wenn durch Künstliche Intelligenz gedichtet wird?

Doch nicht nur Texte, auch gewisse Romanfiguren sind mittlerweile solch eigenständige ‘Werke’, sodass sie als geschützt angesehen werden, darunter z.B. Pumuckl oder Pippi Langstrumpf.

Bilder und Urheberrechtsschutz

Neben Texten sind auch Bilder dem Urheberschutz unterstellt. Gerade hier gibt es einiges zu beachten. Es fängt bereits damit an, dass zwischen Lichtbildern und Lichtbildwerken unterschieden wird. Lichtbilder sind z.B. Schnappschüsse wie Handyfotos, Selfies etc. Hier gilt ein Urheberrecht von 50 Jahren. Lichtbildwerke hingegen sind 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers oder der Urheberin geschützt. Hierzu zählen Serien von Bildern und Bilder, die an ausgeleuchteten Settings oder einfach aufwendig produziert wurden.

Als Grundregel kann man sich merken: „Bei Bildern muss man (fast) immer davon ausgehen, dass sie geschützt sind.“ Das ist natürlich besonders in der Buchbranche wichtig, wenn es um den Abdruck von Fotos oder Bildern in Büchern geht oder auch bei Covern, Autorenfotos etc. Den Urheber oder die Urheberin zu nennen, reicht allein nicht aus, er oder sie muss vor der Nutzung für den eigenen Gebrauch gefragt werden. Wird der Urheber oder Urheberin lediglich genannt, ist das gut gemeint, es ändert vor dem Gericht aber nur die Summe des Schadenersatzes. Auch bei einer Nutzung im online- oder offline-Bereich wird kein Unterschied gemacht, das Recht greift immer. Also lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig fragen!

Bei „schöpferischem Gemeingut“, wie es bei cc-Lizenzen vorkommt (z.B. Wikipedia-Bilder) gibt es gewisse Auflagen, unter denen die Bilder genutzt werden können. Solche Auflagen sind z.B. Namensnennung des Urhebers oder der Urheberin, keine Bildbearbeitung, nur nicht-kommerzielle Nutzung.

Nutzungsrechte – vertraglich regeln

Sogenannte „andere Freigaben durch Urheber“ werden in den verschiedenen Vertragstypen festgehalten, z.B. Verlagsvertrag, Herausgebervertrag, Fotografenvertrag, Übersetzervertrag etc.

Einen Normvertrag für einen Verlagsvertrag kann man online finden. Im Wesentlichen besteht dieser aus den folgenden Bausteinen:

  • Vertragsgegenstand (das Werk, um das es geht)
  • Rechteeinräumung (räumlich, inhaltlich, zeitlich begrenzte Nutzung)
  • Garantie (Autor als Urheber, Rechteverletzungen Dritter werden ausgeschlossen)
  • Autoren-/Verlagspflichten
  • Spezialregelungen (Nebenrechteverwertung, Lieferbarkeit/ Neuauflagen, Ramsch & Makulierung, Rezensionen, Änderungen der Eigentums- und Programmstrukturen)

Bei weiteren Fragen…

Dadurch, dass wir eine bunt gemischte Gruppe aus Vertrieb, Lektorat, Agentur/ Lizenzabteilung und Marketing/ Social Media waren, sind einige Fragen zusammengekommen. Von Gewinnspielen bei Facebook, Bildnutzung bei Instagram bis hin zu spezifischer Vertragsauflösung. Tilman Winterling stand uns Rede und Antwort und kann gern auch künftig kontaktiert werden, wenn weitere Fragen zum Urheberrecht auftauchen. Sein Vortrag mit anschließender Diskussion war ein guter Einblick in die Welt des Vertragsrechts, die doch oft komplizierter ist, als sie auf den ersten Blick scheint.

Kontakt

Tilman Winterling, Rechtsanwalt bei Gutsch & Schlegel: twinterling@g-s-legal.com

Dass Tilman nicht nur im juristischen Urwald zu Hause ist, sondern auf verschiedensten Plattformen und in der Literaturszene, seht ihr hier: https://tilman-winterling.de/ oder auch auf der Seite des Magazins 54Books: https://www.54books.de/

von Antje Hartmann, Städtegruppenleitung JVM Hamburg

Nach dem Blick über den Tellerrand mit dem Besuch bei Dropbox im November, sind die JVM Hamburg mit einem ebenso spannenden Unternehmenseinblick in die neuen 20er Jahre gestartet: Am 21. Januar waren wir mit zwölf neugierigen JVM bei Rocket Beans TV zu Gast. Auf den ersten Blick also auch kein Verlag, Buchladen oder eine Druckerei, sondern ein riesiger Kreativpool, der sich über gleich drei Häuser in der Hamburger Schanze erstreckt, die miteinander verbunden sind.

Durch dieses Labyrinth hat uns auf beste Weise Lisa Handirk, Assistentin der Geschäftsführung und als Pressesprecherin u.a. für den Newsletter und Blog Verantwortliche, geführt. Aber die Begrüßung fand erstmal im ehemaligen Kaminzimmer statt. Wie eine Art gemütliches Kamingespräch ging es los, als wir uns gegenseitig erst einmal vorgestellt haben. Wie sich herausstellte, kannte Lisa die JVM bereits, da sie selbst einmal Mitglied war und die Jahrestreffen besucht hat. Nach dem Studium in Münster, einem Volontariat und Lektoratsarbeit in einem dortigen Verlag, ist sie 2016 zu den Rocket Beans gestoßen. Dadurch ließen sich im Laufe des Abends auch einige Parallelen zur Verlagsbranche ziehen. Die Frankfurter Buchmesse als wichtigste Branchenveranstaltung bei uns ist für die KollegInnen von Rocket Beans z.B. die Games Con in Köln, auf der sie fast eine Woche lang Programm von einer Bühne senden und einen Merchandising-Stand betreuen.

Über Rocket Beans TV

Die Rocket Beans wurden 2011 von Budi, Etienne, Arno, Nils und Simon gegründet – der Name des Senders kommt nicht von ungefähr, wenn man sich die Gründernamen anschaut… 😉 Sie beschreiben sich selbst auf ihrer Website wie folgt:

Rocket Beans ist Produzent von Entertainment-Shows. Unterhaltung rund ums Spielen in allen Facetten zeichnet das Programm aus. Videospiele sind Kernkompetenz und erste Liebe. Aber auch Themenfelder wie Film, Quiz, Sport oder Kochen werden im Rocket-Beans-Style interpretiert.

https://rocketbeans.tv/ueber-rbtv

Und auch die Vision der ‘Bohnen’ ist klar definiert:

Gemeinsam bauen wir den bedeutendsten Raum für Spiel- und Popkultur-Begeisterte, in dem frei experimentiert werden kann. Hier entwickeln wir nach unseren eigenen Spielregeln Ideen und schaffen inspirierende Unterhaltung.

https://rocketbeans.tv/ueber-rbtv

Die Geschichte

Die Geschichte des Unternehmens geht eigentlich noch weiter zurück, nämlich bis ins Jahr 2000. Damals gab es noch die Sendung Game One für Videospiele, an der einige der Gründer bereits beteiligt waren. 2006 lief Game One dann auf MTV, woraus das heutige Unternehmen entwickelt und weiter ausgebaut wurde. 2012 haben sie auf YouTube einen eigenen Kanal eingerichtet. d.h. es liefen Sendungen wie KinoPlus und weitere Talkformate unter dem Label Rocket Beans TV. Die folgenden Jahre kamen weitere Anbieter wie twitch oder waipu.tv. Das Besondere an Rocket Beans TV ist ein Streamingprogramm, welches 24/7 verfügbar ist. Dieses wurde in einer Zusammenarbeit mit twitch im Jahr 2015 eingeführt. Somit verwundert es nicht, dass der Erfolg anhält und mittlerweile das 5-jährige Jubiläum gefeiert wurde.

Die Unternehmensstruktur

Das Programm wird natürlich nicht allein von den Gründern und Geschäftsführern gestaltet. Die anfänglich überschaubare Mitarbeiterzahl ist mittlerweile auf über 100 MitarbeiterInnen mit einem Durchschnittsalter von 31 Jahren angewachsen. Neben den etwa 20-25 RedakteurInnen für die vielen verschiedenen Formate gibt es ein Marketing- und Sales-Team, eine Personalabteilung, zwei Regien, Kameramänner und Production. Für das Folgeformat des damaligen Programms Game One – Game Two – welches sich aufs Radio konzentriert, gibt es ebenfalls ein eigenes Team.

Es handelt sich bei den Rocket Beans also wirklich um ein vielfältiges, junges Unternehmen, das sich als Produktionsfirma, Publisher, Kreativschmiede, Sender und Plattform versteht. Sie produzieren neben dem Online-Content auch Live-Shows und Events, bieten Raum für Popkultur, Experimente und inspirierende Unterhaltung wie z.B. mit der Show „Haus an Haus“, bei der zwei Teams 24 Stunden lang in verschiedensten Spielen gegeneinander antreten. Die Interaktion mit den Zuschauern ist die Stärke der ‘Bohnen’, denn mit Chats und Features zum Abstimmen, können die Zuschauer direkt am Programm teilnehmen. Das ist laut Lisa auch ein Teil des Erfolgsgeheimnisses: Rocket Beans verbindet die Leute! Ein weiteres gutes Beispiel dafür ist das Format „Pen & Paper“, bei dem fünf Leute an einem Tisch sitzen und gemeinsam in fiktiven Welten Rollenspiele bestreiten.

Mit ihr steht und fällt alles: die rbtv Community

Die tiefe Verbundenheit der Zuschauer zu Rocket Beans TV drückt sich in einer treuen Community aus. Die Räume sind mit jeder Menge witziger Fanart ausgestattet, die diesen Gemeinschaftssinn spürbar macht. Teilweise tätowieren sich die Fans schon das Raketen-Logo, es werden Fahnen gebastelt und Babys in das Logo gekleidet. Auch seitens der Fans sind der Kreativität also keine Grenzen gesetzt.

Von unseren JVM-TeilnehmerInnen kannten die meisten mindestens eine Show oder das Vorgängerformat Game One bereits, für manche war es aber komplettes Neuland. Somit war die Präsentation von Lisa auch mit ein paar Zahlen gespickt, die beeindrucken:

Die Zielgruppe besteht zu 80% aus 21-30-jährigen Zuschauen, davon 92% aus Deutschland, 2% aus der Schweiz und 5% aus Österreich. Die Geschlechterverteilung spiegelt wohl den Gaming-Charakter wieder: 15% sind weiblich und 85% männlich. Die Reichweite beträgt bei YouTube über 1,3 Mio. Abonnenten und im Schnitt gibt es 11 Mio. Views pro Monat, bei twitch sind es 400.000 Follower und 4 Mio. Views pro Monat. Mit ca. 1,5 Mio. Watched Hours pro Woche zeigt sich ebenfalls die große Reichweite von Rocket Beans TV.

Money or no money – die Finanzierung

Und wie finanziert sich das Ganze? Eine Frage, die immer wieder gestellt wird und auch bei uns aufkam. Zehn Prozent der Umsätze generieren sich durch Werbung (z.B. via YouTube). Dann gibt es noch den Rocket Beans Supporters Club mit aktuell ca. 10.000 Mitgliedern, die regelmäßig direkt Geld spenden. Affiliate Links, Ticketverkäufe für Live-Events oder auch Merchandise und das Modelabel rktbns tragen zur Finanzierung bei. Doch neben diesen Community-basierten Einkünften gibt es auch die klassischen Vermarktungsschienen: Content Distribution, Werbepausen-Einbuchungen, Product Placement, Format-Sponsoring und teils auch Auftragsproduktionen oder Branded Content, bei dem z.B. ein adobe-Produkt in einer Sendung vorgestellt wird.

Damit die täglichen sechs bis zehn Stunden Live-Content gesendet werden können und auch die aufgezeichneten Shows online gehen (die Inhalte teilen sich wie folgt auf: 30 % Livestream und 70 % Video-on-Demand), gehört also eine ganz schöne Struktur und Organisation hinter den Kulissen dazu. Im Gegensatz zu klassischen TV-Sendern können dadurch viele verschiedene Formate zu verschiedenen Zeiten gesendet werden, die so viele neue Inhalte pro Tag produzieren wie es im TV schlicht nicht möglich ist. Während unseres Rundgangs wurden auch Sendungen aufgezeichnet und bei den Besuchen der verschiedenen, gerade nicht belegten Studios (Bitte nicht leise sein!), Büroräumen und Open Work Spaces haben wir den ein oder anderen Producer, Kameramann und auch die Requisiteurin kennengelernt.

Die Freude und Freiheit am Arbeitsplatz stand allen ins Gesicht geschrieben. Es wurde mehr als deutlich, dass jede und jeder die eigene Kreativität entfalten kann und soll. Manchmal werden auch neue Ideen, Spiele, Formate getestet und wenn es dann am Ende in seltenen Fällen doch nicht funktioniert, dann haben sie es wenigstens probiert. Und schon geht’s weiter mit neuen Ideen.

Blick zur Buchbranche

Um wieder den Bogen zur Verlagsbranche zu spannen, hat gerade uns JVM natürlich interessiert, was es sonst noch für Jobs bei den Rocket Beans gibt oder wie man dort einsteigen kann. Es wird nämlich auch ausgebildet und neben PraktikantInnen, die ein Pflichtpraktikum erfüllen, kann man bei Rocket Beans ein Volontariat in der Redaktion oder eine Ausbildung als Kauffrau/Kaufmann für audiovisuelle Medien absolvieren. Daneben gibt es auch Kooperationen und Praxisprojekte z.B. mit der Hamburg Media School.

Es gab sogar schon mal ein Buchclub-Format, welches allerdings nur selten lief, da leider die Zeit zur Vorbereitung (ergo zum Lesen) fehlte. Aber auch Quizsendungen zu Harry Potter oder ein Kalender in Zusammenarbeit mit dem Lappan Verlag sind schon unter dem Dach der Rocket Beans entstanden. Besonders begehrt sind die verschiedenen Pen & Paper-Regelwerke nebst Erweiterungen.

Wer sucht, der findet also auch die Schnittstellen zur Verlagsbranche. Und eines haben wir auf jeden Fall mit den ‘Bohnen’ gemeinsam: Kreativität und Ideenpool sowie inspirierende Unterhaltung schaffen, das wollen wir auch mit Büchern erreichen!

Die Rocket Beans können auch von anderen Gruppen besucht werden. Es werden Führungen angeboten und wenn ihr Fragen habt, könnt ihr Euch auch gerne bei Lisa Handirk melden: lisa@rocketbeans.de

Viel Spaß beim Reinklicken und Durchstöbern, aber Vorsicht: Suchtgefahr!! 🙂

von Antje Hartmann, Städtegruppenleitung JVM Hamburg

Ende November waren die JVM Hamburg in neuen Fahrwassern unterwegs. Will heißen, dass wir dieses Mal nicht etwa einen Verlag oder eine Zeitungsredaktion besucht haben, sondern ein großes Tech-Unternehmen, das auf den ersten Blick vielleicht nicht so viel mit der Buchbranche zu tun hat: Dropbox! Vielen ist Dropbox ein Begriff in Sachen Online-Datenplattform, aber dass das Unternehmen einen viel umfangreicheren Service anbietet, haben wir am 25. November 2019 mit einer Gruppe von elf neugierigen Hamburger Junge Verlagsmenschen herausgefunden.

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Wie gelingt der Einstieg in die Buchbranche? Welche verschiedenen Möglichkeiten bieten sich jungen Berufseinsteigern, die alle die Leidenschaft zu Büchern verbindet? In unserem Blog „JVM meet – Dein Weg in die Buchbranche!“ stellen wir euch einige Professionals vor, die ihren Weg in die Branche auf unterschiedlichste Weise meistern und zeigen: Viele Wege führen in die Buchbranche!

Steffen Meier ist seit 2016 Herausgeber und Chefredakteur des digital publishing report (dpr), dem digitalen Magazin für die Medienbranche.  Mit uns spricht der Macher über seinen Einstieg in die Branche, warum es manchmal besser ist nicht der junge Besserwisser zu sein, das Wild-West-New-Frontier-Gefühl und warum man machen sollte, was man gerne macht.

Mit Blick auf den eigenen Werdegang: Stand für Dich bereits früh fest, dass Du in der Buchbranche arbeiten möchtest?

Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich hatte zwar immer wieder Projekte in dem Bereich gemacht (Stichwort: Fanzines) und auch früh angefangen, für Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben, hauptsächlich im Kultur-, Musik- und Filmbereich. Aber so geradlinig war das alles nicht, ich hielt es nur für sinnvoll, irgendwo zwischen Bundeswehr, Zivildienst und Studium wenigstens etwas „Handfestes“ zu machen, also eine Lehre. Dass ich dann bei einem Schulbuchverlag gelandet bin und dort Verlagsbuchhändler (gibt’s heute auch nicht mehr) gelernt habe war auch eher einem Zufall zu verdanken.  Im Nachhinein betrachtet hätte ich vielleicht tatsächlich etwas Vernünftiges lernen sollen, Maschinenbau, Informatik oder so.

Welche einzelnen Schritte hast du ergriffen, um dein berufliches Ziel zu erreichen?

In der Frage klingt eine Zielstrebigkeit durch, die mir Gänsehaut verursacht.

Ich hatte wie viele damals in den Zwanzigern absolut keinen Plan wohin die Reise gehen soll und auch kein berufliches Ziel vor Augen.

Tatsächlich glaube ich, dass das auch heute noch vielen so in diesem Alter geht. Und viele Schritte wurden eher von außen an mich herangetragen, nicht bewusst von mir arrangiert. Offen gesagt habe ich auch etwas Probleme mit Leuten, die so etwas wie „Karriereplanung“ oder „berufliche Ziele“ schon in jungen Jahren im Kopf haben. Ich war einfach nur sehr neugierig und manchmal sogar richtig gut in dem, was ich gemacht habe (zugegebenermaßen oft auch nicht). Der Rest ergab sich.

Welchen Herausforderungen musstest Du dich dabei stellen?

Ich hatte am Anfang meiner „Laufbahn“ zwei Handicaps: ich war jung und neugierig auf alles, was mit Bits und Bytes zu tun hat. Viele der Führungskräfte, mit denen ich zu tun hatte, waren in den 50ern (also in meinem jetzigen Alter) und mit einem jungen, ungeduldigen Besserwisser konfrontiert, der auch noch von Dingen sprach, mit denen sie inhaltlich nichts anfangen konnten. Damals war mir nicht klar, dass mein Verhalten eine einzige große Herausforderung für den einen oder die andere war. Im Nachhinein vielleicht nicht sehr klug, es war ja schon schwer genug, die ganzen digitalen und technologischen Themen voranzubringen. Da half oft nur sehr viel Diplomatie (darin habe ich später doch etwas Geschick entwickelt) und die steter-Tropfen-höhlt-den-Stein-Strategie. Und viel Geduld – immerhin waren das noch die Zeiten, in denen die Chefsekretärin dem Verleger die zwei E-Mails, die er am Tag bekam, ausdruckte.

Ganz fatal war aber, dass viele von uns, die sich gegen Ende des letzten Jahrtausends mit digitalen Themen beschäftigt haben, Einzelkämpfer und Einzelkämpferinnen waren. Ressourcen und Budgets waren begrenzt und oft mühsam erkämpft, gleichzeitig gab es nur wenige, mit denen man sich austauschen konnte.

Der ganz große Reiz und der eigentliche Grund, warum ich dem Digitalbereich in Verlagen so lange treu geblieben bin: es war alles neu, es gab nichts, keine Strukturen, man konnte mit viel Kreativität, Selbstausbeutung und Improvisation (aber wenig Geld) vieles ausprobieren.

So ein Wild-West-New-Frontier-Gefühl war das schon. Vor allem hatte ich das Glück, später auf einen Verleger zu treffen, der zwar ähnlich neugierig auf das Digitale war, mir aber viel Freiraum ließ.  Sonst hätte ich damals mit Sicherheit die Verlagsbranche verlassen und etwas Vernünftiges in der Industrie gemacht. Start-Ups im modernen Sinn gab es damals ja nur sehr wenige.

Hast Du auf Deinem Weg etwas gelernt, das Du jungen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben willst?

Klar. Geht ins Ausland – das mögen Headhunter. Bleibt nicht zu lange in einem Unternehmen – das mögen Headhunter auch. Ansonsten: achtet nicht darauf, was Headhunter gerne mögen.

So banal es klingt: macht das, was ihr gern macht, darin seid ihr dann auch gut.

Okay, ich weiß, ich klinge schon wie der selige Steve Jobs. Aber darin steckt doch ein Körnchen Wahrheit. Nehmt euch nicht so ernst, schon gar nicht das Thema Karriere. Und am wichtigsten: seid neugierig und offen. Es gibt schon genug „Bewahrer“ in der Buchbranche, genug aus der Fraktion „Ich bin hier weil ich gern lese“. 

Hast Du konkrete Impulse, wie Nachwuchskräfte in schwierigen Situationen selbstbewusster handeln können?

Ich glaube gar nicht, dass es spezifische Nachwuchs-„Situationen“ gibt – es gibt eben einfache und schwierige Situationen. In letzterem hilft einem auch kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, im Gegenteil.

Am Ende kommt man nur weiter, wenn man seinen Willen aufgrund der Organisationsstruktur durchsetzen kann.

Wenn das nicht geht hilft nur sehr viel, von mir aus auch zähneknirschende, Versachlichung.

So viel wie möglich an Emotionalität raus aus schwierigen Situationen. Und wenn das auch nicht hilft: man kann nicht jeden Kampf gewinnen. Für solche Situationen gibt es ja den Shruggie.

Gibt es eine Frage, die Du dem Branchennachwuchs stellen möchtest?

Seid ihr euch ganz sicher, dass ihr wisst, was ihr da tut?

Welche weiteren beruflichen Ziele strebst du an?

Die Rente.

(Interview: Sabrina Pöhlmann)


von Antje Hartmann

Unsere Reihe “JVM meet” der JVM Hamburg ging am 13. Mai 2019 in eine zweite Runde. Dieses Mal haben sie Besuch einer der bekanntesten Illustratorinnen Deutschlands gehabt: Katrin Engelking.

Den meisten dürfte sie bekannt sein als Illustratorin der „modernen“ Pippi Langstrumpf. Für die Oetinger Verlagsgruppe hat sie die Kinderbücher von Astrid Lindgren illustriert, Kirsten Boies Möwenweg-Geschichten und viele weitere Kinderbücher wurden durch ihre Zeichnungen gestaltet. An diesem Abend hat Katrin Engelking uns mithilfe einiger Bilder aus ihrer Werkstatt, die sich in ihrem Haus in Hamburg befindet, ihre Arbeit als Illustratorin näher gebracht.

Schon als Kind hat Katrin gerne gemalt und durch ihr Vorbild Jutta Bauer hat sie erfahren, dass man so etwas wie Illustration auch studieren kann. Da stand schnell der Berufswunsch fest und so ging es für Katrin vom beschaulichen Bückeburg in Niedersachsen nach Hamburg, wo sie in den 1990er Jahren Grafik-Design mit Schwerpunkt Illustration studiert hat. Während des Studiums hat sie sich am Anfang erstmal mit Sachbuchillustration beschäftigt, später kam die fiktionale Kinderbuchillustration dazu. So kam es, dass bei einer Jahresausstellung der Uni ein erstes eigenes Buch entstanden ist: „Anne im Tal der tausend Tropfen“ (Ravensburger Verlag). Neben Fleiß und gutem Studium kam noch eine Prise Glück hinzu und so hat Katrin bereits neben dem Studium ihren 1. Auftrag beim Oetinger Verlag bekommen.

Katrin hat seitdem für diverse Verlage gearbeitet (Ravensburger, Hanser, cbj u.a.) und auch mit der KIBUM, der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse zusammengearbeitet. Letztere hat ein Porträt über Katrin Engelking und ihre Arbeit gemacht, sozusagen eine kleine Homestory, um zu zeigen, wie ein Buch von der ersten Skizze bis zum gedruckten Buch entsteht. Von Beginn ihrer Tätigkeit an ist Katrin allerdings vor allem dem Oetinger Verlag treu geblieben und ein Auftrag folgte dem nächsten. Nachdem sie die ersten „Testbücher“ von Astrid Lindgren illustrieren durfte, die gut im Buchhandel ankamen, hat Katrin den größten Auftrag 2001 bekommen: die Illustration der drei blauen Pippi Langstrumpf-Klassikerbücher. Eine große Ehre und vor allem Freude, von der sie noch heute zehrt. Katrin hat sogar Astrid Lindgren persönlich treffen dürfen! Heutzutage wachen deren Erben über das literarische Werk und so müssen einige der neuen Illustrationen immer zur Freigabe nach Schweden gehen.

Doch wie arbeitet eine Illustratorin?

Katrin Engelking hat mehrfach betont, dass sie im Gegensatz zu vielen ihrer KollegInnen ziemlich analog arbeitet. Das heißt, dass sie vom Verlag zunächst den Text des zu illustrierenden Buches auf DIN A3-Seiten bekommt. Darauf fertigt sie erste Skizzen an, ggf. schneidet sie diese später aus, wenn sie lieber noch etwas verändern möchte oder aber sie scannt die Seite ein und bearbeitet am Computer noch etwas nach. Doch in der Regel liebt Katrin den Umgang mit Papier und Farben, sodass sie mit Acrylfarben auf Aquarellpapier die finalen Bilder anfertigt. Manchmal benutzt sie auch kleine Schnipsel aus Zeitungen, die sie collageartig in die Bilder einarbeitet.
Nach den ersten Skizzen entsteht ein Storyboard, auf dem die Illustratorin die Übersicht behält und sich immer markiert, wenn ein weiteres Bild fertig ist. Pro Bild braucht Katrin je nach Größe und Aufwand ein bis drei Tage. Wenn die erste Skizze fertig ist, wird das Bild auf ein transparentes Papier gezeichnet, auf der Rückseite schraffiert Katrin die Flächen bereits mit den ungefähren Farben, die sie später beim Ausmalen benutzen möchte. Eine gute Methode, um durch Durchpausen bereits die richtigen Farbnuancen auf das Aquarellpapier zu übertragen. Anschließend werden die Grundstrukturen der Zeichnungen mit den Acrylfarben zum Leben erweckt bis hin zum finalen Bild. Die Originale schickt Katrin dann zum Verlag, der diese dann einscannt und schließlich für den Buchdruck verwendet. Die Originale bekommt die Illustratorin zurück und sie bewahrt all ihre Werke im Keller auf – sie hängt sehr daran und möchte am liebsten keines aus der Hand bzw. aus dem Haus geben.

Neben den Büchern werden manche Illustrationen dann auch für eine Zweitverwertung genutzt, z.B. für Hörbücher als Cover für die CDs.
Katrin Engelking ist teilweise auch in Schulen unterwegs und hält Vorträge über ihre Arbeit – man merkt ihr an, dass sie ihre Arbeit liebt und so können wir uns gut vorstellen, wie fasziniert die Kinder dann zuschauen und zuhören. Auch die JVM waren neugierig und so entstand an diesem Abend ein sehr schöner Austausch mit vielen Fragen. Zum Unterschied von der Arbeit damals in ihren Anfängen bis heute in der Buchbranche hat Katrin erzählt, dass man früher nicht so kritisch war wie heutzutage. Das heißt, sie hat einen Auftrag bekommen und einfach am Ende das komplette Buch abgegeben, der Verlag hat es abgesegnet, gedruckt und fertig. Heute gibt es viele interne Konferenzen und vor allem der Vertrieb hat einen großen Einfluss auf die Arbeiten der Autoren und Illustratoren. Dabei greifen sie schon früh in den Prozess ein, indem sie erste Skizzen sehen wollen, noch bevor das Buch fertig illustriert wurde.

Immer wieder eine spannende Frage, die vor allem JVM interessiert: Kann man vom Job der Illustratorin leben? Katrin Engelking kann diese Frage bejahen, da sie mittlerweile ungefähr ein gutes Lehrergehalt verdient mit ihren Illustrationen. Doch sie hat entsprechendes Glück mit dem Auftrag zur Pippi Langstrumpf gehabt. Denn die Bücher werfen regelmäßige Tantiemen ab. Andere Bücher kommen oft nicht über die 1. Auflage hinaus und so bleiben viele Projekte ein kurzweiliges Vergnügen, da oft nach der Vorschusszahlung keine weiteren Entlohnungen folgen. Neben den Buchillustrationen kommen immer öfter auch andere Aufträge wie z.B. aus der Werbung hinzu. Katrin hat beispielsweise schon Illustrationen für Toffifee® angefertigt. Insgesamt betont sie also, dass Pippi Langstrumpf eine große Ausnahme ist.

Zum Abschluss wurde noch gefragt, ob Katrin nach all diesen schönen Kinderbüchern noch ein Wunschprojekt hat? Dazu musste sie ein wenig überlegen, aber Michel aus Lönneberga war die eindeutige Antwort. Leider wird das nicht passieren, da die Erben von Astrid Lindgren, wie gesagt, sehr streng sind und das nicht zulassen. Doch man wird ja noch träumen dürfen und somit freuen wir uns nach diesem sehr netten, aufschlussreichen Abend auf viele weitere Werke von Katrin Engelking, wie sie mit ihren Illustrationen nicht nur Kinderherzen höher schlägen lässt!

Mehr Informationen und Eindrücke ihrer Werke präsentiert Katrin Engelking auf ihrer Website: https://www.katrin-engelking.de/

In unserer Blogreihe JVM meet führen wir Interviews mit verschiedenen Akteuren aus der Buch- und Medienbranche und befragen sie zu ihrem Werdegang oder nach Tipps für den Berufseinstieg.

Wir freuen uns sehr, diesmal Barbara Reibl – Marketing Management bei Holtzbrinck epublishing – im Rahmen unserer Kooperation mit der IG Digital für einen Beitrag gewinnen zu können!

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