Der Ingeborg-Bachmann-Preis wird seit 1977 jährlich von der Stadt Klagenfurt in Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann verliehen. Er ist eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen für deutschsprachige Literatur.

Nach einer kurzen Pause ging es dann auch unvermittelt weiter. Paul Reger war der nächste in der Riege der Lesenden. Bei seinem Text „Brot, Brot, Brot“ ist das Scheitern verschiedener Figuren nebeneinander geschaltet. Von dem Innenleben eines arbeitslosen Alkoholikers erfährt man hier ebenso wie von dem einer ausgebrannten Ärztin. Während die einen die ganze Geschichte Weiterlesen

Schon gestern bei der Auslosung der Plätze hieß es bezugnehmend auf namhafte Feuilletons, das Feld der Autorinnen sei lange nicht so dicht gewesen. Und was so verheißungsvoll angekündigt wurde, äußerte sich schon am ersten Tag in der Lesung einer Reihe spannender Texte, die von der Jury weitestgehend gut, aber nie unkritisch besprochen wurde. Weiterlesen

Die 39. Tage der deutschsprachigen Literatur werden vom 1. bis 5. Juli live aus dem ORF-Theater des Landesstudios Kärnten übertragen. Bevor am Sonntag die Schlussdiskussion mit Preisvergabe stattfinden kann, werden zunächst die von den 14 Autorinnen und Autoren selbst vorgetragenen Texte diskutiert – ein Ereignis, von dem die kommenden Tage hier berichtet wird. Weiterlesen

"What would I. do?" CC-BY-NC-SA 4.0 Lisa-Marie George

“What would I. do?” CC-BY-NC-SA 4.0 Lisa-Marie George

Im letzten Jahr gewann Nadine Kegele den Publikumspreis der TddL. Warum das auch bei den Bachmann-Tagen 2014 noch interessant ist? Nadine Kegele ist seit Mai diesen Jahres Stadtschreiberin von Klagenfurt. Seit Sonntag steht fest: Gertraud Klemm wird im September 2014 ihre Nachfolge antreten.

Doch Nadine Kegele hat in ihrer Klagenfurter Zeit nicht nur geschrieben, sondern hatte die Idee, ein Projekt für die Stadt zu realisieren. Mit Ingeborg Bachmann, der Namensgeberin des Hauptpreises, wollte sie sich näher auseinander setzen und etwas „Gebrauchsliterarisches“ produzieren – für Leute, die sich ansonsten nicht mit Bachmann beschäftigen.

Postkarten müssten es sein, die über die Grenzen von Österreich hinausgehen. Ein schöner Gedanke in einer Zeit, in der kaum noch Nachrichten in Briefen und auf Karten festgehalten werden. „What would I. do?“ nennt sich das Projekt. Kegele arbeitete sich durch das Werk von Ingeborg Bachmann, suchte darin einzelne Sujets und formulierte kurze Statements, die in schlichter schwarzer Schreibmaschinenschrift auf weißem Grund prangen.

Bei den diesjährigen Tagen der deutschsprachigen Literatur lagen nun die Postkarten mit vier verschiedenen Sätzen kostenlos in Buchhandlungen, im ORF und im Musil-Haus aus. Sechs weitere Motive werden im Sommer erscheinen. Das Projekt fragt nicht nur “Was würde Ingeborg tun?”, sondern eben genauso “Was würde ich tun?”.

Die Ingeborg-Postkarten befinden sich auch in unseren Taschen, wenn wir uns heute auf den Heimweg machen. Die vergangene Woche auf dem literarischen Rummelplatz des ORF gibt nicht nur den Blick frei auf Fische, Brathühner und Nerze (die Texte der Autoren waren dieses Jahr besonders tierlieb), sondern offenbart auch die Mechanismen des modernen Literaturbetriebs im Miniaturformat.

Von Lisa-Marie George

Michael Fehr gewinnt den Kelag-Preis CC-BY-NC-SA 4.0 Ursula Renner-Henke

Michael Fehr gewinnt den Kelag-Preis CC-BY-NC-SA 4.0 Ursula Renner-Henke

Den Kelag-Preis der 38. Tage der deutschprachigen Literatur gewann Michael Fehr. Seine gesprochene Versprosa mit dem Titel „Simeliberg“ überzeugte die Jury. Die düstere Geschichte führt den Leser durch die Schweizerische Berglandschaft in die Tiefen der Wälder, in ein Loch. Dort spielt sich ein Sozialdrama ab. Das literarische Können von Michael Fehr zeigte sich anhand von Phonetik-Choreographie, Vokalspielen und Regionalismen. Juri Steiner, der Michael Fehr zum Wettbewerb eingeladen hatte, würdigte in seiner Laudatio den virtuosen Sprachgebrauch des Autoren. Der Titel ist an das wichtigste Schweizer Volkslied angelehnt. Trotz starker regionaler Färbung spricht die Erzählung Leser über die Grenzen der Schweiz hinweg an. Neben dem Kelag-Preis erhielt Michael Fehr den Federweltpreis der Automatischen Literaturkritik.

 

Von Halyna Pasychnik

CC-BY-NC-SA 4.0 Virginia Kalla

Der Sieger des Bachmannpreises 2014 CC-BY-NC-SA 4.0 Virginia Kalla

Tex Rubinowitz ist der Bachmannpreisträger 2014. Dass er zum Favoritenkreis gehören würde, war spätestens nach seiner Lesung und den wohl lebhaftesten Reaktionen des Saalpublikums am Samstagvormittag klar. Die Gewinnergeschichte „Wir waren niemals hier“ ist ein Psychodrama, in dem ein Ich-Erzähler seine erste Beziehung reflektiert, die geprägt ist durch ein ständiges Sich-Entziehen der Freundin. Seine Versuche, ihr nahe zu kommen scheitern, Kommunikation findet bei ihnen durch eigens erfundene Codes statt. „Einen durch und durch pragmatischen Menschen kann man nicht anfassen, man kann ihn ja eigentlich auch nicht umbringen, du kriegst ihn nicht.“

Die tief traurige Liebesgeschichte ist gespickt mit einem Reichtum an Pointen, die nicht über die Depression des Erzählers hinwegtäuschen können. Witz und Melancholie überlagern sich. Daniela Strigl, die Rubinowitz eingeladen hatte, würdigte den Text in ihrer Laudatio als eine „wilde, schöne und sehr seltene Liebesgeschichte“, einen „zeitgemäßen Minnedienst“.

Katharina Graef