Beiträge

von Nicole & Laura

1. Der Typ mit dem Buch macht jetzt das Ding mit der Bar

Vom Buch zum Bier, vom gelben Heftchen zur Nichtraucher-Bar – Grafiker und Self-Publisher Lukas Adolphi erarbeitete das Kunstprojekt „die cops ham mein handy“. Die Herausgabe des „Reklamehefts“ ist Folge eines Raubüberfalls, bei dem Adolphis Handy gestohlen wird. Nachdem die Täter gefasst sind und er sein Gerät zurück erhält, findet er darauf illustre Chatverläufe, die er Ende 2017 ungekürzt veröffentlicht. Im Anschluss ist er monatelang im deutschsprachigen Raum auf Lesereise unterwegs. 2019 investiert er die Verdienste seiner Aktion und schenkt dem Leipziger Westen eine neue, individuelle Lokalität: das Nepomuk. Die Einrichtung ist artsy, die Drinks sind originell! Wenn ihr Glück habt, steht Lukas Adolphi selbst hinter’m Dresen und, wer weiß, vielleicht er euch sogar etwas über die von ihm veröffentlichte SMS-Sammlung …

Wo: Nepomuk, Zschochersche Str. 57, 04229 Leipzig

2. Indie-Buchhandlung Rotorbooks im Leipziger Kolonnadenviertel

Rotorbooks, das sind Daniel Niggemann und Anke Schleper, die schon seit 2017 im Rahmen des von Niggemann geleiteten Leipziger Fotografie-Festival f/stop gemeinsame Sache machen und Ende 2018 ihre Kunst-, Theorie- und Philosophiebuchhandlung eröffneten. Inmitten von Wandkacheln, Schwerlast-Trägern, opulentem Deckenfries und Vintage-Kinostühlen erzählt dieser Laden nicht nur sein bibliodiverses Programm, sondern auch die Geschichten der vorherigen BesitzerInnen. Im Hinterzimmer befinden sich Verlagsbüro und komplettes Sortiment des befreundeten Merve Verlags, außerdem Platz für noch mehr Kunst, wie beispielsweise Ausstellungen, und guten Kaffee. Besuch und Bücherstöbern dringend empfohlen!

Wo: Rotorbooks, Kolonnadenstraße 5-7, 04109 Leipzig

3. Fünf Jahre Indie-Nacht im Beyerhaus Leipzig

Die Independent-Verlage duotincta (Berlin), Liesmich Verlag (Leipzig) und Edition Überland (Leipzig) präsentieren neueste deutschsprachige Gegenwartsliteratur im Gewölbekeller. Abgerundet wird die Indie-Nacht von einem elektronischen Live-Act des Berliner Produzenten Mangiac. Live und in Farbe auf der Bühne:

  • Birgit Rabisch – Die Schwarze Rosa (duotincta)
  • Barbara Thériault – Die Bodenständigen (edition überland)
  • Tomas Blum – Wofür wir uns schämen (Liesmich Verlag)
  • Barbara Handke – Sommergäste. Erzählung (edition überland)
  • Kai Maruhn – Vogelhälse (duotincta)
  • David Misch – Schatten über den Brettern (duotincta)
  • Thekla Kraußeneck – CronosCube (Liesmich Verlag)

Der Eintritt ist frei.

Wann: Donnerstag, 12.03.2020, 20 Uhr bis 23 Uhr

Wo: Beyerhaus, Ernst-Schneller-Straße 6, 04107 Leipzig Sachsen

4. Poetry-Show im Noch Besser Leben

In der Kultkneipe Noch besser Leben im Leipziger Westen findet am Samstag ab 20 Uhr die Poetry-Show „Out off the Void – Die Lehre von der Leere“ statt. Euch erwarten komische, aber auch tiefsinnige und berührende Texte von der Autorengruppe Die Schreibkräfte sowie eigenunartige Musik vom Singer/Songwriter Hausfreund Semanski. Locker. Laut. Lustig. Live, mund- und handgemacht.

Eintritt frei

Wann: Samstag, 14.03.2020, ab 20 Uhr

Wo: Noch Besser Leben, Merseburger Str. 25, Ecke Karl-Heine-Str.

5. Comic-Indie-Festival The Millionaires Club findet statt

Wer ein wenig Messe-Feeling genießen möchte, ist herzlich eingeladen, das Indie-Festival mit Comicschwerpunkt zu besuchen. Vom 13. bis 15.03.20 findet es an verschiedenen Orten in Leipzig statt. Genauere Infos zum Programm findet ihr unter: https://themillionairesclub.tumblr.com/.

Wann: 13. bis 15.03.2020

Wo: Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig

Wo treiben sich die Jungen Verlagsmenschen in diesem Jahr so rum? Wo triffst Du neue und alte Gesichter? Wir haben die wichtigsten Events hier für euch zusammengestellt.

future!publish

Wann? 30. & 31. Januar 2020

Wo? Berlin

Was? Der Kongress der Buch- und Medienbranche – rund um die Themen elektronisches Publizieren und innovative Marketing- und Verkaufsstrategien.

Für uns werden zwei rasende JVM-ReporterInnen unterwegs sein und live von der Konferenz berichten. Organisiert von der Städtegruppe Berlin wird es am Freitagnachmittag außerdem zwei Ausflüge geben. Interessierte können entweder den Ueberreuter Verlag besuchen und einem Kurzvortrag unter dem Motto „Unkonventionelle Lesemotivation und das Musikalische Bilderbuch“ lauschen oder sich bei einer Verlagsführung beim Argon Verlag über den aktuellen Hörbuchmarkt informieren.

Unter #fpbln20 könnt ihr aus der Ferne mitlesen! 

Für wen? Für alle, die auf der Suche nach neuen Ideen und Impulsen für das Verlegen und Verkaufen sind. Für JVM-Mitglieder dürfen wir wieder vergünstigte Tickets für 149 EUR anbieten. 

Von wem? Organisiert von der PR-Agentur Literaturtest

Azubitag auf der BücherBörse 

Wann? 02. Februar 2020

Wo? Oberhausen

Was? Ein Tag speziell für Azubis – zum Austauschen, Informieren und inspirieren lassen – zusammen mit VerlagskollegInnen aus dem LYX Verlag.

Mit dem Workshop „Die Leser*innen im Fokus – Erfolgreich durch zielgruppengerechtes Marketing“am Beispiel des LYX-Verlagsprogramms, einem traditionellen Bücherbuffetund der LYX-Autorin Kara Atkin, die Einblicke in ihre Arbeit und ihre Bücher gibt. Zum Abschluss gibt es ein leckeres Abendessen. 

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Um Anmeldung wird bis zum 22. Januar gebeten.

Für wen? Für Auszubildende in Buchhandlungen und Verlagen

Von wem? Von der Regionalgeschäftsstelle NRW des Börsenverein des Deutschen Buchhandels 

eBook Camp in München 

Wann? 8. Februar 2020

Wo? München

Was? Ein Barcamp für die Buchbranche: Viele Gespräche, neue Kontakte und Impulse zu neuen Trends des elektronischen Publizierens – in lockerer Atmosphäre im Werk1 in München. 

In den letzten Jahren waren dort auch einige JVM an zu treffen – das Gruppenselfie ist also obligatorisch 😉 

Unter #eBookCampgibt den Tag virutell zum Mitverfolgen.

Für wen? Für alle, die sich für das elektronische Publizieren interessieren und sich breit austauschen und vernetzen möchten. Und diejenigen, die den Tag mitgestalten möchten, können eigene Ideen für Sessions bis zum 27. Januareinreichen.

Von wem? Vom Börsenverein organisiert

London Book Fair

Wann? 10. – 12. März 2020

Wo? London

Was? Die Buchmesse für Lizenzverhandlungen, den Rechteaustausch und einen Überblick über den internationalen Markt. 

Für wen? Für alle, die international arbeiten der vernetzt sind und vor der Leipziger Buchmesse schon mal Messeluft schnuppern möchten.

Für alle, die dann nicht in London sind, empfiehlt sich der #LBF20.

Leipziger Buchmesse  

Wann? 12. – 15. März 2020

Wo? Leipzig

Was? Endlich wieder Buchmesse! 

Für uns JVMler ist der Karrieretag am Messefreitag der wichtigste Tag: Wir haben einen eigenen JVM-Stand, verschiedene Veranstaltungen für euch und ein Get together für Interessierte. Die genauen Daten, folgen.

Außerdem sind wieder MessereporterInnen für uns auf der Buchmesse unterwegs und werden über Social Media und den Blog berichten. 

Für wen? Für alle Buchmenschen

Von wem? Leipziger Messe GmbH

Überregionaler Stammtisch für Young Professionals in Köln

Wann? 25. April 2020

Wo? Köln

Was?

Die Städtegruppe Köln-Bonn und die AG Young Professionals laden zum Besuch des Botanischen Gartens mit anschließendem Stammtisch zum Netzwerken ein.

Teil I
15.00 Uhr Besuch des Botanischen Gartens Köln (bis Einbruch der Dämmerung geöffnet) und des Subtropenhauses (bis 16.00 geöffnet)
Treffpunkt: Haupteingang Alter Stammheimer Weg
Der Eintritt zu allen Bereichen ist frei.

Teil II
Überregionaler YP-Stammtisch mit Impulsvortrag von Lukas Weidenbach „Regio geht immer“ – aber was genau geht da eigentlich?
Wann: 18 Uhr bis open end
Wo: Die Weissenburg, Weißenburgstraße 66, 50670 Köln (Agnesviertel)
Anfahrt: mit der Straßenbahnlinie 18 bis Reichenspergerplatz

Zum Vortrag:
Dörte Hansens „Altes Land“, Juli Zehs „Unterleuten“, Krimis von Klaus-Peter Wolf, Klüpfel/Kobr, Rita Falk und vielen mehr … Regional stark verortete Romane finden sich regelmäßig weit oben auf den Bestsellerlisten. Der Impulsvortrag von Lukas Weidenbach erörtert die Frage: Was sind die Besonderheiten, was die Herausforderungen von „Regio“?
Lukas Weidenbach ist Lektor bei beTHRILLED – dem digitalen Spannungs-Imprint von Bastei Lübbe. Dort verantwortet er unter anderem Regio-Krimis.

Meldet euch gerne bis 09.04.2020 an, damit wir ggf. auf euch warten und die Sitzplatzreservierung im Restaurant anpassen können – natürlich sind aber auch sowohl zum Besuch des Botanischen Gartens als auch zum Stammtisch spontan Entschlossene herzlich willkommen.

Bitte per Mail an: Youngprofessionals@jungeverlagsmenschen.de

Für wen? Für Young Professionals

Von wem? Von der Städtegruppe Köln-Bonn und der AG Young Professionals

Republica

Wann? 6.-8. Mai 2020

Wo? Berlin

Was? Die größte Konferenz, oder auch Festival zu den Themen Internet und digitale Gesellschaft in Europa. 

Mit einem riesigen Angebot an verschiedenen Vorträgen, Workshops, Keynotes und Austauschmöglichkeiten sowie vielfältigen Speakern.  

Für wen? Für alle, die einen Blick über den Tellerrand der Buchbranche werfen möchten

Für alle JVMler auf der republica gibt es bestimmt auch wieder ein kleines Treffen im Innenhof.

Von wem? Von der republica GmbH

Nachwuchsparlament & Buchtage Berlin

Wann? 15. – 17. Juni 2020

Wo? Berlin

Was? Das Nachwuchsparlament bietet Nachwuchskräften der Buchbranche ein Forum, über ihre Belange und Interessen zu sprechen, sich zu Fachthemen auszutauschen und eine/n NachwuchssprecherIn als ihre Vertretung zu wählen. 

Die Buchtage sind der Treffpunkt der Branche. Es werden branchenrelevanten Themen diskutiert, in verschiedenen Ausschüssen getagt und bei der Haupt- und Fachgruppenversammlungen des Börsenvereins haben die Mitglieder am Verbandsgeschehen teil, wählen Ausschüsse und Vorstände.

Parallel findet die Jahrestagung der IG Digital statt. 

Für wen? Das Nachwuchsparlament ist sehr empfehlenswert für alle Nachwuchskräfte. Für die Plätze kann man sich bewerben. 

Von wem? Vom Börsenverein organisiert und durchgeführt

JVM Jahrestreffen 2020 – SAVE THE DATE

Wann? 11. Juli 2020

Wo? Hamburg

Was? Die Hauptversammlung des Vereins, in dem über das vergangene Jahr berichtet wird, vereinsrelevante Themen besprochen werden und alle Mitglieder zusammenkommen und am Vereinsgeschehen teilhaben können. Rund um die Versammlung findet ein bunt gemischtes Rahmenprogramm mit Get together, Workshops sowie dem Städtegruppenleitungstreffen statt. 

Für wen? Für alle Mitglieder sowie alle an den Jungen Verlagsmenschen Interessierte ein Muss! 

Von wem? Vom Hamburger Orgateam gemeinsam mit dem Vorstand organisiert

Weitere Informationen und die Anmeldemöglichkeit folgen!

Frankfurter Buchmesse 

Wann? 14.-18. Oktober 2020

Wo? Frankfurt

Was? Das Highlight des Buchbranchen-Jahres und natürlich Treffpunkt aller aus der Branche. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude! 🙂

Für wen? Für alle Branchenteilnehmenden an den Fachbesuchertagen und am Wochenende auch für die Leserinnen und Leser geöffnet.

Das Get together der JVM ist bereits ein Pflichttermin im Rahmen der Buchmesse geworden und auch sonst, wird es wieder viel Gelegenheit geben sich mit anderen jungen Verlagsmenschen auszutauschen. 

Von wem? Frankfurter Buchmesse GmbH, als Tochtergesellschaft des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

von Tanja Steinlechner

Die Eröffnung

Auch für den Schreibhain ist es beinahe schon Tradition geworden: Die Leipziger Buchmesse beginnen wir mit der Eröffnung im Gewandhaus, wo am 20. März 2019 der diesjährige Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an die Schriftstellerin und Journalistin Masha Gessen für ihr Buch „Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und wieder verlor.“ verliehen wird. Übersetzt wurde das Werk, das Gessen selbst als faktografischen Roman bezeichnet, aus dem Englischen von Anselm Bühling. Um vier Biografien junger russischer Menschen, die in die Mühlen gesellschaftlicher Rückwärtsbewegungen der Putin Ära und ihrer Restriktionen geraten, kreist der Roman. Er dokumentiert und erzählt gleichermaßen von der aufkeimenden Hoffnung auf demokratische Entwicklungen in den neunziger Jahren und deren Zersetzung in der postsowjetischen Gesellschaft.

Zwischen den Ansprachen, die abwechselnd ein Zusammenrücken der Buchbranche in Zeiten der KNV- Insolvenz konstatieren, auf die Bedeutung der Reform des Urheberrechtsgesetzes zu sprechen kommen oder auf die anstehenden Europawahlen und deren Einfluss auf die Demokratie abzielen, spielt das Gewandhausorchester und erinnert u.a. mit Kompositionen von Antonín Leopold Dvořák und Bedřich Smetana an Tschechien, das diesjährige Gastland der Leipziger Buchmesse.

Nach dem Festakt gibt es nicht nur den obligatorischen Sekt und das Gläschen-Buffet (wir nennen es so, weil die Häppchen in kleinen Gläsern serviert werden), sondern auch erste Wiedersehen mit liebgewonnenen Kolleginnen und Kollegen. In die Moritz Bastei zur Langen Lesenacht schaffen wir es nicht mehr. Wir spazieren unter einem vollen Mond und bei milden Frühlingstemperaturen in Richtung unseres Appartements.

Lesungen

Der Messedonnerstag entpuppt sich als Möglichkeit kleine Lesungseindrücke live von der Messe zu gewinnen: Ich lausche Jan Drees, der Auszüge aus seinem Roman „Sandbergs Liebe“ präsentiert und darüber spricht, wie Fiktion und Biografie in seinem Werk zur Autofiktion verschmelzen, sich sein Protagonist mehr und mehr in eine Beziehung mit einer Narzisstin und Borderlinerin verstrickt und welche Spuren traumatische Gewalterfahrungen in Partnerschaften hinterlassen. Sowohl auf der Ebene des Textes als auch im Gespräch gelingt Drees jenes Meisterstück, das den Sog der Literatur ausmacht: Er bannt seine Leserinnen und Leser, zieht sie so in seine Erzählwelt.

Noch am selben Tag eine zweite Überraschung: Julya Rabinowich, deren Erzählkraft und Sprache ich seit ihrem Roman „Krötenliebe“ verfallen bin, erlebe ich das erste Mal live – und zwar mit ihrem Jugendstoff „Hinter Glas“, jüngst erschienen bei HanserNicht nur ist Rabinowich eine sympathische, humorvolle und weltoffene Gesprächspartnerin auf dem Podium, auch wagt sie sich an Themen, die nicht typisch fürs Jugendbuch sind, ohne beschönigen zu wollen oder die Angst, ihrem Publikum durch die Gewalterfahrungen ihrer Heldin zuviel zuzumuten. Vielleicht entwickelt sich gerade aus dieser Schonungslosigkeit und Aufrichtigkeit heraus, der starke Wunsch, der Geschichte ihrer Protagonistin folgen zu wollen. Nicht ohne Grund hat Rabinowich ihrer Heldin den Namen Alice mit auf den Weg gegeben. Alice hinter den Spiegeln, Alice, die uns mitzieht in ihre Welt. Ob Rabinowich nun für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene schreibt, hier – und das spürt man in jedem Satz, der einen weiter vorantreibt – ist eine der ganz großen Erzählerinnen unserer Zeit am Werk.

Eigentlich hatten wir uns für den Abend die Lesung unseres wundervollen Kollegen Tobias Quast vorgenommen. Da der „besten Susanne der Welt“ (Kolleginnen wissen von wem ich spreche) gesundheitlich nicht ganz wohl war, planten wir kurzerhand um. Nur wenige Meter von unserem Appartement entfernt, las Patricia Holland Moritz im Flowerpower aus ihrem im März 2019 erschienenen Krimi „Der Menschenleser“. Wussten wir zuvor noch nicht, was es mit dem Ausdruck geflowerpowert auf sich haben sollte, nach diesem Abend waren wir endlich im Bilde. Hier stimmte einfach alles, Francis Mohrunterhielt uns mit Anekdoten über Geschenkekalender und die wahren Verdienste der Messestadt Leipzig, der Veranstalter hieß uns in der Welt seines „Flowerpower“ willkommen und klärte uns auf, dass es in seinem Etablissement auch morgens um sechs Uhr noch ein Getränk gäbe. Schließlich gelang es Patricia Holland-Moritz nicht nur den ersten Profiler Deutschlands, ihren Menschenleser und Forensiker Paul Semper, lebendig werden zu lassen, sondern ließ uns darüber hinaus in die ebenso dichte wie bedrückende Atmosphäre einer Kleinfamilie eintauchen, über die ein Mord hereinbricht. Einen gelungeneren Abschluss des ersten Messetages hätten wir uns kaum vorstellen können.

Buchmesseparty und Leipziger Autorenrunde

Am Freitagabend trifft sich der Schreibhain und Friends im La Provence zum gemeinsamen speisen, um später auf der Buchmesseparty in der Moritzbastei bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen. Mit den Kolleginnen von der Litmedia-Agency, der einzigen mir bekannten Literaturagentur, die im Gesamt-Team Harry Potter cosplayed, kein Problem. Allerdings müssen wir zunächst in die Katakomben hinabsteigen, um endlich die wahre Party in der Party zu entdecken.

Es muss dem Buchmesseflow zu verdanken sein, dass ich mit nur wenigen Stunden Schlaf und Endorphinen im Blut pünktlich zur Eröffnung der Leipziger Autorenrunde eintreffe. Ein Branchenereignis, das Leander Wattig einst ins Leben rief und das – dank seinem Engagement, der Unterstützung der Buchmesse und der Sponsoren – zu einem festen und nicht mehr wegzudenkenden Ereignis des Bücherjahres geworden ist. Ich bin dankbar meinen Teil dazu beitragen zu dürfen: Mit der wunderbaren Eva-Maria Fahmüller (Dramaturgin und Leiterin der Master School Drehbuch, außerdem Vorstand von VeDRA) leite ich eine Tischrunde zum Thema: Die Welt der Geschichte. Es ist uns ein Anliegen, dieses oftmals stiefmütterlich behandelte Gebiet zu beleuchten. Denn nicht nur aus den Figuren oder dem Plot heraus lässt sich eine Erzählung entspinnen, oft ergibt sich auch aus der Welt – die mehr ist als Hintergrund und Folie, auf der die Handlung abläuft – eine zündende Idee. Neben theoretischen Impulsen arbeiten wir auch praktisch. Auf unserem Tisch liegen Bilder, auf denen ein Ort visualisiert ist (eine Tankstelle, Frankfurt am Main, eine Tanzbar der zwanziger Jahre)  und solche mit Symbolen, die für Tonalitäten stehen (Herzen für die Lovestory, ein Einhorn mit buntem Schweif für die Fantasy, Theatermasken für das dramatische Moment, u.v.a.m.). Es ist nun die Aufgabe der Teilnehmer*innen Ideen, aus diesen Welten heraus, zu entwickeln. Wir arbeiten in Kleingruppen und hoffen darauf, dass sich so erste Bande zwischen den Autor*innen entspinnen und Netzwerke geknüpft werden.

Jan Drees oder Dichtung und Wahrheit

Wie schon letztes Jahr besuche ich auch die Runden der Kolleg*innen. Es zieht mich an den Tisch von Jan Drees, der über die Entstehung seines Romans „Sandbergs Liebe“ referiert, sein Thema: Dichtung und Wahrheit. Er spricht über die Funktionen von Erinnerung, auch über das Vergessen, dem er eine einfache Übung entgegenhält: das tägliche Notieren. Ich erinnere mich, etwas Ähnliches bei Hanns-Josef Ortheil gelesen zu haben: Das Schreiben als Anschreiben gegen das Vergessen, als Vergewisserung, dass sich ein Ereignis tatsächlich zugetragen hat, als Möglichkeit, die Welt im Schreiben mit Bedeutung aufzuladen. Ortheil spricht, so ich mich recht erinnere, von einer Notwendigkeit des Schreibens – erst das Festhalten inmitten des Stroms der Ereignisse, im Notieren also, rettet das Erleben davor, ins Vergessen zu sinken. Drees rät zur Methode Arno Schmidt, spricht von Zettelkästen oder alternativ schlicht von Notizbüchern. Letztere wuchern bei mir, ohne, dass ich in ihnen fündig würde, die Schrift purzelt aus ihnen heraus, an Stellen, die ich nicht suche. Da scheinen die Zettelkästen eine echte Alternative. Auch von nächtlichen Träumen spricht Drees. Aus dem Unterbewussten gespeist, wären sie schon bald vergessen, würden wir sie nicht – kurz nach dem Erwachen – festhalten. Es ginge beim autofiktionalen Schreiben vor allem darum, immerfort Material zu produzieren, in langweiligen Sitzungen, beim Warten auf den Zahnarzttermin, während einer Bahnfahrt – auf dass ein Archiv entstünde.

Uwe Timm, sagt Drees, habe Schubladen für Materialien gehabt und dieses darin sortiert und gesammelt. Timm habe erst angefangen zu schreiben, wenn er begonnen habe, von seinen Figuren zu träumen, wenn sie ihn in Besitz genommen hätten.

Drees rät nicht alles „gleich rauszulassen“, nicht alle Gedanken sofort Facebook und Co anheim zu geben, sie stattdessen wachsen zu lassen, und – das scheint mir wesentlich –  um seine eigene Dunkelheit zu wissen, ihr nicht auszuweichen, gerade dorthin sich vorzuwagen, wo es am meisten schmerzt, um dann – radikal und ehrlich – darüber zu schreiben. Ob dieses Ich ein Konstruiertes sei oder nicht, spiele fortan keine Rolle mehr. Denn der Schmerz sei etwas zutiefst Menschliches und Überpersönliches, der aber im Subjektiven wurzele.

Wie sein Roman sich lesen lasse, dazu sagt Drees: Es seien stets Paratexte entstanden. In seinem Blog habe er Persönliches aus seiner Beziehung literarisch überhöht verarbeitet, in einem Feature, das gemeinsam mit dem Bayrischen Rundfunk entstanden sei, habe er über dasselbe Thema aus einer anderen Perspektive, einem fremden Blickwinkel geschrieben. So funktioniere dieser Zaubertrick: Die Dinge der Welt und ihre Betrachtungen flössen ineinander, was sich ursprünglich auf was bezogen habe, was tatsächlich so geschehen wäre, sei irgendwann nicht mehr die Frage. Das bestmögliche Versteck vor dem Ich sei eben das Ich, hier vermute man stets Verfremdung.  Von weit höherem Interesse sei die Wahrheit des Lesers bzw. der Leserin. Jeder gleiche die Erzählung mit seiner eigenen, inneren ab, fände Überschneidungen und Interpretationen, und so wisse ein Buch immer mehr als sein Autor.

Danach gefragt, wie er Traumatisches niederschreibe, antwortet Drees, „umso schrecklicher etwas ist, umso sachter muss es daherkommen.“ Auch er erzähle schließlich seine Version der Geschichte.

von Jonas Frankenreiter

Am frühen Vormittag des letzten Tags der Leipziger Buchmesse gab es abseits des Messegeländes in der Frauenkultur in Connewitz eine außergewöhnlich spannende Lesung zu besuchen: „Unerhörte Ostfrauen“ porträtiert Frauen, die für längere Zeit sowohl die DDR, als auch die BRD miterlebt haben.

In dem Buch von Ellen Händler und Uta Mitsching-Viertel treten die Unterschiede beider Länder, vor allem in Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter hervor. Die Autorinnen legen ihr Augenmerk gerade auf diese Differenzen, die von Frauen, die 20 Jahre in beiden Systemen gelebt haben, erfahren wurden. Die Berufe, die sich oft je nach Lebensabschnitt unterschieden, sind den jeweiligen Interviews vorangestellt, getrennt durch eine kleine Mauer. In den eigentlichen Texten der interviewten Frauen geht es häufig um ihre Arbeit, Partnerschaften und Kinder aber weiter auch um soziale Sicherheit, Religiosität und kulturelle Identität.

Die Frauen machen durch ihre Schilderungen die verschiedenen Welten erfahrbar. Eine bekam, nachdem sie im Westen eine Stelle angenommen hatte und ihren Vorgesetzten sprechen wollte, zu hören: „Man macht doch als Frau keinen Termin beim Chef!“ Besser kann der der gesellschaftliche Rückschritt, den viele Frauen im Westen oder im wiedervereinten Deutschland empfanden, kaum verdeutlicht werden. Andererseits, so erklärt eine andere Frau, gab es in der DDR auch keine Frauenbewegung, die in dem Ausmaß vergleichbar gewesen wäre mit der des Westens: „In der DDR gab es keine Frauenbewegung, daran haben wir nicht gedacht, das war ein West-Thema.“ Die Frauen schätzten viel eher was sie schon hatten: erfahrbare gesellschaftliche Teilhabe, kollegiale Arbeitsverhältnisse und das unkomplizierte Scheidungsverfahren. Letzteres wurde gerne angewandt:

„Ich bewarb mich mit den Worten, meine Scheidung laufe gerade, ich könne mich also voll auf die Arbeit konzentrieren.“

Die Geschichten sind oft humorvoll geschildert und machen so die Umstellungen, die die Frauen leisten mussten auf eine eher heitere Art und Weise deutlich. Die Autorinnen haben versucht ein möglichst umfassendes Bild der Arbeitswelt der DDR zu zeichnen, indem sie speziell Frauen aus unterschiedlichen Berufsfeldern suchten und fanden. Dass man alle Kapitel als Erfolgsgeschichten lesen kann, darauf wiesen auch die Autorinnen hin. Nicht alle Bürger der DDR fanden so leicht einen Zugang zum neuen System, wie die porträtierten Frauen.

Das was vorgetragen wurde, und wohl auch das was den Leserinnen und Lesern des Buchs vorenthalten bleibt, bieten einen hochinteressanten Einblick in das Leben von Frauen in der DDR und erinnert im selben Moment an immer andauernde Benachteiligungen im heutigen vereinten Deutschland.

Ellen Händler und Uta Mitsching-Viertel: Unerhörte Ostfrauen. Lebensspuren in zwei Systemen, ibidem-Sachbuch: Hannover 2019, 288 Seiten. ISBN-13: 978-3838212302.


von Jonas Frankenreiter

Gleich an mehreren Tagen wurden auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse nicht nur Bücher sondern auch Studiengänge vorgestellt. Zwischen den Lesungen und Diskussionsveranstaltungen konnte man sich bei dem Stand „Studium rund ums Buch“ über Ausbildungsmöglichkeiten in der Buch- und Verlagsbrache informieren.

Das Format ist einfach und doch aufschlussreich. Studierende aus verschiedenen Fächern rund um das Medium Buch berichten in einer gemeinsamen Runde aus ihren jeweiligen Studiengängen und von ihren Universitätsstädten. Die Moderation spann entlang bestimmter, wiederkehrender Fragen einen roten Faden durch das Gespräch: Was macht ihr in eurem Studium? Wodurch zeichnet es sich aus? Was bieten eure Städte? Und was für Arbeitsmöglichkeiten gibt es später?

Auf den Sesseln der Messe trafen junge Menschen aus der ganzen Republik aufeinander und erzählten. Es ging einerseits um akademische Besonderheiten, wie die Dauer von 7 Semestern bei „Buch und Medienproduktion“, die Schwerpunkte Journalistik, Pädagogik und Kommunikation bei den „Kommunikations- und Medienwissenschaften“, die Teilbereiche Käuferforschung und Medienrecht in der „Buchwissenschaft“ und die Kreativität und kleine Gruppengröße im „Mediapublishing“. Andererseits wurde nicht vergessen vom Studierendenleben zu schwärmen und beispielsweise die Clubszene Leipzigs, die Verlagsnähe und Studierendeninitiativen in Stuttgart, die Berge um München und das Weinfrühstück in Mainz hervorgehoben.

Von Erlangen bis ins Rheinland, überall lernt man gleichermaßen, ein Buch mitzugestalten. Dass wurde am Ende einer jeden Diskussion anhand des fertigen Produkts nochmals verbildlicht. Wer macht was am Buch? Von der Herstellung über die Gestaltung, bis zur Katalogisierung des Buchs und seiner gesellschaftlichen Relevanz und dessen Vermarktung kamen alle zu Wort.

Als Ergänzung hier eine kleine Übersicht der (in einer Runde) besprochenen Studiengänge. Weitere Information findet man auf den Websites der jeweiligen Universitäten.

Buchhandel/Verlagswirtschaft (HTWK Leipzig)

Buch und Medienproduktion (HTWK Leipzig)

Kommunikations- und Medienwissenschaften (Uni Leipzig)

Buchwissenschaft (JGU Mainz)

Mediapublishing (Hochschule der Medien Stuttgart)


von Helena Sindl

Die Liebe zur Literatur ist groß und weit verbreitet, aber was sind die Aufgaben und die Kernfähigkeiten des Lektors?

Das Lektorat ist für viele, die eine Karriere im Verlags- und Buchwesen anstreben, ein Wunschberuf. Christiane Schmidt, die unter anderem als Cheflektorin bei Hoffmann und Campe gearbeitet hat und mittlerweile als freiberufliche Lektorin tätig ist, skizziert auf dem Podium des Fachforums 2 der Leipziger Buchmesse 2019 die Aufgaben und Möglichkeiten des Berufsfeldes.

Leidenschaftsberuf Lektorat

Man müsse verstehen, dass das Lektorat ein „Leidenschaftsberuf“ sei, so Christiane Schmidt. Wie bei so vielen Berufen im kulturellen und journalistischen Sektor sei ein Lektor oder eine Lektorin mit Schwierigkeiten konfrontiert, die nur mit einem gewissen Handwerk und einer gewissen Willensstärke gemeistert werden können.

Den Einstieg in das große Arbeitsfeld des Lektorats suchte sie über die Teilbereiche der Belletristik und des Sachbuchs zu erklären. Der Lektor oder die Lektorin hat – ganz gleich ob in der Belletristik oder im Sachbuch –  bestimmte Arbeitsbereiche abzudecken: die Text- und Autorinnenakquise, die Textarbeit und die Autorinnenbetreuung. Überdies noch die Programmplanung, die Titelkalkulation sowie die externe sowie interne Kommunikation, etwa mit dem Bereich Herstellung.

Die unabhängigen Fähigkeiten eines Lektors

Bei der Akquise sollte man sich stets bewusst machen, welche Themen gegenwärtig von Bedeutung seien. Ein gesellschaftspolitisches Interesse und eine gute Allgemeinbildung gehören bei der Berufsentscheidung für das Lektorat zu notwendigen Bedingungen Der Blick für relevante Themen sollte so durch den Besuch von Fachkongressen, eine offene Einstellung zur Kulturszene und den Feuilletons sowie einen steten Austausch mit Kolleginnen und Kollegen geschärft werden.

Der Lektor oder die Lektorin muss in der Lage sein, einen Text zunächst unbefangen zu lesen. Im Anschluss müssen die Beweggründe für eine Zusage oder Absage entlang nachvollziehbarer Kriterien formuliert werden; eine Fähigkeit, die sich zum Teil erst über Jahre entwickle. Grundsätzlich sei eine solche Entscheidung im Sachbuchbereich leichter als in der Belletristik zu treffen, was in der innertextuellen Logik und faktischen Richtigkeit des Genre begründet liegt. Belletristische Texte erforderten eine intensive Auseinandersetzung, die in den meisten Fällen noch über eine rein inhaltliche Korrektur hinaus reiche. Der Lektor oder die Lektorin müsse sich in die Mentalität und die Kultur einer Sprache, ob Mutter- oder  Fremdsprache, hineinversetzen können. Daher gehe das Lektorat über ein reines Textkorrektorat hinaus.

In beiden Teilbereichen sind Genauigkeit, Kommunikationsfähigkeit sowie Aufrichtigkeit unabdingbare Charaktereigenschaften für den Lektor oder die Lektorin, sowohl im Umgang mit Autoren und den Fachabteilungen eines Verlags.

Autoren und Lektoren — beste Freunde?

Im gesamten Arbeitsprozess nimmt das Verhältnis zwischen Autor und Lektor Einfluss auf die Arbeit. Schmidt beschreibt die Beziehung aber als von einem Ungleichgewicht geprägt. Während der Autor oder die Lektorin künstlerisch tätig sei, greife der Lektor in ein von persönlichen Erfahrungen geprägtes Werk korrigierend ein. Daher arbeite man auf einer intimen Ebene, deren Grundlage Vertrauen darstelle.

Einen gelungen Einstieg ins Lektorat bieten Praktika und Volontariate, so Schmidt. Dies sei mittlerweile der gängige Weg.